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02:44 20 Juli 2019
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    Alliierten-Landung in der Normandie am 6. Juni 1944

    Küste im Kugelhagel: So verlief die Alliierten-Landung in der Normandie

    © REUTERS / U.S. National Archives / Robert F. Sargent / Handout
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    Andrej Stanawow
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    Fast drei Millionen Soldaten, 13 000 Flugzeuge und 7000 Kriegsschiffe – heute vor 75 Jahren, am 6. Juni 1944, landeten die Alliierten in der Normandie.

    Die Divisionen des US-Generals Dwight Eisenhower erreichten die Küste, überwanden den Widerstand der Hitler-Truppen und begaben sich nach Osten – der Roten Armee entgegen, die gerade auf dem Weg nach Berlin war.

    Den größten Landungseinsatz in der Geschichte internationaler Kriege, der den Namen „Overlord“  bekam, schildert Sputnik in diesem Beitrag.

    Gäste von der See

    Man kann nicht sagen, dass die Landung der Alliierten in Nordfrankreich für die Wehrmacht überraschend wäre. Sie hatte darauf gewartet – es roch schon lange quasi nach diesem Einsatz. Aber genaue Informationen über den Zeitpunkt und den Ort der Landung gab es nicht: Den Briten und Amerikanern gelang es, den bevorstehenden Einsatz mehr oder weniger geheim zu halten.

    „Im ganzen Südengland begeben sich Männer zur Küste“, schrieb ein britischer Schüler namens Daniel Cox Ende April 1944 in seinem Tagebuch. „In Southampton wimmelt es von Militärs. Militärlager liegen überall. In der Umgebung der Stadt sind etliche Fla-Kanonen und Scheinwerfer aufgestellt. Alle sind von der Invasion besessen.“

    An der normannischen Küste war von der deutschen Gruppe B besetzt, die aus der 7. und 15. Armee unter dem Kommando des Feldmarschalls Erwin Rommel bestand. Das waren insgesamt 38 Divisionen, von denen drei unmittelbar auf dem Abschnitt stationiert waren, wo die Alliierten später landeten. Die Luft wurde von etwa 500 Bombern und Jagdflugzeugen kontrolliert.

    Alliierte Truppen an der Küste der Normandie, 18. Juni 1944
    © REUTERS / HANDOUT/U.S. National Archives

    Die südliche Küste Frankreichs wurde von der Gruppe G gedeckt: der 1. und 19. Armee – insgesamt 17 Divisionen. Diesen Kräften stand ein starkes System von Küstenbefestigungen zur Verfügung, das als „Atlantikwall“ bekannt war.

    Die Alliierten beschlossen, diese Verteidigungslinie gleich in zwei Zonen durchzubrechen: im Westen, wo die Amerikaner landen sollten, und im Osten, wo die Briten handelten. Die westliche Zone bestand aus zwei und die östliche aus drei Abschnitten, wo je eine verstärkte Infanteriedivision landen sollte. Die zweite Staffel machten zudem eine kanadische und drei US-amerikanische Armeen aus.

    Der D-Day

    Der Einsatz „Overlord“ wurde insgesamt mehr als drei Monate lang vorbereitet. Ende Mai 1944 wurden die meisten Kräfte zum Sammelplatz verlegt, und von dort aus wurden sie schon zu den Orten geschickt, wo sie die jeweiligen Schiffe besteigen sollten.

    Zunächst griffen die Fliegerkräfte die Positionen der Wehrmacht an – in der Nacht auf den 6. Juni. Bis zu 200 Bomber auf einmal warfen auf die im Voraus von den Aufklärungskräften entdeckten Artilleriestellungen Bomben ab.

    Insgesamt waren in dieser Nacht mehr als 2500 Bomber der Alliierten ab. Dennoch musste die Wehrmacht keine besonders großen Verluste tragen – ihre Stellungen waren immerhin gut getarnt.

    Am 6. Juni, um 06.30 Uhr waren die Landungskräfte an der Reihe. Die ersten zwei Angriffe konnten die deutschen Truppen abwehren, und erst am Abend konnten die Alliierten in einer Entfernung von etwa zehn Kilometern von der Küste Fuß fassen und die strategisch wichtigen Übergänge über die Flüsse Douve und L’Orne unter ihre Kontrolle nehmen. Dann konnte die Landung der Hauptkräfte beginnen.

