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    Menschen gehen in Moskau spazieren (Archiv)

    Liebst du Russland, liebt dich Russland auch – Buchautor Ebbecke

    © Sputnik / Maxim Blinow
    Gesellschaft
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    Nikolaj Jolkin
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    Russland und die dort lebende Bevölkerung sind immer wieder Thema auch in deutschen Medien. Häufig berichten jedoch Journalisten darüber, die selbst nie das Land besucht haben. Das passiere fast jeden Tag, sagt der Autor Frank Ebbecke. Er selbst lebt seit fast 25 Jahren in Russland als Kommunikationsberater in Russland.

    Deshalb versucht er mit seinem Buch „Deutsche und Russen über alle Grenzen hinweg: 20 Meister-Porträts“, das er in München präsentiert, diesem Umstand entgegenzusteuern. Das sind alles Menschen, auch die Deutschen, die in Russland leben, mit denen er nach eigenen Worten „auf einer Wellenlänge spricht“. Nach Meinung von Frank Ebbecke sei Russland ein Entwicklungsland im positiven Sinne des Wortes. „In diesem Land muss noch so viel aufgebaut werden, und dieses Land ist rein territorial so riesengroß, sodass es viel besser wäre, alle zusammenzuhalten. Und dann haben rein wirtschaftlich alle Firmen dieser Welt in Russland einen großen Markt.“

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    Das Buch behandelt 20 Persönlichkeiten, entweder Russen oder Deutsche oder Russlanddeutsche, die in irgendeiner Form wirtschaftlich, politisch, kulturell, im Sport eine Lebensleistung vollbracht haben und die einen Brückenschlag zwischen beiden Nationen bilden. „Und das ist in den letzten Jahren, wo alles wieder schrecklich frostig abgekühlt ist, sowie aufgrund der Lebensläufe und der Leistung der Leute bewundernswert“, sagte Ebbecke im Sputnik-Interview. „Da sind auch viele Leute dabei, die durch die ganzen politischen und auch vor Jahrzehnten kriegerischen Auseinandersetzungen verschlungene, schwierige Lebenswege hinter sich haben, die aber daraus bewundernswerte Dinge gemacht haben.“

    So z.B. Wiktor Kress (70), Mitglied des Föderationsrates, seit Generationen Russlanddeutscher, der bis vor kurzem am längsten dienender Gouverneur der Region Tomsk in Sibirien (21 Jahre lang) war. Viermal gewählt und einmal von Wladimir Putin ernannt. „Er ist sehr stolz darauf, deutscher Abstammung zu sein. Das ist ein Mann, der gelernter Bauer ist, und auch darauf ist er stolz. Auf allen Bildern, die er als hoher Politiker gemacht hat, war er immer im Anzug, Hemd und Krawatte, aber mitten im Kornfeld.“

    Von der deutschen Seite porträtiert Ebbecke die bewundernswerte Frau Andrea von Knoop, mit der er befreundet ist. „Sie ist auch schon über 70 und seit den 80er Jahren in Russland, damals als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Lomonossow-Universität tätig. Ihr Vater, ein Industriekapitän in Westdeutschland, war mit Otto Wolf von Amerongen, dem Architekten des westdeutschen Außenhandels in den Wirtschaftswunderjahren der Nachkriegszeit, befreundet, der auch der große Förderer von Andrea von Knoop war. Übrigens war sie gelernte Bänkerin und hat dann die erste Wirtschaftsvertretung (Vorgängerorganisation der Russisch-Deutschen Handelskammer AHK) für deutsche Firmen in Russland gegründet.“

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    Der Buchautor fährt fort: „Sie war eigentlich die Steuer- und Kontaktfrau der deutschen Wirtschaft mit dem neuen Russland. Und das hat sie mit Bravour geschafft, sodass man sie ,die Grande Dame der deutschen Wirtschaft in Russland‘ nennt. Sie sagt immer, ,ich bin Deutsche, weil ich in Köln geboren bin, aber meine Seele ist in Russland, und schon längst‘. Als Anerkennung ihrer Verdienste hat sie von Wladimir Putin persönlich die russische Staatsangehörigkeit bekommen. Sie hat einen russischen und einen deutschen Pass.“

    Mehr noch. „Zwar  hat sie ein Nonnengymnasium in Köln, einer sehr katholischen Stadt besucht, und wurde so erzogen, ist sie offiziell zum orthodoxen Glauben übergetreten und hat von dem Patriarchen von Moskau seinen Segen bekommen. So eine tiefe Identifikation mit ihrem Gastland Russland.“

    Ebbecke führt weiter aus: „Was ich erlebt habe, ist überall auf der Welt. Überall gibt es gute Menschen und schlechte Menschen. In Russland habe ich überwiegend gute Menschen kennengelernt, auf die ich offen, höflich und ohne Vorurteile zugegangen bin. Und so sind sie mir auch begegnet. Wenn man mit Hirn und Herz auf Leute zukommt, dann reagieren sie ebenso, egal ob sie Russen oder Deutsche bzw. Franzosen sind.“

    Er habe beruflich in den internationalen Firmen in der Hälfte der vorhandenen Länder dieser Welt gearbeitet, fügt der Kommunikationsexperte hinzu, „und ich habe selten so im positiven Sinne emotional gesteuerte, herzliche und gastfreundliche Menschen wie Russen kennengelernt. Und das entspricht nicht dem Vorurteil: die Russen seien unkultiviert, rüde, nicht vertrauenswürdig und alle diese Dinge. Und ich denke nicht, dass nur ich Glück gehabt habe …“

    Die Präsentation des Buches findet in Rahmen der Veranstaltung „Deutschland und Russland: Akteure, Mythen und Realität“ am 26. Mai um 15.00 Uhr im Neuen Rathaus (München, Marienplatz 8) statt. Eintritt ist frei nach Registrierung.

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    Tags:
    Respekt, Menschen, Generationenproblem, Anerkennung, Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK), AHK, Moskauer Lomonossow-Universität (MGU), Moskauer Lomonossow-Universität, Sibirien, Auseinandersetzungen, Leistung, Sport, Politik, Kultur, multikulturelle Gesellschaft, Russlanddeutsche, Russen, Deutsche, Meinung, Deutschland, München, Buch, Medien, Journalisten, Russland