10:30 21 April 2019
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    Rehabilitation der Behinderten in Russland

    Behinderte sprechen sich für ein erfülltes Leben aus – Konferenz in Moskau

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Gesellschaft
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    Nikolaj Jolkin
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    Bei der Moskauer Konferenz zu den Behindertenrechten in Russland und den EU-Mitgliedsstaaten wurden neben den Karriereaussichten für Behinderte, ihrem Recht auf Liebe und romantische Beziehungen auch Probleme von behinderten Frauen besprochen, die es rein körperlich zuweilen viel schwerer als die Männer haben.

    Die Künstlerin und Veranstalterin des Festivals „Frauen. Behinderung. Feminismus“, Aljona Lewina, verwies darauf, dass behinderte Frauen unter anderem darunter leiden, dass sie selbst in Moskau eine adäquate gynäkologische Untersuchung vermissen.

    „Sie haben große Schwierigkeiten bei der Umsetzung ihres Rechts auf Familienleben, Sex und Mutterschaft. Einige von ihnen, etwa Lesben oder bewusst Kinderlose, können sich in dieser Welt kaum etablieren. Außerdem sind behinderte Frauen mehr als andere Gewalt ausgesetzt, sowohl außerhalb des Hauses als auch unter ihren Familienangehörigen.“

    Die Vizechefin der EU-Delegation in Russland, Aleška Simkić, betonte, dass in der EU gut 70 Millionen und in Russland 13 Millionen Menschen mit Einschränkungen leben. „Rund 80 Prozent der europäischen und 89 Prozent der russischen Behinderten können kein aktives Leben führen, dabei sind 44 Prozent von ihnen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert. Weltweit leben viele Behinderte unter der Armutsgrenze. Selbst im wohlhabenden Europa können diese Menschen kein erfülltes Leben genießen. Die Regierungen – in Europa wie in Russland – kümmern sich vor allem um behinderte Kinder. Mit 18 Jahren, wenn man sich in die Gesellschaft einzugliedern hat, kann man diese Unterstützung nicht mehr in Anspruch nehmen.“

    Anna Bitowa vom Moskauer Zentrum für Heilpädagogik meint, die Ratifizierung der UN-Konvention über Behindertenrechte durch Russland im Jahre 2012 habe das Leben der Behinderten wesentlich verändert, „da man sich nun bei Unterhandlungen mit Beamten auf ein völkerrechtliches Dokument berufen kann. Dies sichert den Erfolg der Reform von psychoneurologischen Internaten im Lande im Voraus. Die Revolution in diesem Bereich hat begonnen, wenngleich sich nicht sagen lässt, sie habe schon überall stattgefunden. Der Leitsatz, Kinder sollen in bequemen familienähnlichen Verhältnissen leben, bleibt in einigen Regionen Russland vorläufig ein bloßer Wunschsatz.“

    Aljona Lewina spricht über Probleme der behinderten Frauen
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Aljona Lewina spricht über Probleme der behinderten Frauen

    Inzwischen habe man aber eine Begründung, so Bitowa, wenn man gegenüber den Beamten meine, „die Kinder dürfen nicht ihr Leben lang im Schlafzimmer bleiben. Sie müssen noch ein Zimmer haben, in das sie gehen können, wenn sie spielen möchten. Sie verdienen ein menschenwürdiges Leben. Dabei haben die Kinder in russischen Internaten vor 2015 gar keine Ausbildung genossen und bekamen, als sie erwachsen wurden, kein Dokument für das weitere aktive Leben. Schön, dass die Regierung sich jetzt mit diesem Problem auseinandersetzt und die Lage sich zu verändern beginnt.“

    Die Konferenzteilnehmer stellten fest, dass „15 Prozent der Weltbevölkerung an der einen oder anderen Art Behinderung leiden. Dabei stoßen sie auf zahlreiche Hürden und Diskriminierungen im Privatbereich – in den EU-Mitgliedsstaaten wie in Russland. Gerade die UN-Behindertenrechtskonvention hat sie erstmals als Rechtssubjekte behandelt, die ihre Rechte durchsetzen und freie, bewusste Entscheidungen treffen, aktive Mitglieder der Gesellschaft sein können. Sie sollen so viel Unabhängigkeit haben wie sie wollen, um ein erfülltes Berufs- und Privatleben zu genießen.“

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    Tags:
    Pflege, Behandlung, Pflegebedürftige, Behinderte, Hilfe, Integration, Konferenz, EU, Russland