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13:38 18 August 2019
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    Schüler (Symbolbild)

    Studie: Mehr als die Hälfte aller Kinder erfahren Ausgrenzung und Gewalt an Schulen

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    Gesellschaft
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    Bolle Selke
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    Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung erfährt mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in der Schule Ausgrenzung, Hänseleien oder körperliche Gewalt. Die Studienautoren fordern, dass junge Menschen gehört und beteiligt werden.

    „Die überraschendsten Ergebnisse sind eigentlich, dass mehr als die Hälfte aller Kinder in der Schule Ausgrenzung, Hänselei, oder körperliche sogar körperliche Gewalt erleben“, sagt Anette Stein, Direktorin des „Programm Wirksame Bildungsinvestitionen“ der Bertelsmann-Stiftung und Co-Autorin der Studie.

    Kinder aus finanzschwachen Familien häufiger betroffen

    Sie berichtet weiter:

    „Jedes vierte Kind fühlt sich in seiner Schule nicht sicher und insbesondere die Jugendlichen sagen, dass ihnen Vertrauenspersonen in der Schule fehlen. Ein besonders wichtiges Ergebnis dabei ist noch, dass Kinder aus Familien mit finanziellen Sorgen viel häufiger von Ausgrenzung und Gewalt betroffen sind als gleichaltrige ohne diese Sorgen. Die fühlen sich auch häufiger nicht sicher.“

    Die Studienautoren fordern daher Kinderarmut viel konsequenter zu bekämpfen und vermeiden. Alle Kinder sollten Chancen für ein gutes Leben und Aufwachsen haben.

    Meiste Übergriffe an Grundschulen

    Ebenso überraschend für Stein und ihre Kollegen ist, dass es die höchste Betroffenheitsquote an Grundschulen gebe, gleichzeitig würden Grundschüler aber auch angeben, dass sie sich am sichersten fühlen. Stein dazu: „Wir gehen davon aus, dass jüngere Kinder körperbetonter miteinander umgehen und wenn da jemand geschlagen wird, wird das nicht sofort als so bedrohlich erlebt, wie in einem größeren Alter.“

    Knapp 30 Prozent der befragten Jungen und Mädchen an Grundschulen hätten angegeben, im vorausgegangenen Monat von anderen Schülern gehänselt, ausgegrenzt und zudem noch „absichtlich gehauen“ worden zu sein. An Haupt-, Real-, Gesamt- und Sekundarschulen hat nach eigenen Angaben jeder Fünfte sämtliche dieser Übergriffe im Monat zuvor erlebt oder mitbekommen, in Gymnasien jeder Zehnte.

    Neue Art der Sozialberichterstattung

    „Nehmt sie ernst! Junge Menschen wollen gehört und beteiligt werden“, fordern die Autoren der Studie. Dazu bräuchte es eine neue Art der Sozialberichterstattung, bei der auch junge Menschen selber befragt würden, „was denn heute dazu gehört, um gut Aufwachsen zu können“.

    Mit Blick auf die Schule hätte die Politik die Verantwortung Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Dazu müsste sie vor allem die Schulen so ausstatten, dass Strukturen und Ressourcen dazu ausreichen würden, und dass die pädagogischen Fachkräfte auch kompetent handeln könnten.

    Verzerrtes Bild?

    Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat mit Bezug auf die Studie vor einem verzerrten Bild gewarnt. Für die Mehrheit der Schüler seien deutsche Schulen keine Orte der Gewalt, sagte Meidinger der „Passauer Neuen Presse“:

    „Man muss aufpassen, dass diese Studie kein verzerrtes Bild unserer Schulen zeichnet. Wenn 60 Prozent der Schüler angeben, sie seien im letzten Monat einmal gehänselt oder von Mitschülern einmal ausgegrenzt worden, heißt das nicht, unsere Schulen sind für die Schülermehrheit Orte der Gewalt.“

    In anderen Studien würden je nach Schulart zwischen 70 und 90 Prozent der Kinder angeben, gerne in die Schule zu gehen, sagte Meidinger weiter. „Aber natürlich ist jeder Mobbingfall einer zu viel.“ Wichtig sei daher Prävention.

    Das komplette Interview mit Anette Stein zum Nachhören:

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    Tags:
    Studie, Verteidigung, Chancen, Sicherheit, Mobbing, Schule