10:36 20 November 2019
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    Zwei Berliner vor dem Brandenburger Tor am 12. November 1989

    Mauerfall: Wie sind die Konsequenzen für Deutschland und Russland?

    © AP Photo / Lionel Cironneau
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    Der Fall der Berliner Mauer hat laut dem russischen Historiker Vadim Truchatschow positive Konsequenzen für Deutschland, aber eher negative Konsequenzen für Russland. Es sei unmöglich, diesen Prozess zu verhindern, und es sei auch nicht notwendig, betonte er im Gespräch mit Sputnik.

    Der Fall der Berliner Mauer, dieses Symbols des Kalten Krieges, sowie die Wiedervereinigung Deutschlands vor 30 Jahren seien ein selbstverständliches Ergebnis der Beendigung der Konfrontation zwischen den beiden feindlichen Systemen gewesen, merkte Truchatschow an.

    Die Ostdeutschen haben sich in erster Linie als Deutsche empfunden und die Bundesrepublik als ihren Staat betrachtet. Ohne diese Tatsache hätte es keinen Mauerfall gegeben. Die deutsche sozialistische Nation kam trotz der Beteuerungen von Erich Honecker nicht zustande. Wenn der Staatschef der DDR damals Recht gehabt hätte, würde die Deutsche Demokratische Republik trotz des Mauerfalls in der einen oder anderen Variante bis heute existieren.“

    Wie dem auch sei, sei das Streben nach einer Wiedervereinigung auf beiden Seiten ganz schön stark gewesen und die Mauer sei gefallen, sagt der Historiker.

    “Ungeachtet dessen, dass die Erwartungen der Ostdeutschen nachher etwas enttäuscht wurden, haben sie einen einheitlichen Staat bekommen, die Möglichkeit, nach Westdeutschland zu fahren, die immer noch fast 20.000 Menschen nutzen, die von den östlichen in die westlichen Bundesländer umziehen. Allerdings haben die Ossis die sozialen Garantien verloren, die es in der DDR gab, und sollten nun mit dem Problem der neuen Einwanderer-Viertel konfrontiert werden. Nicht umsonst sind in den neuen Bundesländern die AfD und die Linken viel populärer.”

    Hinsichtlich der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland machte der Experte darauf aufmerksam, dass die Erwartungen an die Wiedervereinigung Deutschlands in der Sowjetunion etwas überhöht gewesen seien.

    „Helmut Kohl sprach schöne Worte mit Gorbatschow und Jelzin und diese haben alles als pure Wahrheit akzeptiert. In Wirklichkeit sah Deutschland, die stärkste Wirtschaftskraft in Europa, Russland immer als seinen Rivalen an, was eine Partnerschaft in einigen Bereichen nicht ausschloss. Was vor fünf Jahren in den Beziehungen beider Länder geschah, brachte nun die Probleme an die Oberfläche“, unterstrich Truchatschow.

    Während der Verhandlungen mit Helmut Kohl in Schelesnowodsk am 16. Juli 1990 über die Wiedervereinigung Deutschlands hat Michail Gorbatschow allen Bedingungen zugestimmt, ohne Garantien für die Sowjetunion, was auch die Deutschen überrascht hat. Was die Zusage betreffs einer Nato-Erweiterung angeht, so sei das ein Fiasko von Gorbatschow und Außenminister Schewardnadse gewesen, so der Politologe. Als Garantien hätte man damals einen neutralen Status des vereinigten Deutschlands fordern sollen, wie das in Österreich nach dem Abzug der sowjetischen Truppen der Fall war. Die sowjetische Führung habe die Gelegenheit nicht genutzt. Für die Sowjetunion sei das eine geopolitische Niederlage, für den Westen – ein geopolitischer Sieg gewesen.

     

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    Tags:
    30 Jahre Mauerfall, Mauerfall-Jahrestag, Mauerfall, Wiedervereinigung, BRD, DDR