19:32 08 Dezember 2019
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    Alliierte Truppen an der Küste der Normandie, 18. Juni 1944

    Langersehnte Zweite Front: Frühere Befreiung Europas war möglich

    © REUTERS / HANDOUT/U.S. National Archives
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    Der 75. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie und der Eröffnung der Zweiten Front wird von Historikern als ein entscheidendes Ereignis bezeichnet. Man hat sich am runden Tisch zusammengesetzt, um über die Rolle der Anti-Hitler-Koalition beim Sieg über Nazi-Deutschland zu diskutieren.

    Am 6. Juni 1944 wurde mit der Landung der westallierten Truppen unter Führung der USA und Großbritanniens in der Normandie (Frankreich) die Zweite Front eröffnet. Die Landung der Alliierten spielte gewiss eine wichtige Rolle beim Gesamtsieg der Anti-Hitler-Koalition über Nazi-Deutschland und seinen Verbündeten. Die Hauptfront des Zweiten Weltkrieges blieb jedoch weiterhin die sowjetisch-deutsche, wo sich die deutschen Kräfte am stärksten konzentrierten.

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    Warum wurde die Zweite Front erst 1944 eröffnet? Hätten die Alliierten die Zweite Front eröffnet ohne eine erfolgreiche Offensive der sowjetischen Truppen im Frühjahr 1944? Warum versucht man heute im Westen, die Heldentat der sowjetischen Soldaten, die elf europäische Länder befreit haben, zu vergessen und hebt den Beitrag der USA, Großbritanniens und Frankreichs zum Sieg so stark hervor?

     Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944
    © REUTERS / Army Signal Corps Collection / U.S. National Archives / Handout

    Laut dem Militärhistoriker Witali Bogdanow hat Stalin die Frage über die Eröffnung einer zweiten Front noch 1941 vor an Roosevelt und Churchill gestellt, obwohl die Anti-Hitler-Koalition erst 1942 zustande kam. Die Alliierten haben jedoch ihre eigenen geopolitischen Interessen verfolgt und die Entscheidung bis 1944 hinausgezögert. Im Westen seien damals die Befürchtungen laut geworden, dass die Sowjetunion zu stark aus dem Krieg herauskomme. Roosevelt habe gewarnt, dass die Sowjetunion den Krieg ohne den Westen gewinnen könne. Das US-amerikanische Journal für Industrielle und Bankiers habe am 22. Januar 1944 Folgendes geschrieben: „Falls die Rote Armee früher nach Deutschland kommt, bevor die zweite Front eröffnet wird, wird die Sowjetunion ohne Zweifel die Zukunft Deutschlands und der ganzen Nachkriegswelt bestimmen. Die USA werden die zweite Geige spielen. Wenn die Westmächte die Eröffnung der zweiten Front hinauszögern, begehen sie einen Fehler, für den sie noch lange bezahlen werden müssen.”

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    Laut Bogdanow war die Sowjetunion für den Sieg prädestiniert: Die Wirtschaft wurde bereits auf den Krieg umgestellt. Die Kriegswirtschaft Deutschlands hingegen sei relativ schnell völlig ausgeschöpft gewesen. Der Experte der Militärakademie des russischen Generalstabs möchte dabei die Bedeutung der normannischen Operation herabstufen.

    “Das war die größte Landungsoperation aller Zeiten. Man darf aber nicht vergessen, dass die Hauptkräfte der Wehrmacht nicht hier, sondern an der Ostfront versammelt waren, wo Dreiviertel der deutschen Divisionen vernichtet wurden. Heute führt man einen Informations- und einen kognitiven Krieg, indem man versucht, das historische Gedächtnis aus dem Bewusstsein der Menschen zu tilgen. Das begann seit der zweiten Hälfte der 1940er Jahre, als die ersten Tagebücher der deutschen Generale über die Ereignisse an der Ostfront veröffentlicht wurden. Damals wurde der Versuch unternommen, die Handlungen Nazi-Deutschlands zu rechtfertigen und die Siege der sowjetischen Armee kleinzureden”, betonte Bogdanow.

    Konteradmiral Nikolai Harlamow war im Juni 1944 offizieller Beobachter der UdSSR, der die Landung der Alliierten in der Normandie verfolgt hatte. Er sei die führende verantwortliche Person gewesen, die für die Beladung und Auffüllung der Nordmeergeleitzüge zuständig gewesen sei, die der Nordfront sehr geholfen haben, berichtete seine Enkelin Ekaterina Burlakowa. Sein Verdienst bestehe darin, dass diese Geleitzüge bis zum Kriegsende existiert haben. Nach der Vernichtung des Geleitzuges PQ 17 haben die Briten die Hilfslieferungen gestoppt und Nikolai Harlamow sei es gelungen, sie zur Wiederaufnahme der Geleitzüge zu überreden.

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    „Man darf die Wahrheit nicht vergessen. Es ist immer wichtig, diese Wahrheit zu sagen. Vielleicht sind wir selber schuld, dass die Verdienste der sowjetischen Armee im Westen unterschätzt werden. Unsere junge Generation weiß sehr wenig über diesen Krieg. In letzter Zeit hat sich einiges verändert dank unserer Staatspolitik. Man muss Ausstellungen organisieren, Filme aufnehmen, hartnäckig die Wahrheit sagen, hauptsächlich damit unsere Kinder und natürlich die ganze Welt sich an die Sieger erinnern”, ist Ekaterina Burlakowa sicher.

    Dokumente, die die Enkelin von Admiral Harlamow lange und gründlich gesammelt hatte, wurden dem Museum des Großen Vaterländischen Krieges überreicht, wo am 5. Juni 2019 eine Ausstellung zum 75. Jahrestag der Eröffnung der Zweiten Front beginnt.

    Historische Zeugnisse der Befreiung Europas im Zweiten Weltkrieg werden auch auf der Webseite der Russischen Historischen Gesellschaft vorgestellt. Über 2000 Dokumente aus den Jahren 1944-45 aus dem Zentralarchiv des Verteidigungsministeriums werden im Bereich Offenes Archiv zugänglich sein. Sie werden jede Woche ergänzt und stehen allen zur Verfügung.

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    Krieg, UdSSR, Wehrmacht, Wehrmacht, Wirtschaft, Rote Armee, Winston Churchill, Franklin D. Roosevelt, Josef Stalin, Sieger, Sieg, Westen, Westen, Verbündete, Landung, Front, Nationalsozialismus (Nazismus), Nazis, Nazi-Deutschland, Großbritannien, USA, Frankreich, Deutschland, Adolf Hitler, Anti-Hitler-Koalition, Anti-Hitler-Koalition, Alliierte, Zweiter Weltkrieg, Osteuropa, Europa, Sowjetunion, Sowjetunion, Sowjetunion, Normandie