18:20 18 April 2019
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    Gefahr durch psychoaktive Medikamente: Anstieg von Todesfällen in Deutschland

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    Gesellschaft
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    Beata Arnold
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    Die Anzahl der Toten durch psychoaktive Arzneimittel - zur Entspannung oder als Schlafmittel – ist um 68 Prozent gestiegen. Die Todesfälle durch sogenannte Legal Highs sind hingegen gesunken. Laut Drogenbeauftragter des Bundes verstarben 2018 über 1200 Menschen infolge Drogenkonsums. Sie fordert mehr Gelder für die kommunale Suchtberatung.

    Vergangenes Jahr sind 1276 Menschen in Deutschland infolge ihres illegalen Drogenkonsums gestorben, so die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler. Das seien vier Tote mehr als noch 2017. Die Zahl der auf Rauschmittelkonsum zurückzuführenden Todesfälle ist somit weiter auf hohem Niveau.

    Drogen (Symbolbild)
    © Sputnik / Sergei Vinyavski

    Einen Rückgang gab es bei Personen, die an den Folgen ihres Missbrauchs von sogenannten „Neuen psychoaktiven Stoffen (NpS)“ sowie durch fentanylbasierte Arzneimittel verstarben. Diese auch als „Legal Highs“ bekannten Mittel sind Designerdrogen mit zuweilen harmlos klingenden Namen. Sie werden etwa im Internet oft als Kräuter- oder Duftmischungen, auch als Lufterfrischer oder Badezusätze zur vermeintlichen Steigerung des Wohlbefindens angeboten. Nachdem in vorangegangenen Jahren die Sterberate nach deren Konsum gestiegen war, reagierte die Bundesregierung 2016 mit einem Gesetz, um deren Verbreitung einzudämmen: Mit dem "NpS-Gesetz" wurden etwa synthetische Cannabinoide verboten.

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    Laut Drogenbeauftragter sei allerdings die Anzahl der Todesfälle durch sogenannte Tranquilizer oder Hypnotika, also psychoaktive Arzneien wie Benzodiazepine, gestiegen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe psychoaktiver Medikamente, die als Entspannungs- und Beruhigungsmittel oder als Schlafmittel verabreicht werden. Die ursprünglich aus der Narkosemedizin stammenden Mittel werden bei Symptomen wie Angstzuständen, Depressionen, Unruhe oder Schlaflosigkeit verwendet.

    Ein deutlicher Rückgang der Todesfälle sei bei den Menschen zu verzeichnen, die an einer Überdosis von Opioiden starben. Es gab also weniger Morphin- und Herointote. Die Zahl der Verstorbenen sank von noch 707 im Jahr 2017 auf 629 in 2018. Dennoch gibt es deutschlandweit die meisten Drogentoten durch Überdosierungen dieser Rauschgifte. Die Zahl hatte nach der Jahrtausendwende konstant abgenommen und erreichte 2012 mit 944 Fällen den niedrigsten Stand seit 1988. Doch bereits 2016 mit 1333 an illegalem Konsum Verstorbenen erneut ein betrübliches Hoch.

    „Um Leben zu retten, brauchen wir eine funktionierende Suchthilfe vor Ort!“, so die Drogenbeauftragte Marlene Mortler. Sie betonte die Bedeutung der kommunalen Suchthilfe: "Es ist höchste Zeit, die Suchtberatung bestmöglich für die Zukunft aufzustellen." Dafür sei mehr Geld nötig, denn die Herausforderungen  an die Einrichtungen in den Städten und Gemeinden wüchsen. „Aber mehr leisten bei gleichbleibender Finanzierung – das funktioniert nicht!“, so Mortler weiter.

    Über 1500 ambulante Suchtberatungsstellen deutschlandweit erreichen jährlich mehr als eine halbe Million Suchtkranker und deren Angehörige.

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    Tags:
    Drogenkonsum, Überdosis, Todesfälle, Legal Highs, Drogen, Medikamente, Marlene Mortler, Deutschland