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21:12 22 Juli 2019
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    Originaldokumente über die Schicksale von NS-Verfolgten im Archiv in Bad Arolsen

    Neue Ausstellung über Opfer der NS-Verbrechen

    © AP Photo / MICHAEL PROBST
    Gesellschaft
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    Die „Arolsen Archives“ verwahren etwa 30 Millionen Originaldokumente über die Schicksale von 17,5 Millionen NS-Verfolgten. Diese Dokumente gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Am Dienstag eröffnete im hessischen Bad Arolsen die Dauerausstellung „Ein Denkmal aus Papier – Die Geschichte der Arolsen Archives“.

    Wie findet man Vermisste, wenn Millionen auf der Suche sind und das Geschehene immer weiter in die Ferne rückt? Wie entstand das Archiv? Wer genau nutzte es, und wem stand es offen? Diesen Fragen geht die Schau „Ein Denkmal aus Papier. Die Geschichte der Arolsen Archives“ ab dem 18. Juni 2019 nach. Nach wie vor geht es darum, Schicksale zu klären und Vermisste zu suchen.

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    „Die Dokumente geben den Toten ihre Identität zurück, die ihnen von den Nationalsozialisten geraubt wurde“, so Kulturstaatsministerin Monika Grütters am Eröffnungstag. Auch nachfolgende Generationen hätten das tiefe Bedürfnis nach Gewissheit über das Schicksal ihrer Familienangehörigen, und so ist „die Aufarbeitung des Holocaust Teil unseres Selbstverständnisses, sie ist nicht verhandelbar. Das müssen wir allen vermitteln, die in Deutschland heimisch sind und die in Deutschland heimisch werden wollen“, hob die Staatsministerin die Bedeutung der Arbeit des Archivs hervor.

    Die „Arolsen Archives“ beherbergen rund 30 Millionen Originaldokumente über die Schicksale von 17,5 Millionen NS-Verfolgten: Über 30 Millionen Akten, Karteikarten und Listen zu Opfern des Holocaust und Häftlingen der Konzentrationslager, zu ausländischen Zwangsarbeitern und den Überlebenden. Rund 13 Millionen Dokumente sind auch online zugänglich.

    Die Papiere zählen seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe „Memory of the World“. Jährlich gehen etwa 20.000 Anfragen in Bad Arolsen ein – meist von Nachkommen ehemaliger NS-Verfolgter. Die Institution wurde kurz nach Kriegsende als „International Tracing Service“ (ITS) gegründet. Seit 2019 trägt die Institution den Namen „Arolsen Archives“ als internationales Zentrum über die NS-Verfolgung.

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    Da sich in der Dokumentensammlung sowohl „das erschreckende Ausmaß als auch die kaltblütige Systematik der NS-Verbrechen unmissverständlich und in aller Deutlichkeit zeigen“, unterstütze der Bund die Weiterentwicklung der Einrichtung zu einem für alle Interessierten offenen Archiv mit Originalquellen für Bildung und Forschung. So fördere ihr Ministerium das Archiv mit rund 14 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen 2019 Sondermittel von rund 400.000 Euro aus einem Bundesprogramm zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts.

    Die Staatsministerin eröffnete am Dienstag die neue Dauerausstellung gemeinsam mit der Direktorin des Archivs, Floriane Azoulay, und Lord Eric Pickles, dem Vorsitzenden des Internationalen Ausschusses (IA). Regierungsvertreter von elf Mitgliedstaaten (Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Großbritannien, USA) bilden den IA, der die Arbeit der „Arolsen Archives“ im Sinne der ehemals Verfolgten überwacht. Der IA legt seit dem sogenannten Bonner Abkommen von 1955 den Rahmen für die Arbeit der Institution fest.

    ba

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    Tags:
    Holocaust, historische Aufarbeitung, Tote, Monika Grütters, Verfolgung, Kriegsverbrechen, Nazi-Verbrechen, Verbrechen, kaltblütig, Sammlung, USA, Großbritannien, UdSSR, Frankreich, Griechenland, Israel, Polen, Russen, Juden, Nationalsozialisten, Archive, Archiv, Vermisste, Geschichte, Papiere, UNESCO, Konzentrationslager, NS, Politische Verfolgung, SS, Nationalsozialismus (Nazismus), Nazi-Deutschland, Nazis, Drittes Reich, Drittes Reich, Hessen, Deutschland, Dokumente