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20:04 15 Juli 2019
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    Berliner Museum für Gegenwart

    Berlins eigene „Freiheitsstatue“ – Gegen Ausverkauf von Geschichte und Stadt

    © Sputnik / Beata Arnold
    Gesellschaft
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    Beata Arnold
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    Im 30. Jahr nach dem Mauerfall steht am Berliner Museum für Gegenwart, dem „Hamburger Bahnhof“, eine neue Skulptur – ein Stück Berliner Mauer mit eingelassenem Geldautomat. Es trägt den Titel „Statue of Liberty“ – zu Deutsch: Freiheitsstatue.

    Die Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset wollen mit ihrer „Freiheitsstatue" in Berlin an das historische Ereignis des Berliner Mauerfalls 1989 erinnern. Die „Statue of Liberty“ stehe für drei Dinge: Ein Denkmal der deutsch-deutschen Teilung, ein Monument der Erinnerung an eine verschwundene Zeit voller Möglichkeiten unmittelbar nach der Wende sowie ein Mahnmal des Ausverkaufs von Geschichte und Stadt.

    Das Werk aus dem Jahr 2018 des dänisch-norwegische Künstlerduos „Elmgreen und Dragset“ besteht aus einem Betonsegment der Berliner Mauer, in das ein funktionsuntüchtiger Geldautomat integriert ist: In diese Öffnung des „Eisernen Vorhangs“, der einst Ost- von West-Berlin trennte, wurde ein Gerät zum Bargeldabheben eingefügt.

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    Es sei die Verschmelzung von zwei Objekten, die stellvertretend für zwei Systeme – „kapitalistischer Westen und kommunistischer Osten“ – stünden und soll Fragen nach dem aktuellen Zustand der Stadt Berlin und ihrer Entwicklung seit dem Mauerfall aufwerfen, so das ausstellende Museum.

    Die noch stehenden Teile der Berliner Mauer, ehemals Sinnbild für den Kalten Krieg und die Einschränkung von individueller Freiheit, dienten heute vielfach nur noch als Kulisse für Urlaubs-Schnappschüsse. Habe Berlin in der Nachwendezeit noch als Stadt voller Freiräume gegolten, so nähere sich dieser Prozess aufgrund der Gentrifizierung mehr und mehr seinem Ende.

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    Außerdem fände eine Vermarktung und Kommerzialisierung statt, die sich auf das Geld der internationalen Besucher konzentriere, was sich an den vielen neuen „cash machines“ zeigt, die in die Hausfassaden der Szenebezirke von unabhängigen Bankomat-Betreibern eingelassen wurden. Die Parallele zum Begriff „cash cow“ liegt nahe, also sinngemäß der deutsche „Goldesel“, der Geldstücke ausspuckt.

    Mit ihrem Werk spielen „Elmgreen und Dragset“ auf die Rolle der Freiheitsstatue in New York an, die als Symbol grenzenloser Freiheit gelte. Einst begrüßte die Monumentalskulptur die Schiffe mit ankommenden Einwanderern. Das Wahrzeichen wird heute als Touristenattraktion der Stadt „versilbert“.

    „Elmgreen und Dragset“ gelang 2005 der künstlerische Durchbruch: Mit einer in der texanischen Wüste errichteten „Prada“-Boutique, einer als „Prada Marfa“ betitelten Imitation eines Geschäfts des italienischen Luxus-Modelabels.

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    Bereits im Jahr 2003 hatten der Däne und der Norweger den Wettbewerb der Bundesregierung für ein Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gewonnen. Es steht seit Mai 2008 im Berliner Tiergarten.

    Fortan empfängt ihre Berliner Version der „Statue of Liberty“  die Besucher des „Hamburger Bahnhofs“ vor dem Eingang des Museums, ein Geschenk des Unternehmers und Kunstsammlers Heiner Wemhöner. In der vergangenen Woche ist die Skulptur vom Direktor der Nationalgalerie und Hausherr des „Hamburger Bahnhofs“, Udo Kittelmann, offiziell entgegengenommen worden.

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    Tags:
    DDR, Deutschland, Berlin, Berliner Mauer