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    Lohn (Symbolbild)

    Sputnik-Leser haben entschieden: Löhne in Ostdeutschland schnellst möglich anpassen!

    CC0 / Erdenebayar Bayansan / Pixabay
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    Laut aktuellen Untersuchungen unterscheiden sich die Lebensverhältnisse innerhalb von Deutschland erheblich. Ob Ost oder West, Großstadt oder ländlicher Raum, je nach Region gibt es verschiedene Defizite.

    In unserer Wochenumfrage hatten wir Sie deshalb gefragt: Was müsste Ihrer Meinung nach schnellst möglich verbessert werden? Die Antwort ist eindeutig.

    Unter den von uns vorgegebenen Antwortmöglichkeiten hatte sich schon nach kurzer Zeit ein klarer Favorit herausgestellt: 57 Prozent der Teilnehmer haben sich in unserer Umfrage für die Antwort „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Löhne in Ostdeutschland anpassen!“ entschieden. Rund 30 Jahre nach der Wende gibt es in Deutschland immer noch massive Gehaltsunterschiede zwischen Ost und West: Zuletzt verdienten Menschen in Ostdeutschland monatlich durchschnittlich 2.600 Euro brutto, in Westdeutschland in etwa 3.330 Euro. Auch bei der Kaufkraft liegen die meisten ostdeutschen Bundesländer am Ende der Statistik. Unzufriedenheit ist also vorprogrammiert, hier müssten Bund und Länder aus Sicht unserer Leser schnellst möglich handeln.

    Vorsicht: Landflucht!

    Mit einigem Abstand folgt auf Platz 2 unserer Umfrage die Antwort „Beschäftigung: Auch auf dem Land müssen mehr Job-Möglichkeiten her!“ – 13,1 Prozent haben sich für diese Möglichkeit entschieden. Geschlossene Kindergärten und Schulen, kein Arzt, kein Bäcker: Während die meisten Großstadt-Regionen hierzulande boomen, gibt es in anderen Regionen Landflucht. Zwar sind die Mieten günstiger, dafür fehlt es an Arbeitsplätzen. In Ostdeutschland kommt hinzu, dass grundsätzlich große Arbeitgeber fehlen: Kein einziges der 30 deutschen Dax-Unternehmen hat dort seinen Sitz. Stattdessen gibt es viele kleine und mittelständische Betriebe, die aber häufig weniger zahlen und weniger Menschen einstellen können. Ein politischer Masterplan für den ländlichen Raum wäre also überfällig.

    Bitte nicht krank werden…

    Mit 11,6 Prozent landet „Gesundheitsvorsorge: Mehr Ärzte, Krankenhäuser, Pflegejobs!“ auf Platz 3 der Umfrage. In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist dies ein Thema, das alle betrifft. Allein zwischen 2009 und 2017 stieg die Zahl der Behandlungsfälle in den Krankenhäusern hierzulande von 17,8 auf 19,5 Millionen. Dort sind Wochenarbeitszeiten von 60 bis 80 Stunden keine Seltenheit. Hinzukommen etwa eine Milliarde Arztbesuche jährlich in den Praxen. Die Zahl der Medizinstudenten ist im gleichen Zeitraum jedoch zurückgegangen. In der Pflegebranche sieht es ähnlich aus: Mehr als die Hälfte aller deutschen Pflegeheime haben offene Stellen. Vor gut einem Jahr hatte die Bundesregierung 13.000 zusätzliche Stellen für Pflegekräfte versprochen, bis heute ist keine einzige davon besetzt.

    Einbildung ist auch Bildung…

    Eine andere Problematik hat in unserer Umfrage Platz 4 erreicht: „Köpfchen zeigen: Mehr Geld für Bildungs- und Kultureinrichtungen!“. Einst rief Bundeskanzlerin Angela Merkel die „Bildungsrepublik Deutschland“ aus und obwohl der Digitalpakt zwischen Bund und Ländern nach langen Verhandlungen beschossen ist, sieht es im Bildungsressort real nicht sonderlich glänzend aus. Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2020 waren sogar Kürzungen von 533 Millionen Euro für Anja Karliczeks Bildungsministerium geplant, bis zum Jahr 2023 soll es sogar ein Minus von 2,3 Milliarden sein. Auch im internationalen Vergleich gibt das „reiche Deutschland“ – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – recht wenig für Bildung aus:  Demnach lagen 2015 die Ausgaben im OECD-Durchschnitt bei 5,03 Prozent des BIP, Deutschland kommt auf 4,22 Prozent und liegt damit deutlich hinter Ländern wie Frankreich (5,2 Prozent) und Spitzenreiter Norwegen (6,38 Prozent) zurück. 

    Die Fahrscheine bitte…

    Immerhin sieben Prozent der Teilnehmer unserer Wochenumfrage sehen das drängendste Problem an anderer Stelle: „Verkehrsanbindung: Mehr Geld für öffentliche Verkehrsmittel und die Straßen!“ erreicht Platz 5 unseres Rankings. Vor allem mit Blick auf die Bahn macht Deutschland keine gute Figur: Der deutsche Staat gab im vergangenen Jahr pro Bürger rund 77 Euro für das Eisenbahnnetz aus, bei vielen Nachbarn war es deutlich mehr: Die Niederlande investierten 135 Euro pro Kopf, Österreich 218 Euro und die Schweiz sogar 365 Euro pro Bürger. Dabei sind sich Experten sicher: Auf der Schiene liegt die Zukunft, Autobahnen und Landstraßen sind schon jetzt überlastet, vor allem der Güterverkehr nimmt immer weiter zu. Mehrinvestitionen in die Bahn könnten auch zu niedrigeren Ticketpreisen führen, was wiederum die Straßen und den Geldbeutel entlasten könnte.

    Ich… bin… m… unkloch…

    Abgeschlagen auf Platz 6 findet sich mit zwei Prozent aller abgegebenen Stimmen die Antwortmöglichkeit „Mobilfunk: Guter Empfang auch im ländlichen Bereich!“. Immerhin hat die Bundesregierung das Problem erkannt und will es nun angehen: Es soll eine staatliche Infrastrukturgesellschaft eingerichtet werden, um 99 Prozent aller Haushalte bis zum Jahr 2020 mit Mobilfunk zu versorgen. Vor allem in abgelegenen ländlichen Bereichen will der Bund Geld in die Hand nehmen und selbst Mobilfunkmasten aufstellen. Entstehen sollen die staatlichen Masten dann in erster Linie auf Grundstücken und Liegenschaften, die dem Bund gehören, damit Genehmigungsverfahren schneller erteilt werden können. Ob das bis 2020 gelingt, ist fraglich. Ein richtiger Schritt in Richtung gleichwertige Lebensverhältnisse in Deutschland wäre es allemal. Was das angeht, gibt es sicherlich noch sehr viel mehr zu tun.

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