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15:53 20 September 2019
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    ein Jude mit der Kippa (Symbolbild)

    Antisemitismusbeauftragter warnt Juden vor Tragen der Kippa – Diskussion im Netz entbrennt

    © AP Photo / Markus Schreiber
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    Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat Juden davor gewarnt, überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Dabei betonte er, dass etwa 90 Prozent der antisemitischen Straftaten dem rechtsradikalen Umfeld zuzurechnen seien. Internetuser verbinden den Anstieg des Antisemitismus aber vor allem mit der Flüchtlingspolitik.

    Das Tragen einer Kippa gilt als öffentliches Bekenntnis zum Judentum. Dass dies im heutigen Deutschland nicht gefahrlos ist, bestätigte Felix Klein:

    „Ich kann Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen. Das muss ich leider so sagen", sagte der Antisemitismusbeauftragte den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

    Er begründete den steigenden Antisemitismus mit der „zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung“, die einen fatalen Nährboden für dieses Phänomen darstelle.

    Etwa 90 Prozent der antisemitischen Straftaten verübten Rechtsradikale, fügte Klein hinzu.

    Twitter reagiert

    Im sozialen Netzwerk Twitter löste das Thema Diskussionen aus. Während einige auf die deutsche Geschichte zurückblicken und zu der Nazi-Zeit Parallelen ziehen, sehen andere kein Problem darin, dass Juden ihre traditionelle Kopfbedeckung nicht aufsetzen sollten:

    ​Manche User sind über die Aussage von Klein empört und kritisieren in diesem Zusammenhang die Regierung, andere äußern ihr Unverständnis für „rechte Ideologie“:

    ​​Um Solidarität mit Juden zu zeigen, sind Internetnutzer bereit, auch Kippa zu tragen: 

    ​Zunehmender Antisemitismus und Flüchtlingspolitik

    Viele User stimmen mit Klein nicht darin überein, dass die meisten antisemitischen Vorfälle „dem rechtsradikalen Umfeld“ zuzurechnen sind. Sie sehen die Ursachen des Problems ganz anders und bringen den Anstieg dieser Straftaten in Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Ihrer Meinung nach geht die Gewalt gegen Juden vor allem von manchen Muslimen aus, die im Zuge der Flüchtlingskrise nach Deutschland gekommen waren – und zwar nicht selten aus Regionen, wo der Antisemitismus weit verbreitet ist.

    Diese Meinungen werden zum Teil auch von jüdischen Mitbürgern unterstützt, wie einige Umfragen zeigen.

    So zeigt zum Beispiel die im Jahr 2017 von der Universität Bielefeld veröffentlichte Studie „Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus in Deutschland“, dass für einen großen Teil der Beleidigungen und Übergriffe muslimische Täter und Täterinnen verantwortlich sind. Die befragten Opfer von antisemitischen Gewaltdelikten gaben zu 81 Prozent an, dass die mutmaßlichen Täter einer „muslimischen Gruppe“ angehört hätten:

    „Angst vor der Gefahr des muslimischen Antisemitismus durch die Einwanderung der Geflüchteten wurde in fast jedem Interview von Betroffenen thematisiert.“

    Schulungen für Polizisten als Lösung des Problems?

    In Bezug auf muslimische Täter bemerkte Felix Klein, dass es zumeist Menschen seien, die schon länger in Deutschland lebten: „Viele von ihnen gucken arabische Sender, in denen ein fatales Bild von Israel und Juden vermittelt wird.“

    Angesichts des starken Anstiegs antisemitischer Straftaten forderte der Regierungsbeauftragte Schulungen für Polizisten und andere Beamte, weil viele von ihnen im Umgang mit Antisemitismus nicht wissen, „was erlaubt ist und was nicht“.

    Die Zahl antisemitischer Straftaten steigt seit Jahren. Dem Bericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS Berlin) zufolge wurden 2018 allein in Berlin 1083 antisemitische Vorfälle erfasst. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 14 Prozent.

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    Tags:
    Felix Klein, Twitter, Kritik, Diskussion, Flüchtlingspolitik, Deutschland, Kippa, Antisemitismus