    „Der flache Bauch des Lastkahns erreichte den französischen Boden“, erinnerte sich der französische Fotograf Robert Capa. „Hinter den Tschechenigeln (Hinderniskonstruktion aus drei Metallbalken, Anm.d.Red.), die aus dem Wasser hervorragten, war die schmale Küstenlinie zu sehen, die im Nebel versteckt war. Endlich sind wir in Europa, hier ist die ‚Easy Red‘-Landungszone. Es tat weh, mein schönes Frankreich zu sehen. Es war ja so armselig und sah unfreundlich aus, und das deutsche Maschinengewehr, das auf unseren Lastkahn ständig schoss, hat den Eindruck endgültig verdorben.  Die Soldaten, die sich an Bord befanden, sprangen ins Wasser. Sie standen hüfttief im Wasser und liefen zur Küste. Sie hielten ihre Gewehre einsatzbereit, und vor dem Hintergrund der Tschechenigel und der nebeligen Küstenlinie entstand eine tolle Komposition. Ich blieb für eine Minute auf einer Treppe stehen, um das erste Foto der Landung zu machen.“

    Die nächsten zwei Tage kamen immer neue und neue Kräfte der Alliierten an. Als eine schlagkräftige „Faust“ gebildet wurde, begann die Offensive, und am 19. Juni eroberten die Alliierten die Stadt Caen. Dann geriet der Angriff ins Stocken, weil sich die Wehrmacht von den ersten Schlägen der Alliierten erholt hatte und ihre weiteren Versuche zum Vormarsch blockierte.

    Zweite Front

    Erst Ende Juli konnten die Alliierten die Situation für sich entscheiden. Am 25. Juli starteten sie ihre Offensive an der ganzen Frontlinie. Dank ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit konnten sie die deutsche Abwehrlinie durchbrechen und die Halbinsel Bretagne befreien und die Häfen Saint-Malo, Brest, Saint-Nazaire blockieren. Bei Falaise wurde eine größere Gruppierung der Wehrmacht-Kräfte eingekesselt.

    Bereits am 25. August erreichten die Hauptkräfte der 1. amerikanischen, der 2. englischen und der 1. kanadischen Armee die Seine und haben Paris sowie den ganzen Nordwesten Frankreichs befreit. Binnen weniger Wochen rückten sie zur westlichen Grenze Deutschlands vor und erreichten die Siegfried-Linie.

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    Diese konnten sie nicht aus dem Stegreif durchbrechen, und das Alliierten-Kommando begann eine umfassende Offensive vom niederländischen Territorium. Ein halbes Jahr später konnten die Expeditionstruppen Italien unter ihre Kontrolle nehmen, auf das deutsche Territorium durchbrechen und mehrere strategisch wichtige befestigte Gebiete befreien. Am 25. April erreichte die 12. Armeegruppe die Elbe und traf dort die Avantgarde der Roten Armee.

    Die Landung in der Normandie gilt als größte Landungsoperation in der ganzen Geschichte der Kriege. Daran nahmen 21. Armeegruppen teil, die aus 66 Divisionen bestanden.

     Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944
    © REUTERS / Army Signal Corps Collection / U.S. National Archives / Handout

    Das waren 2,876 Millionen Soldaten, denen 11 000 Kampf- und 2300 Frachtflugzeuge sowie 7000 Kriegs- und Versorgungsschiffe zur Verfügung standen.

    Zwar war die Alliierten-Landung in der Normandie sehr wichtig für den Sieg gegen das Hitler-Deutschland, aber die entscheidende Rolle spielten die Ereignisse an der sowjetisch-deutschen Front, wo die stärksten Kräfte der Wehrmacht konzentriert waren.

    Nach Auffassung vieler Historiker hatten die Alliierten absichtlich so lange gezögert und den Einsatz „Overlord“ erst im Juni 1944 gestartet, als die Erfolge der Roten Armee im Osten schon offensichtlich waren.

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    Tags:
    Dwight D. Eisenhower, Franklin D. Roosevelt, Geschichte, Atlantik, Alliierte, Landung, Der Zweite Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Wehrmacht, NSDAP, Adolf Hitler, Drittes Reich, Deutschland, USA, Frankreich, Normandie, D-Day