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09:17 19 Oktober 2019
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    Kirche (Symbolbild)

    Auslaufmodell Christentum? – Verheerende Prognose für deutsche Kirchen

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    Gesellschaft
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    Immer mehr Menschen in Deutschland treten aus der christlichen Kirche aus: Laut einer aktuellen Studie könnte sich die Zahl der Kirchenmitglieder hierzulande bis 2060 halbieren. Die Reaktion der katholischen und evangelischen Funktionäre auf diese verheerende Prognose ist verhalten. Die islamischen Gemeinden dürften dagegen einen Zuwachs erleben.

    Es ist eine niederschmetternde Prognose für die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland: Laut einer Studie der Universität Freiburg wird sich die Mitgliederzahl bis zum Jahr 2060 voraussichtlich halbieren. Aktuell gehören in Deutschland rund 28 Prozent der Menschen der römisch-katholischen Kirche an, in etwa 26 Prozent der evangelischen Kirche. Zum Vergleich: Nach der Wiedervereinigung gab es 1990 in der Bundesrepublik noch mehr als 35 Prozent Katholiken und knapp 37 Prozent Evangelisten.

    Nicht mehr zeitgemäß?

    Die Gründe für den Kirchenaustritt sind vielfältig: So werden laut Studie immer wieder Missbrauchsskandale genannt, oder auch nicht mehr zeitgemäße Ansichten der Kirchen. Aber auch der demografische Wandel ist entscheidend. So werden laut Prognose in Deutschland mehr Menschen sterben als geboren oder zuwandern, was bis 2060 für einen Mitgliederrückgang von 21 Prozentpunkten verantwortlich sein wird. Die sinkende Zahl von Taufen und deutlich mehr Kirchenaustritten als Kircheneintritten werden die Mitgliederzahlen im gleichen Zeitraum um weitere 28 Prozent abfallen lassen, so die Forscher. Das sind insgesamt knapp 50 Prozent weniger Mitglieder bis 2060.

    Neue Missionarsarbeit?

    Die Reaktionen der christlichen Kirchenfunktionäre auf die Prognose sind eher verhalten. Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, will laut eigenen Aussagen nicht in Panik geraten. Gegenüber Medienvertretern sagte er, die katholische Kirche müsse ihre Arbeit nun entsprechend ausrichten, für ihn sei die Studie auch „ein Aufruf zur Mission“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, blieb vage: Manches am Rückgang an Kirchenmitgliedern werde man nicht ändern können, anderes schon.

    Neue Debatten anschieben…

    Zuletzt meldete sich auch die evangelische Theologin und ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann zu Wort. In einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ rief sie zu mehr Mut auf: Wenn die Kirchen als Minderheit lebendig bleiben wollten, bräuchten sie Menschen, die überzeugt von ihrem Glauben reden und die biblischen Geschichten weitergeben würden. Gottesdienste sollten laut Käßmann Lust machen auf mehr. Auch müssten die Kirchen zur „Bewahrung der Schöpfung“ wichtige Debatten anschieben und sich dafür „auch mal mit der Autolobby anlegen“, so die ehemalige Landesbischöfin.

    Islam nicht betroffen…

    Abseits der Studie ist die Entwicklung des Islam in Deutschland von dem großen Mitgliederschwund laut Beobachtern nicht betroffen. Zwar gibt es auch zu aktuellen Zahlen von den Islam-Angehörigen in Deutschland nur Schätzungen, doch auch diese Daten waren seit der Wiedervereinigung ansteigend. So geht das Bundesinnenministerium für das Jahr 2017 von einer muslimischen Bevölkerung hierzulande von rund 5,6 Prozent aus – im Jahr 1990 waren es noch knapp 3,7 Prozent. Laut BMI ist auch für die kommenden Jahre mit einem weiteren Anstieg zu rechnen, allerdings „in einer verminderten Größenordnung“ als auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015.

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    Tags:
    Islam, Prognose, Kirchen, Christentum, Deutschland