13:10 20 November 2019
SNA Radio
    Müllhaufen auf den Straßen in Rom, Italien

    Roms ewiger Abfall: sanitäre Lage wird kritisch – Fotos, Video

    © AP Photo / Andrew Medichini
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    12525
    Abonnieren

    Müllhaufen auf den Straßen, jede Menge Ratten und Insekten, am Tiber wimmelt es von Möwen, und nahezu überall stinkt es. Die Hitzewelle verschärft die Lage in der Ewigen Stadt – viele Müllcontainer gehen in Flammen auf.

    Die Stadtverwaltung von Rom und die regionalen Behörden werfen diese Situation einander vor, die Ewige Stadt steht mittlerweile kurz vor einem Kollaps, und die Gesundheit ihrer Einwohner schwebt in Gefahr.

    Experten warnen, dass die sanitäre Situation kritisch ist. Mauro Mocci, der Leiter der regionalen Abteilung des Italienischen Ärzteverbandes für Umweltschutz (ISDE Lazio) und Vorstandsmitglied des Italienischen Verbandes der Familienärzte (FIMMG), hat in einem Interview für Sputnik Italia über die Situation um die Müllentsorgung in Rom gesprochen.

    Die Behörden von Latium schlagen Alarm wegen der Müllkatastrophe in Rom und haben sich bereits an die regionalen Gesundheitsbehörden gewandt. Herr Mocci, können wir von einer kritischen sanitären Situation sprechen?

    Ich bin absolut überzeugt, dass die sanitäre Situation kritisch ist. Man darf nicht warten, bis eine richtige Seuche ausbricht – man muss das Problem schnellstmöglich in den Griff bekommen. Es sind dringende Maßnahmen erforderlich, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern. Die Römer sehen mit ihren eigenen Augen Müllhaufen und manchmal sogar brennende Container mit Abfall.

    Das größte Problem ist, dass der Müll teilweise aus organischem Abfall besteht, der modert, und in der Hitze wird dieser Prozess noch intensiver. ISDE ist der Auffassung, dass die Abfälle in Rom separat gesammelt werden sollten. Die Hauptaufgabe ist, organische Abfälle extra zu sammeln. Ohne organische Abfälle würden Müllcontainer nicht so stark stinken.

    Welchen Gefahren sind die Einwohner der Stadt in dieser Situation ausgesetzt?

    Insekten verbreiten bekanntlich Krankheiten. Und wenn Ratten und Möwen Abfälle fressen, verbreiten sie ebenfalls Infektionen. Stellen sie sich einmal vor, was passieren könnte, wenn sich diese Infektionen in den Müllcontainern verbreiten würden. Selbst wenn man einfach über die Straße geht, spürt man, wie der Müll stinkt. Im Grunde wird der Gesundheit schon dadurch geschadet.

    Müllcontainer gehen oft in Flammen auf. Das ist doch auch sehr schädlich für die Gesundheit, nicht wahr?

    Das stimmt. Müllverbrennung würde das Problem nicht lösen. Dann wird die Umwelt nicht mit organischem Abfall verschmutzt, sondern mit chemischen Stoffen. Sie werden bei der Verbrennung in die Luft ausgestoßen. Deshalb treten wir gegen Müllverbrennungsbetriebe auf.

    Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten die Stadtbewohner ergreifen?

    Sie sollten Müll in den Container und nicht daneben werfen. Man darf nicht in organische Abfälle treten, denn dann könnte man diese unter seinen Schuhen nach Hause tragen. Man sollte sich den Containern vorsichtig annähern und darauf aufpassen, dass Kinder nicht neben Müll spielen.

    Jetzt müssen nicht die Einwohner, sondern die Behörden handeln. Müllbehälter müssen dringend gewaschen werden, besonders solche, die vor medizinischen Einrichtungen, Geschäften und Orten stehen, die von vielen Menschen besucht werden.

    Wenn Sie gegen Müllverbrennungsbetriebe auftreten, welche Maßnahmen schlagen Sie vor?

    Die römischen Behörden haben beschlossen, neue Abladeplätze einzurichten, denn es ist bequem, Abfälle in eine Grube zu werfen. Aber unseres Erachtens wäre diese Vorgehensweise falsch. Nur vier Punkte sind richtig: Reduzierung der Abfälle, Wiederverwendung, Entsorgung und Recycling. Demnächst sollte auch die Norm zur separaten Müllsammlung in Kraft treten, vor allem zur Sammlung von organischen Abfällen. ISDE verweist schon seit Jahren auf die Wichtigkeit dieser Maßnahme – unter anderem haben wir die Abteilung für Umweltschutz dazu aufgerufen. Aber leider hört man uns nicht zu, und die Folgen sind offensichtlich. Aktuell befassen sich die städtischen und regionalen Behörden nicht mit der Problemlösung, sondern machen sich nur gegenseitig dafür verantwortlich.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Krise, Müll, Rom, Italien