09:38 27 Juni 2019
SNA Radio
    Junkers Ju 52 (Archivbild)

    Mai 1941: Eine Ju-52 landet in Moskau – Unklarheit bleibt

    CC BY-SA 3.0 / Hajotthu / Junkers JU 52 1996 im Mecklenburg Vorpommern
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    123174

    Wollte Hitler auf diesem Wege Stalin eine Geheimbotschaft zukommen lassen? Das ist eine der vielen kursierenden Vermutungen, warum eine Junkers-Maschine kurz vor dem Überfall Deutschlands auf die UdSSR mitten in Moskau landete. Eine eindeutige Erklärung dafür haben Historiker bis heute nicht. Die Zeitung „Rossijskaja gaseta“ berichtet.

    Aus heiterem Himmel tauchte am 15. Mai 1941 eine Junkers Ju-52 am Himmel über Moskau auf und landete auf dem Chodynkafeld im Nordwesten der Stadt. Nicht, dass eine Verletzung sowjetischer Grenzen durch deutsche Flugzeuge zu jener Zeit ungewöhnlich gewesen wäre: Über 500 solcher Übertritte wurden laut der Zeitung zwischen Ende 1939 und Mai 1941 gezählt. Das Außenamt der UdSSR protestierte zwar gegen die Flüge, aber die Eindringlinge abzuschießen, war der sowjetischen Flugabwehr streng untersagt. Auf Moskaus Proteste reagierte Berlin übrigens gar nicht.

    Aber dass eine deutsche Maschine bis in die Hauptstadt der Sowjetunion hineinfliegt? Der Volkskommissar für Verteidigung, Semjon Timoschenko, beauftragte die Behörden, den Vorfall gründlichst aufzuklären, die Verantwortlichen zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen.

    Es konnte festgestellt werden, dass die Ju-52 erst entdeckt wurde, nachdem sie bereits 29 Kilometer tief in den sowjetischen Luftraum hineingeflogen war. Das deutsche Flugzeug wurde erst für eine russische Linienmaschine gehalten, eine Li-2 (Nachbau der DC-3). Also schlug man auch keinen Alarm.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: 9. Mai 1945: Ein Tag mit Tränen in den Augen<<<

    Technische Schwierigkeiten kamen hinzu: Als der Flugplatz von Bialystok von dem Junkers-Flug erfuhr, konnte das Flugplatzpersonal die Flugabwehr nicht benachrichtigen – die Fernleitung war vorher von der Flugabwehr selbst gekappt worden. Es hatte Tage gedauert, bis geklärt wurde, wer für die Instandsetzung der Leitung zuständig war.

    Erst am 10. Juni 1941 erfolgte eine offizielle Reaktion auf den Vorfall. Volkskommissar Timoschenko hielt in einem Dokument den „hürdenfreien Durchlass des Flugzeugs Ju-52 durch die Grenze“ als Tatbestand fest. Die Flugabwehr habe keinerlei Maßnahmen ergriffen, der Flugplatz Bialystok habe den Überflug wegen einer gekappten Leitung nicht melden können, hieß es in dem Dokument. Die Junkers Ju-52 wurde anschließend an Deutschland übergeben.

    Was seitdem bleibt, sind Fragen. Warum kam die Junkers nach Moskau? Hätte Hitler so ein persönliches Schreiben an Stalin übermittelt, müsste es heute in den Archiven aufzufinden sein. Aber davon keine Spur – weder in Stalins noch in Hitlers persönlichem Archiv, schreibt die Zeitung.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Warum stürzen Flugzeuge ab? So war es mit Baade 152, dem unerfüllten DDR-Traum<<<

    Aber vielleicht ist die Erklärung banal: Wollte die Wehrmacht durch den wagemutigen Flug die sowjetische Flugabwehr testen? Oder die Stoßrichtung der deutschen Truppen auskundschaften. Der Krieg war ja nicht mehr fern…

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Sowjetunion, Flugzeug, Landung, Moskau, UdSSR, Josef Stalin, Adolf Hitler, Ju-52