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02:43 21 Juli 2019
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    Wreck eines Autos

    „Drei Millionen Tote im Jahr“: Warum das Auto keine Zukunft hat

    © Sputnik / Ramil Sitdikow
    Gesellschaft
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    Bolle Selke
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    „Das Auto wiegt heutzutage zwei Tonnen, befördert höchstens hundert Kilogramm, verbraucht zu viel Kraftstoff und bläst zu viel CO2 in die Luft. Es braucht zu viel Platz und tötet zu viele Menschen“, so lautet die Kritik von Buchautor Klaus Gietinger. Sputnik hat mit ihm über seine autofreie Zukunftsvision gesprochen.

    „Das Auto erleichtert die Bewegung unheimlich“, weiß auch der Sozialwissenschaftler Klaus Gietinger im Interview.

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    „Droge Auto“

    „Man tritt auf das Gaspedal und muss dafür ganz wenig Energie aufwenden und dann sagt es im Gehirn: Das ist doch etwas ganz Tolles. Die Geschwindigkeit, die das Auto verspricht, und dass man überall hinkommt, ist ganz stark in unser Unterbewusstsein eingedrungen. Man freut sich halt, wenn man fahren darf.“

    Das führe dazu, so Buchautor Gietinger in seinem neuen Buch „Vollbremsung – Warum das Auto keine Zukunft hat und wir trotzdem weiterkommen“, dass die Menschen süchtig nach Autos geworden sind, „ohne genau zu wissen, warum“. Er beklagt:

    „Das Fahren ist ganz wichtig, vor allem in Deutschland. Es geht gar nicht darum, von A nach B zu kommen, sondern man möchte sehr gerne fahren. Der Arbeitsverkehr beträgt zum Beispiel nur zwanzig Prozent und der Rest ist ‚Spaßverkehr‘.“

    Autofreie Städte

    Dabei müsse das Auto raus aus der Stadt, fordert Gietinger. Kraftfahrzeuge würden die Luft vergiften und vor allen Dingen in Asien, Lateinamerika und mittlerweile auch in Afrika ganz viele Menschen umbringen. Er rechnet vor:

    „1,35 Millionen Menschen werden alleine in jedem Jahr global auf der Straße überfahren. Wenn man die Umweltverschmutzung dazuzählt, dann kommt man ungefähr auf drei Millionen Menschen. Es gibt keine Technik die so viele Menschen auf dem Gewissen hat.“

    Alternative Fortbewegungsarten

    Hinzu käme die bevorstehende Klimakatastrophe, die maßgeblich durch Autoabgase gefördert würde.  Das alles müsse sich ändern. Das Auto gehöre reduziert, und man müsse auf andere Arten der Fortbewegung umsteigen: Fahrrad, Eisenbahn, öffentlicher Verkehr, oder Pedelecs (E-Bike). Gietinger fordert:

    „Man muss dazu kommen, mehr kollektive Formen der Fortbewegung zu machen als eben diese individuelle, motorisierte Fortbewegung, die dem Planeten und natürlich den Menschen schadet.“

    Weniger Geschwindigkeit, kürzere Wege

    Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Straßen, auch auf Autobahnen. In Städten dürfte nur noch 30, beziehungsweise in den Wohngebieten 15 Stundenkilometer gefahren werden. Aus den Innenstädten müssten die Autos raus. Fahrradwege müssten verbreitert werden, zu Lasten des Autos, und der öffentliche Verkehr müsste viel weiter ausgebaut werden. Wichtig ist Gietinger auch, dass die Wegelängen reduziert würden:

    „Wir fahren immer weiter und immer schneller und befriedigen dadurch unsere Bedürfnisse. Früher ist man viel kürzer und langsamer gefahren, hat aber eigentlich die gleichen Bedürfnisse gehabt.“

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    Das würde man durch die Geschwindigkeitsreduktion und eine Bepreisung von Fahrten erreichen.

    „Revolution statt Verkehrswende“

    Große Hoffnungen hat Gietinger, der auch als Drehbuchautor und Filmregisseur („Daheim sterben die Leut“) tätig ist, in die „Fridays for Future“-Bewegung. Dort würde ganz klar gesagt, dass konkrete Maßnahmen ergriffen werden müssten, und dazu würde auch gehören, dass man das Auto weiter reduziert. Ein Wechsel auf  Elektroautos würde nämlich nichts bringen, „nur mehr Kohlekraftwerke“.

    Im Buch „Vollbremsung“ fordert er deswegen auch eine „Revolution“ statt einer einfachen „Verkehrswende“. Diese würde aber auch trotz der großen Zustimmung, welche die Grünen aktuell erfahren, nicht kommen. Gietinger glaubt:

    „Die Grünen waren früher als sie entstanden, 1980, sind also wesentlich autokritischer. Heute setzen sie ganz viel auf das Elektroauto und weniger auf die Autoreduktion. Die autofreie Innenstadt kommt ja bei ihnen auch mal wieder ins Spiel. Natürlich spielt es eine Rolle, dass die Grünen da jetzt viele Stimmen bekommen, aber sie machen meines Erachtens noch nicht sehr viel dafür. Sie müssen wieder viel autokritischer werden, dann würde da mehr passieren.“

    Das Buch „Vollbremsung: Warum das Auto keine Zukunft hat und wir trotzdem weiterkommen“ ist im Westend-Verlag erschienen.

    Das komplette Interview mit Klaus Gietinger zum Nachhören:

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    Tags:
    Bündnis 90/Die Grünen, Die Grünen, Verkehrswende, Kohlekraftwerke, Elektroauto, Maßnahmen, „Fridays For Future“, Fridays For Future, Verkehr, Fahrradwege, Autobahn, öffentlicher Verkehr, Eisenbahn, Fahrrad, Gewissen, Technik, Umwelt, Straße, Afrika, Lateinamerika, Asien, Deutschland, Gaspedal, Geschwindigkeit, Zukunft, Sputnik, Sputnik, Tote und Verletzte, Menschen, Benzin, E-Auto, Autos, Auto