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14:53 14 Oktober 2019
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    Touristen machen Selfie in der Tschernobyl-Sperrzone (Archiv)

    Neue Schutzhülle und „grüner Korridor“: Tschernobyl-Sperrzone wird zugänglicher für Touristen

    © AP Photo / Efrem Lukatsky
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    Der ukrainische Präsident, Wladimir Selenski, und der Top-Manager der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) Anton Ussow haben am Mittwoch Maßnahmen verkündetet, dank denen die Sperrzone um das explodierte Atomkraftwerk Tschernobyl in der Ukraine für Touristen zugänglicher werden soll.

    Am Mittwoch fand die offizielle Übergabe der neuen Schutzhülle statt, die als New Safe Confinement bezeichnet wird. Der Stahlbogen deckt den „Sarkophag“ ab, der kurze Zeit nach der Katastrophe über dem havarierten Reaktorblock errichtetet wurde.

    1,5 Milliarden Euro für die neue Schutzhülle

    „Die internationale Gemeinschaft hat 1,5 Milliarden Euro für die Verwirklichung des Projekts gesammelt. Der Beitrag der EBWE hat bei 700 Millionen Euro gelegen“, schrieb Ussow auf Facebook.

    Darüber hinaus veröffentlichte er Fotos der 105 Meter hohen, 150 Meter langen und 260 Meter breiten Stahlkonstruktion.

    Der „grüne Korridor“ für Touristen

    Im Tschernobyl-Sperrgebiet soll ein „grüner Korridor“ für Touristen geschaffen werden. Außerdem wird das Verbot für Foto- und Videoaufnahmen aufgehoben. Wladimir Selenski signierte am Mittwoch ein entsprechendes Dokument.

    Die neuen Maßnahmen sollen laut dem ukrainischen Präsidenten die Sperrzone zu einem „Entwicklungspunkt der neuen Ukraine“ machen. Zudem werde der „grüne Korridor“ der Korruptionsbekämpfung dienen: Derzeit müssen Touristen oft Schmiergeld an Beamte zahlen, schrieb Selenski auf Twitter.

    Tschernobyl-Tragödie 1986

    Am 26. April 1986 explodierte im Atomkraftwerk Tschernobyl in der damaligen Sowjetunion der Reaktor 4. Das Dach des Gebäudes wurde weggerissen, die hochradioaktiven Brennstäbe lagen frei. Tonnen von hochradioaktiven Trümmern wurden kilometerweit verstreut. Durch die unmittelbare Explosion starben 31 Menschen. Tausende Menschen starben zudem an den Spätfolgen der Strahlung. Seither gehört die Stadt Prypjat zur Sperrzone rund um das Atomkraftwerk.

    Doch viele Tausende Menschen wurden bis heute Spätopfer der Katastrophe. Zum einen die so genannten Liquidatoren, die anfangs mit den bloßen Händen radioaktive Trümmer wegtrugen. Zum anderen Einwohner der früheren Stadt Prypjat, in der zum Zeitpunkt des Super-GAU mehr als 40.000 Menschen lebten, darunter fast ein Viertel Kinder. Sie mussten innerhalb weniger Stunden die Stadt verlassen.

    Selfies aus der Sperrzone nach Erscheinen der „Chernobyl“-Serie

    Die Ausstrahlung der Miniserie „Chernobyl“ vom US-amerikanischen Sender HBO sorgte weltweit für riesiges Interesse an der Tragödie und überbot sogar nach den Popularitätswerten die Fernsehserie „Game of Thrones“. Den Zuschauern wurden nicht nur die schrecklichen Ereignisse von vor 30 Jahren, sondern auch das Schicksal jener näher gebracht, die um den Preis ihrer Leben die Verbreitung der Strahlung verhinderten – ob Wissenschaftler oder Beamter, einfacher Feuerwehrmann oder Liquidator.

    Wegen der „Chernobyl“-Serie erschien sogar ein neuer Instagram-Trend: Menschen reisen nach Tschernobyl, um effekthascherische Selfies zu machen.

    mo/gs/sna

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