12:41 27 Oktober 2020
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    Im Rathaus von Schönefeld hängt ein monumentales Gemälde: Eingerahmt in Gold ist darauf das fertige Hauptterminal vom internationalen Drehkreuz im Berlin-Brandenburgischen (BBI) zu sehen und dies unter regem Flugverkehr. Sputnik sprach mit Bürgermeister Udo Haase, was es damit auf sich hat.

    Am Amtssitz des Schönefelder Bürgermeisters hängt im „Brandenburg-Saal“ ein zehn Quadratmeter messendes imposantes Gemälde. Darauf zu sehen: 25 Männer und Frauen vor einer fertigen Abflughalle. „BBI“ prangt darauf.

    Unter regem Flugverkehr vor blauem Himmel ist vor dem nunmehr in „BER“ umbenannten Gebäudekomplex die gesamte Gemeindevertretung aufgereiht - samt dem damaligen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Landrat a.D. Martin Wille.

    Optimistisch blicken sie in die Zukunft: Getreu dem Motto „Berlin kann auch Flughafen“ schauen die kommunalpolitischen Mütter und Väter des Flughafenprojekts zuversichtlich nach vorn.

    „Zuversichtlich“ seien sie damals gewesen, so der Bürgermeister der Gemeinde Schönefeld, Dr.Udo Haase, im Gespräch mit Sputnik, denn das Bild stammt aus dem Jahr 2008.

    Im Rathaus von Schönefeld hängt ein monumentales Gemälde
    © Foto : Udo Haase
    Im Rathaus von Schönefeld hängt ein monumentales Gemälde

    „Das ist die erste Gemeindevertretung, die damals für den BBI gestimmt hat und fest in dem Glauben war, dass der Flughafen auch 2011 an den Start geht“, so Haase. Entstanden, sei es um zwei Menschen zu ehren, erzählt Haase. „Ein Joke“ – eine witzig gemeinte Überraschung für den scheidenden Schönefelder Ortsteilbürgermeister und den Landrat.

    Der Titel „Willkommen und Abschied" sollte die Aufbruchsstimmung ausdrücken, schließlich ging man seinerzeit noch von der Fertigstellung des Airports 2011 aus. Dieser Optimismus sollte auch die angehenden Ruheständler erfreuen.

    Es sei auch als „Willkommen“ dem neuen Flughafen gedacht, „wenn er denn kommt“, aber dass ihr „Willkommensgruß“ so lange dauern würde, „hätten wir alle nicht gedacht“, so Haase. Von den abgebildeten Personen sind viele nicht mehr im Amt, vier bereits verstorben. Das Bild selbst sei für ihn heute ein „Bild der Erinnerung“, aber auch ein Symbol für die „traurige Geschichte des Flughafens BER“, so Haase.

    © Foto : Udo Haase

    Der imposante „Schinken“ im Goldrahmen, gemalt zwei Jahre nach dem Spatenstich zum „BBI“, hat nämlich längst seine elf Lenze gesehen. Nur das Motiv, der Flughafen selbst, scheint noch immer in den Kinderschuhen zu stecken und hat sich zum Sorgenkind der Region entwickelt. Real existierender Flugverkehr? Fehlanzeige.

    Nach etlichen Pannen soll es mit dem BER nun im Oktober 2020 „etwas werden“: Vier Flughafenchefs später und um etliche Milliarden teurer als gedacht. Aber selbst der Eröffnungstermin scheint fraglich.

    Schönefeld versteht sich trotz der Widrigkeiten und der jahrelangen „Misswirtschaft“ und „viel Dummheit im Spiel“, wie sich Bürgermeister Haase ausdrückt, als „Flughafengemeinde“. Schließlich ging es von Berlin-Schönefeld ja auch schon zu DDR-Zeiten in die die große weite Welt.

    Unlängst war Haase mit einem Kamerateam des mongolischen Fernsehens hinter „dem Zaun“ auf der Großbaustelle BER in seiner Gemeinde. Aus der Partnergemeinde der mongolischen Hauptstadt der Mongolei kamen Besucher nach Schönefeld: „Wir haben denen mal zeigen wollen und seit Jahren immer wieder versprochen: Der Flughafen eröffnet, der Flughafen eröffnet...mantra-artig immer wieder das Gleiche erzählt und nie ist etwas passiert.“ Nun sähe es für ihn so aus dass es noch etwas werden könnte: „Ich habe noch nie so viele Bauabeiter, so viele Beschäftigte und so viele Bemühte gesehen, die dort sich anstrengen, den Flughafen an den Start zu bringen.“ Er rechnet fest mit dem Eröffnung Oktober 2020.

    Bürgermeister Haase versprüht generell Optimismus und seine knapp 16.000 Seelen zählende „Gemeinde vor dem Zaun“, hat auch Grund für Optimismus: Schönefeld ist wohlhabend. Wegen der günstigen Lage am Autobahnkreuz und der Berliner Stadtgrenze hat sich um die klamme Hauptstadt gewissermaßen ein Speckgürtel gebildet. Das Hüftgold Berlins nähren Firmen wie ein großer Online-Versandgroßhandel. Schönefeld ist die reichste Gemeinde Brandenburgs. Im Jahr 2018 führte man etwa 39 Millionen Euro in den kommunalen Finanzausgleich ab.

    Der BER sei laut Haase „der Motor nicht nur für Schönefeld, sondern auch für das gesamte Umfeld bis hin nach Ludwigsfelde oder nach Schulzendorf, Eichwalde, Zeuthen: Die Strahlkraft ist sehr groß und überall merkt man die Wirkung des BER in den einzelnen Orten.“

    Gemalt haben den „Schinken“ übrigens drei Russen: „Die drei Posins“ - Eugen, Michael und Semjon. Die Künstler malen nach Vorlage – etwa von Passbildern – Gemälde in jedwedem Stil. Auch „Alte Meister“ sind vor ihnen nicht sicher: Ausweislich der präsentierten Medienberichte auf ihrer Seite im Internet machten sie sich als „Fälscher" einen Namen. Die „berühmten russischen Maler“, wie sie Bürgermeister Haase nennt, könnten alles fälschen. Offensichtlich auch einen funktionierenden Großflughafen. Ob sich der BER selbst als „falscher Fuffziger“ herausstellt, wird sich zeigen – spätestens im Herbst 2020.

    Hier das Interview mit Dr. Udo Haase zum Nachhören:

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    Tags:
    Flugverkehr, Schönefeld, Deutschland