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13:54 23 Juli 2019
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    „Russian Homes“ - Deutscher Dokfilm über die Krim

    „Russian Homes“ - Deutscher Dokfilm über die Krim

    © Foto: Russian-Homes
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    Armin Siebert
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    Der westdeutsche Filmemacher Christoph Felder produziert erfolgreich für ARD, ZDF, 3sat und Arte. Sein neuester Dokumentarfilm „Russian Homes“ dürfte es eher schwer haben, im deutschen Fernsehen zu laufen. Felder hat mit seiner russischen Frau und ihrem 13jährigen Sohn auf der Krim Urlaub gemacht. Seine Eindrücke schildert er im Sputnik-Interview.

    Herr Felder, Sie haben mit ihrer Familie Urlaub auf der Krim gemacht. Das muss doch ganz schön deprimierend gewesen sein, nach allem, was man so hört. Und gefährlich. 

    Allerdings. Wir hatten uns ja auch vorher informiert und viel in den deutschen Medien gelesen über die Krim. Ich war also auf vieles gefasst, nur nicht auf das, was wir dann tatsächlich vor Ort gesehen haben. In den Medien wurde ja geschrieben, dort ist alles sehr trostlos, die Regale sind leer, die Infrastruktur funktioniert nicht richtig. Entsprechend habe ich bewusst auf solche Dinge geachtet. Der Kontrakt vor Ort hätte nicht herber sein können. Krass ausgedrückt hat nichts davon gestimmt.

    Die Brücke auf die Krim war ja bereits geöffnet und Touristenströme waren von Russland unterwegs. Ich war überrascht, wie gut alles funktionierte. Wobei die Taxifahrer sogar stöhnten, dass es zu viele Touristen sind. Es ist eine richtige Aufbruchsstimmung spürbar. Die Leute fühlen sich befreit von diesen ganzen Korruptionsgeschichten, die wohl unter ukrainischer Führung abgelaufen sind. Alle sind der Meinung, die Ukraine hat die ganze Zeit nichts investiert auf der Krim und alles brach liegen lassen.

    Sie waren ja nicht in einer Reisegruppe, sondern individuell unterwegs.

    Ganz genau. Ich bin mit sehr vielen unterschiedlichen Leuten zusammen gekommen - mit Ukrainern, Russen, aber auch mit Krimtartaren. Und die Meinung war bei allen einhellig. Ich habe niemanden getroffen, der gesagt hätte, früher war es besser. Jetzt ist eine Bewegung da. Es tut sich was. Das spornt die Leute an.

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    Ich nehme an, Sie sind über Russland auf die Krim gereist? 

    Ja. Wir hatten vorher die Eltern meiner Frau in Rjasan, zwei Stunden südlich von Moskau, besucht und sind dann mit dem Zug zur Südspitze gefahren. Dort sind wir mit dem Bus über die Krimbrücke und weiter an der Südküste der Krim entlang gefahren. 

    Nach ukrainischem Recht haben Sie sich damit strafbar gemacht.

    Ganz offiziell schon. Aber ich hatte ja ein russisches Visum. Das setzt natürlich voraus, dass man anerkennt, dass die Krim unter russischer Führung steht. 

    Die Krim ist das rote Tuch, der Elefant im Raum, das letzte Tabu. Das war ihnen schon klar, als Sie dahin gereist sind, oder? 

    Absolut. Ich hatte da auch ein wenig Bauchschmerzen. Aber der Weg zu diesem Film ist ja gewachsen in jahrelanger Auseinandersetzung mit meiner Frau. Ich bin ja in Westdeutschland kulturell amerikanisch geprägt aufgewachsen. Erst durch das Zusammenleben mit meiner Frau kam ich mit der russischen Kultur in Berührung. Das war erst einmal verwirrend. 

