16:19 15 Dezember 2019
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    Der Direktor des Jüdischen Museums in Berlin Peter Schäfer (Archivbild)

    Jüdische Gelehrte warnen vor „Zensur der Meinungsfreiheit“ bei Israel-Kritik

    © AFP 2019 / dpa / Wolfgang Kumm
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    Nach dem Rücktritt des Direktors des Jüdischen Museums in Berlin, Peter Schäfer, haben 45 jüdische Gelehrte aus Israel, Europa und den USA diesem ihre Unterstützung bekundet. Sie befürchten „eine zunehmende Zensur der Meinungsfreiheit und die abnehmende Möglichkeit, Regierungspolitik zu kritisieren“.

    Auslöser für den Rücktritt des Direktors des Jüdischen Museums in Berlin Peter Schäfer war ein Tweet des Jüdischen Museums mit einer Leseempfehlung zur israelkritischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen). Jüdische und israelische Wissenschaftler kritisierten darin, dass der Deutsche Bundestag BDS als antisemitisch eingestuft hatte. Schäfer, Jahrgang 1944, ist Judaistik-Professor und war am Freitag als Museums-Leiter zurückgetreten.

    Die Bewegung BDS fordert ein Ende der israelischen Besatzung des Westjordanlandes, des Gazastreifens und Ost-Jerusalems, die Israel 1967 erobert hat. Zudem ruft sie dazu auf, keine israelischen Waren zu kaufen.

    Israel wiederum wirft der BDS-Bewegung vor, den jüdischen Staat zerstören zu wollen sowie Kontakte zu Terrorgruppen zu unterhalten. Israels Strategieminister Gilad Erdan bezeichnete die Bundestagsentscheidung als «bisher wichtigsten Schritt» im Kampf gegen die BDS-Bewegung.

    Das Jüdische Museum hatte zunächst noch unterstrichen, es positioniere sich nicht gegen den Bundestagsbeschluss. Es sei nur auf einen Diskussionsbeitrag von 240 Wissenschaftlern hingewiesen worden.

    Nun wird Schäfer von 45 jüdischen Gelehrten unterstützt. Dazu zählt unter anderem Ishay Rosen Zvi, Leiter der Talmud-Abteilung an der Tel Aviv Universität,

    „Wir sind zutiefst besorgt über die zunehmende Zensur der Meinungsfreiheit und die abnehmende Möglichkeit, Regierungspolitik zu kritisieren oder auch nur in Frage zu stellen“, hieß es in dem Schreiben der Wissenschaftler.

    Insbesondere sei die Behauptung „schockierend“ gewesen, dass sich Schäfer nicht für die jüdische Sache und den Kampf gegen Antisemitismus einsetze, betonten die Gelehrten. Der emeritierte Uni-Professor Schäfer habe sich während seiner Karriere unter anderem der „Förderung des Verständnisses von Juden und dem Judentum verschrieben“.

    Der Jüdische Weltkongress (WJC) hatte dagegen zuvor den Rücktritt von Schäfer begrüßt: „Wir brauchen keine Leiter von jüdischen Institutionen, die sich mit der BDS-Bewegung identifizieren“. Das erklärte WJC-Präsident Ronald Lauder am Montag in New York. Der WJC sieht sich als Vertretung der nicht in Israel lebenden Juden.

    Auch der Zentralrat der Juden in der Bundesrepublik hatte Schäfer kritisiert: „Das Maß ist voll. Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein.“ Der Zentralrat begrüßte ebenfalls den schließlich am vergangenen Freitag angebotenen Rücktritt Schäfers.

    Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) kündigte an, es werde nun ein neuer Leiter für das Museum gesucht. Am 20. Juni soll eine Sondersitzung der Museumsstiftung einberufen werden und eine Kommission soll einen neuen Direktor finden. Die Mit-Initiatorin des Berliner Holocaust-Mahnmals, Lea Rosh, hatte sich dafür ausgesprochen, dass der Nachfolger Schäfers Jude sein müsse.

    Bereits in den vergangenen Monaten hatte es Turbulenzen um das Haus gegeben: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert, eine Ausstellung über die Stadt Jerusalem zu schließen. Die Sonderschau „Welcome to Jerusalem“, die bis Ende April zu sehen war, würde eine einseitige, „palästinensisch-muslimische Sicht“ auf die Stadt präsentieren, so der Vorwurf. Damals hatten sowohl Schäfer als auch Grütters die Vorwürfe als politische Einmischung zurückgewiesen.

    ba/dpa

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