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08:40 15 Oktober 2019
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    Demo gegen TV-Sender Rustavi 2 in Tiflis, Georgien, am 08. Juli 2019

    Obszöne Hassrede gegen Russen und Putin: Georgier protestieren bei TV-Sender – Videos

    © Sputnik / Stringer
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    Massenproteste in Georgien (87)
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    Mit einer derben Verleumdungstirade gegen Wladimir Putin und Russen hat der georgische TV-Moderator Georgi Gabunija heftige Proteste im eigenen Land ausgelöst. Die politischen Auswirkungen seines Benehmens bei der Livesendung am späten Sonntagabend zeichnen sich bereits heute ab.

    Georgi Gabunija begann seine Sendung „P.S.“ am Sonntagabend mit einer Anrede an Wladimir Putin. Eine Minute lang beschimpfte er den russischen Präsidenten und seine Eltern mit diversen Worten, die unter die Gürtellinie gingen, und verunglimpfte die Russen als Putins „Sklaven“.

    Öffentliche Empörung

    Viele User in den sozialen Netzwerken verurteilten die beleidigende Ansprache und brachten die Angst zum Ausdruck, dass sie die heiklen Beziehungen zwischen Georgien und Russland weiter verschärfen könnte. Auch der Generaldirektor des oppositionellen Senders „Rustavi 2“ Nika Gwaramija, der die Rede ausstrahlte, kritisierte Gabunija und sagte, er halte obszöne Schimpfwörter bei einer Livesendung für inakzeptabel.

    Kurz darauf gingen hunderte Menschen in der Hauptstadt Tiflis auf die Straßen, um gegen die Aussagen Gabunijas zu demonstrieren und von „Rustavi 2“ seine Entlassung zu fordern. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Gebäude des Senders und bewarfen es mit Besen, Flaschen und Eiern. Auch Kameramänner von „Rustavi 2“ kündigten bei den Protesten demonstrativ ihre Jobs.

    Wegen der Proteste stellte „Rustavi 2“ seine Arbeit in der Nacht zum Montag ein, stellte aber am 7:30 Uhr Ortszeit (5:30 MESZ) die Ausstrahlung wieder her. Außerdem veröffentlichte der Sender eine Erklärung, in der er sich für das Vorgehen Gabunijas entschuldigte.

    Reaktion aus politischen Kreisen

    Die georgische Präsidentin Salome Surabischwili erläuterte, dass Gabunija mit seinen Worten den Interessen des eigenen Landes schade.

    Das Außenministerium Georgiens verurteilte in einer Pressemitteilung die Rede von Gabunija und bezeichnete sie als eine „Provokation, die auf eine weitere Anspannung der bereits komplizierten russisch-georgischen Beziehungen gezielt ist“.

    Der Ministerpräsident des Landes Mamuka Bachtadse warf dem TV-Moderator einen Destabilisierungsversuch vor.

    ​Ex-Präsident Michail Saakaschwili schrieb auf Facebook, dass man „die Wahrheit auf eine zivile Weise übermitteln soll“. Deswegen stellte er sich gegen „Hysterie und Provokationen“.

    Mitglied des Außenausschusses der russischen Staatsduma Jewgeni Primakow äußerte in den Sozialnetzwerken die Meinung, die russisch-georgischen Beziehungen sollten wegen des Vorfalls mit Gabunija auf Eis gelegt werden. Duma-Chef Wjatscheslaw Wolodin betonte, dass die Destabilisierung für die georgischen Radikalen nötig sei. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete das Benehmen Gabunijas als inakzeptabel und „unwürdig des georgischen Volkes”.

    Verschärfung der russisch-georgischen Beziehungen

    Am 20. Juni kam es in der georgischen Hauptstadt zu Massenprotesten der Opposition. Auslöser war der Besuch einer russischen Delegation.

    Die Russen hatten im georgischen Parlament an einer internationalen Tagung teilgenommen, die Problemen des Orthodoxen Christentums gewidmet war. Weil ein russischer Delegierter bei der Tagung den Vorsitz führte und dazu am Platz des georgischen Parlamentschefs saß, verließ die Opposition den Saal und rief zu Demonstrationen auf. Sie forderten die Abreise der russischen Delegation sowie den Rücktritt mehrerer Politiker. Infolge der Proteste wurden knapp 240 Menschen verletzt und mehr als 300 inhaftiert. Die georgische Präsidentin, Salome Surabischwili, machte damals Russland für die Veranstaltung der antirussischen Proteste verantwortlich. „Russland ist unser Feind und Okkupant. Die von ihm gesteuerte fünfte Kolonne kann heute gefährlicher sein, als eine offene Aggression.“ Die Spaltung der georgischen Gesellschaft spiele Russland in die Hände.

    Daraufhin unterzeichnete Wladimir Putin eine Anordnung, die den russischen Fluggesellschaften verbat, Flüge nach Georgien zu betreiben. Am nächsten Tag wurde auch den georgischen Luftfahrtunternehmen diese Route untersagt. Wie der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, feststellte, werde das Verbot gelten, solange für russische Bürger in Georgien eine Gefahr bestehe. Putins Anordnung trat am 8. Juli in Kraft.

    Inzwischen hören die antirussischen Proteste in Tiflis nicht auf. Laut Augenzeugenberichten gehen jeden Tag etwa 200 Menschen auf die Hauptstraße der Stadt. Sie bezeichnen Russland als einen „Besatzer“ und fordern den Rücktritt des Innenministers.

    msch/ae/sna

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    Themen:
    Massenproteste in Georgien (87)
    Tags:
    Tiflis, Demonstration, Proteste, antirussische Politik, Salome Surabischwili, Wladimir Putin, Beleidigung, Hassrede, beschimpfen, Schimpfwörter, TV-Sendungen, Rustavi 2, Russland, Georgien