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17:31 23 September 2019
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    Maßlose Bundesrepublik? Deutschland siegt im Laster-Vergleich

    © AFP 2019 / Felix Hцrhager / dpa
    Gesellschaft
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    Deutschland schränkt seine Bürger am wenigsten beim Essen, Trinken und Rauchen ein – zumindest im europäischen Vergleich. Das zeigt der neue „Nanny State Index“. Für Freiheitsliebende ist es der Ausdruck eines liberalen Staates, aus der Sicht von Gesundheitspolitikern ist es ein Armutszeugnis.

    Wer hätte das gedacht? Deutschland belegt beim „Nanny State Index 2019“ den letzten Platz. Der „Nanny State Index“ wertet aus, welche EU-Staaten ihre Bürger beim Konsum am meisten bevormunden. Das bedeutet, Finnland, das auf Platz Eins rangiert, bevormundet seine Bürger am meisten. Deutschland demzufolge am wenigsten.

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    Keine Steuern auf Zucker und E-Zigaretten-Liquids

    „Nanny“ ist der englische Begriff für Kindermädchen, ein „Nanny State“ ist demzufolge ein „Kindermädchen-Staat“ oder auch „Bevormundungsstaat“. Der „Nanny State Index“ erscheint seit März 2016 jährlich und wird vom European Policy Information Center herausgegeben, einem Zusammenschluss von neun europäischen marktliberalen Denkfabriken. Federführend verantwortlich ist Christopher Snowdon, Head of Lifestyle Economics des Institute of Economic Affairs, einer marktliberalen englischen Denkfabrik. Der Index vergibt hohe Punktzahlen an EU-Mitgliedsländer, wenn der Konsum von Alkohol, Nikotin und Lebensmitteln staatlich reguliert wird.

    Punkte gibt es etwa bei steuerbedingten Preiserhöhungen, Einschränkung der Produktauswahl und dem Eingrenzen von verfügbarer Produktinformation durch Werbeverbote. Deutschland erreicht einen Durchschnittswert von 11,7, Finnland 49,5 von 100 möglichen Punkten. „Deutschland ist das beste Land in der EU, um zu trinken, zu rauchen, zu dampfen (vapen) und zu essen. Es gibt keine Steuern auf Liquids für E-Zigaretten, keine Zuckersteuer, und es gibt weitgehend liberale Regeln für Werbung“, heißt es in der Länderzusammenfassung. Sowohl die Alkohol- als auch die Tabaksteuer liegen weit unter dem EU-Schnitt.

     

    Folgekosten für die Gesellschaft

    Dass Deutschland auf dem „Nanny State Index“ auf dem ersten Platz landet, sei kein Anlass zur Freude, sagt Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Tageszeitung „taz“. Für ihn ist die Studie ein „Kampfinstrument“, um Werbung für Produkte zu machen, die zwar Spaß machten, aber auch Verantwortung an zahlreichen Folgekosten für die Gesellschaft trügen.

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    So könnte die Top-Platzierung Deutschlands auch eine Folge haben, die den freiheitsliebenden Index-Autoren nicht gefallen könnte. Die „ÄrzteZeitung“ macht darauf aufmerksam, dass der Index die Debatte um eine Zuckersteuer weiter befeuern könnte.

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    Tags:
    Essen, Rauchen, trinken, Vergleich, Zucker, Nanny State Index, Deutschland