12:04 09 Dezember 2019
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    Das Sowjetische Ehrenmal an der Würzburger Straße in Suhl

    Abreißen oder Sanieren – Debatte um Ehrenmal für Sowjetsoldaten in Suhl

    CC BY-SA 3.0 / Störfix / Wikimedia Commons
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    Das Sowjetische Ehrenmal an der Würzburger Straße in Suhl, das größte südlich des Rennsteigs, wurde 1971 eingeweiht und seitdem nicht gepflegt oder saniert. Der Zahn der Zeit habe deutliche Spuren am Denkmal hinterlassen, sagte im Sputnik-Interview Georg Vater, Chef der Lokalredaktion Suhl von „Freies Wort“.

    Im vergangenen Herbst habe es einen Antrag der Deutsch-Russischen Freundschaftsgesellschaft und zweier Stadtratsmitglieder gegeben, so Vater, das Denkmal in Vorbereitung des 8. Mai in diesem Jahr umfassend zu sanieren bzw. zu reinigen. „Das stellte sich als sehr schwierig heraus, da es ein Gutachten gab, eine solche Sanierung ist nicht einfach getan, indem man den verwitterten Stein reinigt, sondern es muss grundhaft saniert werden.“ Das Ehrenmal aus schwerem Vulkangestein ist acht Meter hoch, wie ein dreistöckiges Wohnhaus.

    Das Sowjetische Ehrenmal an der Würzburger Straße in Suhl
    Das Sowjetische Ehrenmal an der Würzburger Straße in Suhl

    So bestehe die Gefahr, dass man es beim Sanieren mit Wasser zerstöre. „Für diese grundhafte Sanierung wurden jetzt Kosten von bis zu 120.000 Euro begutachtet. Ob die Kosten gerechtfertigt sind? Daran scheiden sich die Geister.“ Die Stadt Suhl und ihre Einwohner seien gespalten, sagt der Lokalredakteur. „Zum einen gibt es Bürger, die sagen, dieses Ehrenmal ist uns viel zu groß und zu wuchtig. Es ist eine Demonstration der Macht einer Sowjetunion, die es so nicht mehr gibt, deswegen möchten wir das Geld nicht in das Denkmal investieren.“

    „Die anderen sagen, das Denkmal ist eine Stätte der Erinnerungskultur und sollte unbedingt erhalten werden, auch in Erinnerung an die Sowjetsoldaten, die doch die größte Last im Zweiten Weltkrieg trugen.“ So schrieb z.B. Hubert Heiderich, Vorsitzender der Ortsgruppe Suhl der Deutsch Russischen Freundschaftsgesellschaft in Thüringen e.V. in einem Leserbrief: „Wer das Ehrenmal beseitigen möchte, beseitigt auch die Erinnerung und das Gedenken. Unsachlich ist, dass die Keule der Kosten und des Geldes gezogen wurde.“

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    Vor Jahren habe es schon das Angebot gegeben, den Obelisken für 3.800 Euro zu reinigen, argumentiert Heiderich. „Jetzt wird alles in einen Topf geworfen. Grünanlagen, Obelisk und Mauer, um es richtig teuer zu machen und den Bürger zu erschrecken. Es lässt den Schluss vermuten, dass mit der Einkreisung und Verringerung der Bedeutung von Suhl nun auch das Denkmal verschwinden soll.“

    Es gebe noch weitere Meinungen von Bürgern, „die sagen, ja, das Denkmal erhalten, aber wir sollten dort auch die Alliierten mit einbeziehen. Denn Suhl ist ja 1945 nicht von der Sowjetarmee, sondern von amerikanischen Truppen befreit worden. Für diese gibt es aber überhaupt keinerlei Denkmal oder Erinnerungsstätte in Suhl.“

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    Auch die fast 700 als Soldaten im Zweiten Weltkrieg getöteten Suhler haben bis heute keine öffentliche Erinnerungsstätte. In der Regel waren es junge Wehrpflichtige, die sich der Einberufung nicht entziehen konnten. Auf dem Friedhof gibt es immerhin zwölf Einzelgräber von Wehrmachtssoldaten, die die Tragik dieses Krieges auch für die deutschen Familien deutlich machen. „Auch hierzu gehen die Meinungen auseinander“, bemerkt Vater. „Viele Menschen möchten ein Ehrenmal für alle gefallenen Soldaten des Weltkrieges, für die sowjetischen und die deutschen sowie für die Soldaten der alliierten Truppe in einem Ehrenhain.“

    Da aber die Stadt Suhl erhebliche Haushaltsprobleme und noch immer keinen genehmigten Haushalt für 2019 habe, fügt er hinzu, „können die 120.000 Euro derzeit nicht im Haushalt eingestellt werden. Das heißt, das Geld ist nicht vorhanden. Und wenn eine Sanierung erfolgen soll, kann es nur zu einem kleinen Teil erfolgen, in Form einer einfachen Reinigung. Eine grundhafte Sanierung wie von einem Denkmalschutzexperten gefordert wird, kann es zurzeit aufgrund der hohen Kosten nicht geben.“

    Die Diskussion werde weitergehen, schlussfolgert Georg Vater. „Wir haben in Suhl einen neuen Stadtrat gewählt. Er tritt Mitte Juni zu seiner ersten konstituierenden Sitzung zusammen und wird sich dann in der Folge sicher auch mit dem Thema des Denkmals weiter beschäftigen.“

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    Tags:
    Debatte, Schutz, Kosten, Sowjetarmee, Ehrenmal, Sanierung, Deutschland