13:50 16 Dezember 2019
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    Durchsuchung der Passagiere in dem Flughafen in Simferopol, Krim (Archiv)

    Persona non grata: So reisen Krim-Einwohner trotz EU-Verbots doch nach Europa

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    Seit dem Beitritt der Republik Krim zu Russland gelten Europa-Reisen für die Bewohner der Halbinsel von der EU offiziell als verboten. Betroffen sind russische Pässe mit einer Krim-Anmeldung. Das erschwert den Einwohnern der Krim deutlich den Kontakt zum Westen. Was tun dann die Findigen?

    „Das erweckt den Anschein, als habe man in der EU Angst, dass wir dort erzählen könnten, wie das Leben auf der Krim sich tatsächlich im Bestand von Russland wesentlich verbessert hat”, sagte ein Einwohner einem Sputnik-Korrespondenten während dessen letzter Krim-Reise. Gemeint waren damit die Erschwernisse für Bewohner der Krim zum Erhalt eines Visums für die EU, denn sie müssen sich an die deutsche Botschaft in Kiew wenden.

    Grenzkontrollpunkt zwischen der Ukraine und Krim (Archiv)
    © Sputnik / Alexander Polegenko
    Es ist tatsächlich so, dass im Mai 2014 die EU-Länder ihren Botschaften und Konsulaten verboten haben, russischen Bürgern mit einer Anmeldung auf der Krim Schengen-Visa auszustellen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete dies zuletzt in einer Münchner Pressekonferenz im Februar 2019 als Strafe für die Willenserklärung der Krim-Einwohner. Es sei eine Diskriminierung aufgrund von politischen Motiven pur. Seine europäischen Kollegen hätten da kaum widersprechen können, so Lawrow, sie hätten nur die Augen zugemacht und Gespräche dazu vermieden. Er hat betont, dass Russland an diesem Problem weiter arbeiten werde. Welche Optionen haben aber die Krim-Bewohner seit fünf Jahren?

    Man lässt sich in einer „erlaubten” Region Russlands „anmelden“

    Um den Konsulaten der EU-Länder zu beweisen, dass sie „erlaubte“ Russen sind, müssen die Einwohner der Krim sich in einer anderen Region Russlands anmelden. Die zahlreichen Visa-Zentren und Vermittler empfehlen ihnen, bestenfalls alle Spuren ihrer Verbindung zur Krim zu verwischen. So werden sie dazu gezwungen, eine „richtige“ Anmeldung sowie ein Schreiben von der Arbeitsstelle sonst irgendwo zu erwerben, genauso wie einen „richtigen“ Kontoauszug einer nicht auf der Krim registrierten Bank. Solche Dokumente kosten je etwa ab 20 Euro. Es reicht manchmal auch, sich vorübergehend bei Freunden in einer anderen Region anzumelden.

    So werden die Krim-Pässe „verloren”, „gewaschen“ oder „von Katern gekaut“. In dem Pass- und Visa-Zentrum „Exchange“ in Moskau, das gerade mit den Krim-Einwohnern arbeitet, erklärt man, dass der neue russische Pass dann nur den letzten Anmeldungsort enthält, also nicht den auf der Krim. „Das Einzige, was dann an das alte Dokument erinnern wird, ist die Markierung der zuvor ausgestellten Pässe der Russischen Föderation auf der 19. Seite, aber nur wenige schauen dort nach“.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Ukrainische Politiker reisen heimlich auf Krim – Abgeordneter<<<

    Wie ein Sprecher des Visa-Zentrums „Ria-Trans” erklärt, reisen ärmere Menschen wegen der Visa in die Ukraine, die wohlhabenden dagegen nach Russland. Mit all den Dienstleistungen von den Vermittlern sowie durch Bestechungen der ukrainischen Behörden würde solch ein Schengen-Visum für ein halbes Jahr 500 Euro in der Ukraine und 700 Euro in Russland kosten. 

    Man bewahrt den ukrainischen Pass

    Seit Juni 2017 gilt für die Ukraine und die EU-Länder der gegenseitige visumfreie Grenzübertritt. Im April 2018 wollte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko den Krim-Bürgern mit russischen Pässen die ukrainische Staatsangehörigkeit zwar entziehen, konnte die Initiative letztendlich aber nicht durchsetzen. So lassen sich jene Krim-Einwohner, die ihre ukrainischen Pässe behalten haben, eben ukrainische biometrische Reisepässe ausstellen. Mit diesen darf man nur über die Ukraine reisen. Die Bloggerin Polina Dubinina erzählt von ihren Bekannten, die mit ukrainischen biometrischen Reisepässen nach Europa von der Krim aus erst über die Ukraine gereist seien, danach aber auch mal über Moskau. Als sie dann wieder die ukrainische Grenze überschreiten wollten, seien ihre Reisepässe eingezogen worden.

    Diese Optionen haben Touristen aus den EU-Ländern für Krim-Reisen

    Um auf die Krim über die russische Grenze zu reisen, brauchen alle Ausländer lediglich ein für Russland gültiges Visum. Vom einzigen Flughafen auf der Halbinsel in der Stadt Simferopol kann man wegen der Sanktionspolitik des Westens übrigens nur über Russland fliegen.

    Soll die Reise über die Ukraine gehen, dann braucht ein EU-Tourist eine Sondergenehmigung des Staatlichen Migrationsdienstes der Ukraine. Die Kriterien dafür sehen keine Zwecke wie Tourismus vor, sondern beziehen sich auf Verwandschaftsnachweise oder Eigentumsrechte an Immobilien auf der Krim. Immer wieder warnen die ukrainischen Behörden: Jedem Ausländer, der die „vorübergehend besetzte” Krim ohne Sondergenehmigung aus Kiew besucht hat, kann die Einreise in die Ukraine verweigert werden. Illegal sei die Einreise über die ukrainische Grenze, wenn die Ausreise dann über die russische Grenze erfolge, und umgekehrt. Die Pässe werden nicht gestempelt, aber man landet ohnehin in einer Sonderdatenbank.

    Auch gegenüber den Teilnehmern des Jalta-Forums waren zuletzt Drohungen von der ukrainischen Seite zu hören. Die ukrainische Staatsanwaltschaft betonte, dass die Reisenden für die Verstöße gegen die festgelegte Regelung sogar strafrechtlich verurteilt werden könnten. Der norwegische Delegationsleiter Hendrik Weber nannte die Drohungen bereits „vergeblich”. Auch der bei dem Forum anwesende Politiker Waldemar Herdt (AfD) kommentierte, er habe das Recht selbst zu entscheiden, was zu tun sei. Über die ukrainischen Behörden sagte er: „Sie hätten die gesamte Weltgemeinschaft dazu auffordern müssen, auf die Krim zu fahren und zu schauen, wie die Menschen hier laut ihren Aussagen ‘leiden’, aber aus irgendeinem Grund verbieten sie es, hierher zu kommen. Wovor haben sie Angst, vor der Wahrheit”?

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    Tags:
    Verbot, Jalta Konferenz, AfD, Drohungen, Pässe, Sergej Lawrow, Schengen, Bewohner, Visum, Westen, Reise, EU, Krim, Russland