Widgets Magazine
03:35 24 Oktober 2019
SNA Radio
    Foto des Geländes in Serbien, wo NATO-Bomben abgeworfen wurde (Archiv)

    Wie abgereichertes Uran der Nato die Menschen und die Natur in Serbien „bereichert“

    © AP Photo / BORIS GRDANOSKI
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    161080
    Abonnieren

    Die Halbwertszeit des Urans beträgt etwa 4,5 Milliarden Jahre. Der Stoff ist doppelt so schwer wie Zinn und viel giftiger als Quecksilber. Uranverbindungen verschwinden nie vollständig aus menschlichem bzw. tierischem Knochengewebe. Hinzu kommt, dass Uran sehr leicht verflüssigt werden und praktisch ewig in der Atmosphäre „hängen“ und sich weltweit verbreiten kann.

    An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Nato-Kräfte im Jahr 1999 mindestens neun Tonnen Bomben mit abgereichertem Uran auf Jugoslawien abgeworfen haben. Das bedeutet, dass noch viele Generationen der Einwohner Serbiens und dessen Nachbarländer  die schädlichen Folgen der Giftstoff-Einsätze zu spüren bekommen werden.

    Der Toxikologe und Leiter des serbischen Zentrums für Strahlenschutz Radomir Kovacevic verwies darauf, dass die Nato jahrelang behauptet hatte, keine Munition mit Uran-238 eingesetzt zu haben. Dann aber räumte die Allianz ein, dass während der Bombenangriffe gegen das damalige Jugoslawien doch insgesamt 31 000 30-Millimeter-Geschosse mit abgereichertem Uran abgeworfen bzw. abgefeuert worden waren. (Jedes Geschoss war 298 Gramm schwer – insgesamt geht es um ca. 9,5 Tonnen.) Serbische Militärs schätzen diese Zahl ihrerseits auf 45 000 bis 51 000.

    „Für die Strahlungsmessung war die UN-Struktur UNEP zuständig, die sich mit solchen Studien weltweit beschäftigt“, erläuterte der Experte. „Ihre Berichte gelten als maximal relevant. Nach der Nato-Aggression gab es insgesamt drei UNEP-Missionen in Jugoslawien. Die beiden ersten Berichte wurden gefälscht, aber die dritte Mission, die hier vom 27. Oktober bis 5. November 2001 weilte, veröffentlichte einen Bericht, der Angaben der serbischen Forschungen enthielt, die zeigten und bewiesen, welche radioaktiven Komponenten hier verwendet worden waren. Und das war nicht nur Uran-238, Uran-234 und Uran-235, sondern auch Plutonium und viele andere Radionuklide.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: So entfesselte die Nato einen Krieg: Demokratie-Lehre mittels Streu- und Grafitbomben<<<

    Kovacevic unterstrich, dass die Spuren des vor 20 Jahren eingesetzten Urans immer noch der serbischen Umwelt schaden würden. Dabei seien nicht nur die Orte verseucht, wo die Uran-Munition unmittelbar abgeworfen worden sei, sondern auch andere Regionen, weil sich der Giftstoff mit Flusswasser verbreitet habe.

    „Die Eigenschaften des Urans sind spezifisch: Dieses Schwermetall ist nicht nur toxisch und radioaktiv, sondern auch sehr brennbar. Wenn es also auf eine harte Oberfläche stößt, geht es sofort in Flammen auf, und seine Temperatur erreicht binnen Millisekunden 3000 Grad. Sein Gewicht ist doppelt so groß wie das von Blei, und seine Giftigkeit ist viel größer als die des Quecksilbers. Das ist alles allgemein bekannt“, so der Experte.

    Uran sei im Grunde ewig, denn seine Halbwertszeit belaufe sich auf 4,5 Milliarden Jahre und sein vollständiger „Existenzzyklus“ erreiche 45 Milliarden Jahre. Und was passiert, wenn Uran in den menschlichen Organismus gerät?

    „Egal ob Uran in den Organismus durch die Nase oder durch den Mund, oder sonst wie gerät, bleibt es dort von wenigen Tagen bis 13,5 Jahre“, so Kovacevic weiter. „Der Organismus kämpft dagegen – die Nieren und die Leber bemühen sich quasi, das fremde Element loszuwerden. Die Entgiftung wird dank den physiologischen Mechanismen möglich, und am Ende wird das Uran aus dem Organismus ausgeführt. Aber etwa zwei Prozent des Stoffes bleiben im Organismus – im Knochengewebe.“

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Begriffsstreit: Was war das in Jugoslawien – „Militärhilfe“ oder Krieg?<<<

    Dass die Nato-Aggression gegen Jugoslawien sehr umweltschädlich war, bestätigte auch der Umweltausschuss der PACE noch im Dezember 2000 (die Ergebnisse der Studie wurden im Januar 2001 veröffentlicht). Dabei wurde darauf verwiesen, dass die Umweltbedingungen nach den Nato-Bombardements „wesentlich schlechter geworden“ seien, was langfristig schlimme Folgen für die Gesundheit und Lebensqualität der künftigen Generationen haben werde. Die Nato-Länder haben „das Völkerrecht missbraucht, das auf die Beschränkung der Umweltschäden bei bewaffneten Konflikten ausgerichtet ist“.

    Auffallend ist übrigens, dass Streubomben, die in Jugoslawien ebenfalls zum Einsatz kamen, zehn Jahre später im Sinne eines internationalen Übereinkommens verboten wurden.

    Etliche gefährliche Chemikalien seien in die Luft, ins Wasser und in den Boden  - und in die Nahrungskette – geraten, so dass etliche Lebewesen sich dadurch vergiften. Der Oberstleutnant der serbischen Luftstreitkräfte Dozent Sasa Bakrac verwies in einem Beitrag zum Thema „Umweltfolgen der Nato-Bombenangriffe gegen die Republik Serbien im Jahr 1999“ darauf, dass viele von diesen Verbindungen Kanzerogene enthielten und das Mutieren von Lebewesen verursachen können, was noch viele Jahre schädliche Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen haben werde.

    „Die Nato verstieß bei den Bombenangriffen gegen Serbien gegen die Normen des internationalen Umweltschutzes: Es wurden praktisch alle Erklärungen und Konventionen verletzt, die den Umweltschutz betreffen“, geht aus dem Beitrag hervor.

    Experte Bakrac zeigte sich überzeugt, dass die Forschungen fortgesetzt werden sollten, damit der Verseuchungsgrad herausgefunden werde und die Verbindung zwischen der radioaktiven Strahlung des abgereichterten Urans und der Verschlechterung der Gesundheit von Lebewesen bewiesen werde.

    „Ich denke, dass wir uns damit weiter befassen sollten – für uns selbst, für die Menschen, die in Serbien jetzt leben und künftig leben werden. Aber auch aus Respekt vor den Todesopfern. Und erst dann zu dem Zweck, es dieser ‚Cowboy‘-Welt, die uns mit Bomben bewarf, aufzuzeigen. Ich denke, dass so etwas heutzutage auch in anderen Regionen der Welt passiert“, fügte Bakrac an.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Schäden, Umwelt, PACE, Wasser, Plutonium, Jugoslawien, Aggression, NATO, UN, Strahlung, radioaktive Geschosse, Einsatz, Giftstoff, Uran, Serbien