    Dann habe ich 2011 begonnen für meinen Film über das My-Lai-Massaker (Kriegsverbrechen US-amerikanischer Soldaten im Vietnamkrieg 1968, Anm. d. Red.) zu recherchieren. Da wurde mir zum ersten Mal klar, dass es mit dem amerikanischen Werteverständnis nicht so weit her ist. Und zu der Zeit begann auch meine Auseinandersetzung mit der russischen Seite. Das fing mit Edward Snowden an. Das war auch der Punkt, wo meine Frau begann, sich für Politik zu interessieren. Und das führte zu nun schon jahrelangen Diskussionen mit meiner Frau, bei denen ich spürte, ich kenne eigentlich nur eine Seite.

    Das war quasi auch die Motivation dieses Films, die andere Seite kennenzulernen. Es ist ja auch ein privater Film, bei dem man ein Stück weit die Hosen runterlässt und auch zu einem Standpunkt kommen muss. Ich habe versucht, die menschliche Seite in dem Ganzen aufzuzeigen. Das kommt meist in den Mainstreammedien oder in Diskussionen über Pro und Contra zu kurz.

    Sie räumen auch der Sichtweise Ihres 13-jährigen Sohns viel Raum ein in dem Film.

    Ja, ich habe diese Mischung aus privater Erzählung und dem, was wir dort erlebt haben, gewählt. Es geht nicht darum, wer Recht hat. Es gibt die beiden Sichtweisen auf Russland, auf die Krim. Und es gibt unseren 13jährigen Sohn, der im Film mit diesen beiden Sichtweisen konfrontiert wird. Ich meine, schon mich macht die Berichterstattung in Deutschland wahnsinnig.

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    Da könnte man verzweifeln, wie bewusst oder vorsätzlich ein falsches Bild konstruiert wird, was mit der Realität gar nichts zu tun hat. Da gibt es ja nicht nur die Verbindung zu den Großeltern, also den Eltern meiner Frau, durch die wir regelmäßig in Russland sind. Ich habe ja auch einen Film in Sibirien gedreht, wo ich den Saxophonisten Bill Evens begleitet habe. Auch da bin ich mit vielen Leuten zusammen gekommen, die eine unheimliche Offenheit hatten und eigentlich gar nicht nachvollziehen konnten, warum in unseren Medien so ein falsches Bild verbreitet wird. 

    Sie haben ja letzten Endes nicht nur einen Film gedreht, sondern auch Urlaub gemacht mit Ihrer Familie. Würden Sie Menschen in Deutschland raten, auf der Krim Urlaub zu machen? 

    Auf jeden Fall. Es gibt eigentlich keinen Grund, der dagegen spricht. Man muss sich natürlich über die offiziellen Regularien der deutschen Regierung bewusst sein, dass man im Zweifelsfall keinen diplomatischen Schutz genießt. Aber in der Praxis bedeutet das keine Gefahr. Wir hatten ja zum Beispiel auch den Fall, dass unser Sohn etwas krank wurde. Und ich war völlig überrascht, wie gut das Gesundheitssystem dort funktioniert und wie unbürokratisch das abläuft. Das war eine super Versorgung und wir waren sehr zufrieden. 

    Normalerweise laufen Ihre Filme in ARD und ZDF. Dieser auch? 

    Das ist noch nicht klar. Ich bin natürlich sehr gespannt auf die Reaktionen und darauf, ob die Fernsehanstalten den Mut haben, diesen Film zu zeigen, da er ja schon eine andere Sichtweise hat auf dieses Thema, als es allgemein bei uns üblich ist. 

    Der Film „Russian Homes“ feiert am 17. Mai im Jugendheim Overath Premiere. Anschließend ist er hier auf DVD erhältlich. Im Sommer soll er in ausgewählten Kinos zu sehen sein.

    Das Interview mit Christoph Felder zum Nachhören: 

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    Tags:
    Russlanddeutsche, Reise, Krim-Brücke, ZDF, ARD, Doku, Krim, Deutschland