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02:37 18 August 2019
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    Großbrand in Notre-Dame de Paris

    „Kinder hungern, Heuchler“ und „linke Doppelmoral“: Notre Dame-Spenden spalten Netz

    © AP Photo / Francois Mori
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    Liudmila Kotlyarova
    Der verheerende Brand in Notre-Dame – Ursachen, Geschehen, Folgen (20)
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    Kaum hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eine nationale Spendenaktion für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre-Dame angekündigt, ist diese zu einer internationalen geworden. Auch mehrere deutsche Politiker rufen dazu auf, für das „Wahrzeichen der europäischen Kultur“ zu spenden. Im Netz sorgt dies bei vielen für Unverständnis.

    Wie die „Le Parisien“ berichtet, ist bereits insgesamt über eine Milliarde Euro gespendet worden, vor allem von großen Unternehmen und Geschäftsleuten sowie über vier öffentliche Stiftungen, die vom französischen Kulturministerium ausgewählt wurden.

    Die Brandursache ist indessen immer noch unklar. Und selbst wenn eine Versicherung greifen sollte, werde die abgedeckte Summe nicht ausreichen, meinen die Experten. Es werde noch viele Jahre dauern, bis das Gesamtausmaß der Verluste festgestellt werden könne.

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    Auch Deutschland hat sich hilfsbereit gezeigt. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Dienstag in Berlin, Deutschland sei „gerne bereit“, mit seiner Expertise und Erfahrung daran mitzuwirken. Nordrhein-Westfalen bot die Hilfe seiner vier Dombauhütten in Aachen, Köln, Soest und Xanten an, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellt Dombauhütten in Regensburg, Passau und Bamberg zur Verfügung. Die Dresdner Philharmonie will den Erlös eines Konzerts spenden, die Vereinigten Domstifter Merseburg und Naumburg starteten ebenso eine Spendenaktion.

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    Es gab auch mehrere Spendenaufrufe. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief am Dienstag die Menschen in Deutschland und Europa auf, den Wiederaufbau des „Wahrzeichens europäischer Kultur“ zu unterstützen. In Berlin warb der Senat um Spenden für die Partnerstadt Paris. Ähnlich äußerte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU): „Wenn wir einen Beitrag leisten können, ganz persönlich, ganz individuell, dann sollten wir das tun.“ Der als CDU-Vorsitzender gescheiterte Friedrich Merz wollte sogar eine entsprechende Bürgerinitiative ins Leben rufen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und die Deutsche UNESCO-Kommission haben sogar ein spezielles Spendenkonto eingerichtet.

    Netz explodiert von Gegenargumenten

    Die eilige Spendenaktion hat die Menschen in ihren Positionen rund um das Thema gespalten, was sich besonders im Netz widerspiegelt. Es war auch die Moderatorin und dreifache Mutter Natascha Ochsenknecht, die die hastigen Spenden kritisierte. „Auf der Welt verhungern Menschen, weil kein Geld da ist“, schrieb sie auf Instagram.

    Die meisten Kritiker verweisen vor allem darauf, dass den Menschen im Notstand sonst nicht so gerne geholfen werde wie bloss einem „Gebäude“.

    Ein gewisser Max Aurel schrieb, dass währenddessen die UNICEF um Spenden für den Jemen bettele und zwei Millionen Kinder dort extrem unterernährt seien.

    „Wo sind die Prioritäten und was entspräche dem christlichen Glauben eher?“, fragte der Nutzer mit dem Nicknamen Global Player zurück. Die mit den anderen Prioritäten stempelte er mit dem Hashtag #Heuchler ab.

    Ein gewisser Paul wollte auch auf die alten Leute in Not aufmerksam machen.

    Es gibt auch jene, die auch das Geld der Milliardäre hinterfragen wollen. „Wie vielen Menschen könnte man mit den 31 Milliarden Euro helfen, die durch #cumex der Steuer entgehen?“, schrieb das Model Marie von den Benken. Bei einer als Cum-Ex bekannten Variante des Dividendenstrippings kam es mal in großem Umfang zu bewusst herbeigeführter mehrfacher Erstattung von nur einmal abgeführter Kapitalertragsteuer.

    Der Jugendkoordinator der „Linke“, Robert Fietze, schrieb auf den entsprechenden Kommentar von Friedrich Merz, man werde eine Bürgerinneninitiative gründen, die „die Cum-Ex-Milliarden von Black Rock und Co.“ zurückholen und das Geld dann an Millionen Menschen in Not spenden würde.

    Auch MdB Fabio de Masi von der „Linke“ beharrte darauf, dass die Milliardäre lieber ihre Steuern zahlen sollten.

    Eine gewisse Jennifer Diener hat sich darüber beschwert, dass nur wenige für die Rettung der Meere und deren Säuberung von Plastik spenden würden.

    Einige Nutzer blieben da auch bei der anderen Meinung. Ein gewisser Rubin Nischara verwies auf die „Doppelmoral bei einigen Linken“, denn er wolle auch wegen Notre Dame traurig sein.

    Viele Nutzer wie Tom de Belfore finden die Idee, für die Kathedrale Geld zu spenden, unabhängig von den anderen Weltproblemen trotzdem gut.

    Ein gewisser Lukas Maaßen hat übrigens schon gespendet und seine Freude mit der Welt geteilt.

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    Tags:
    Notre Dame, Frankreich