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00:28 21 August 2019
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    Mondlandung der US-Astronauten, 1969 (Archiv)

    50 Jahre Mondlandung: Was der Wettlauf der Planetenforschung gebracht hat

    © AP Photo / Neil Armstrong/NASA
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    Valentin Raskatov
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    Die Mondlandung hat der Planetenforschung wichtige Daten zum Erdtrabanten geliefert. Die Erfahrungen der Astronauten haben zudem den Grundstein für künftige Landungen gelegt. Das findet ein Forscher vom DLR. Der Mond könnte auch ein guter Übungsplatz für Marsmissionen sein, allerdings sollten auch mehr Wissenschaftler dort Experimente durchführen.

    „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Sprung für die Menschheit“, diesen Satz sagte der Astronaut Neil Armstrong am 21. Juli 1969, als er als erster Mensch auf dem Mond seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte. 50 Jahre ist die erste Landung nun her, die dem Mond nicht nur menschliche Fußstapfen bescherte, sondern auch der Wissenschaft neue Einsichten in den sagenumwobenen Himmelskörpers und der Technik - einen guten Ausgangspunkt für folgende Weltraummissionen.

    Vor-Ort-Analysen und Mondgestein erzählen Mondgeschichte

    „Die Astronauten hatten ein ganzes Arsenal von Messinstrumenten mit dabei, die auch auf dem Mond zurückgelassen wurden und die über Jahre Daten aufgezeichnet haben“, bemerkt Prof. Jürgen Oberst vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) für Planetenforschung im Sputnik-Interview zur wissenschaftlichen Seite der Apollo-Reihe.

    Zudem seien 384 Kilogramm Mondgestein für Laboruntersuchungen auf die Erde gebracht worden, aus denen neue Erkenntnisse gewonnen wurden. Zum Beispiel ähnle der Mond in der chemischen Zusammensetzung dem Erdmantel und habe in seiner Frühzeit über einen ausgedehnten Magmaozean verfügt, der sich später zur Mondkruste verhärtet habe.

    Neue Technik vervollständigte das Bild

    „Die Apollo-Landungen waren nur punktuell, an einigen wenigen Plätzen“, bemerkt Oberst. Zuvor hatten bereits sowjetische und US-amerikanische Sonden den Mond fotografiert und Landungen darauf geübt. Die Sowjetsonde Lunik 2 (russ. Luna-2, Anm. d. Red.) schlug etwa als erster Flugkörper 1959 gezielt auf der Mondoberfläche auf und Lunik 3 (bzw. Luna-3) lieferte die erste Fotografie von der Rückseite des Mondes.

    Seitdem habe sich die Datenlage stark verbessert: „Die Sonden heute, die den Mond umkreisen, fliegen in polaren Umlaufbahnen und können viel besser den gesamten Mond kartographieren, so Oberst. Schließlich sei das technische Arsenal an elektronischen Kameras, Laser- und Radartechnologien an Bord ein wesentlich umfassenderes und genaueres. Zudem sei deren Betrieb nicht zeitlich eingeschränkt wie der der Apollo-Missionen, die immer nur auf der beleuchteten Vorderseite operierten. Die Rückseite des Mondes war entsprechend wenig erforscht und auch über die Polgebiete war wenig bekannt. Heute gilt: „Gerade die Polgebiete sind sehr interessant. Da haben wir heute neue Daten, es gibt Vermutungen, dass man da Wassereis finden könnte“, so Oberst.

    Künftige Mond-Mission? Bitte, mehr Wissenschaftler an Bord

    Für eine künftige bemannte Mondmission, wie sie gerade die Weltraumagenturen wieder vorbereiten, wünscht sich Oberst mehr Wissenschaftler an Bord. „Die Astronauten – das waren ja alles Piloten und Ingenieure. Nur bei Apollo-17 war auch ein Geologe dabei. Da hat sich auch gezeigt, dass das von Vorteil ist, wenn einer mit Sachverstand oben ist und Dinge besser vor Ort beurteilen kann“, so der DLR-Forscher. Denn Experimente und der Betrieb von Seismometern etwa seien oft schwierig. „Da braucht man eine Hand vor Ort, die die Instrumente aufstellt und betreut.“

    Ist der Mond ein Tor zum Mars?

    „Das was man damals gemacht hat, das sind alles Vorgänge, die man heute auch so machen würde. Das hat man damals erstmalig gelernt und das waren ganz wichtige Erfahrungen“, bemerkt Oberst zur ersten bemannten Landung. Radarmessungen zur Höhenbestimmung, Auswertung von Radiosignalen zur Berechnung der Bahn – „die Grundlagen wurden damals gelegt und von denen profitieren wir heute noch“.

    Doch für weitere Reisen wie die zum Mars bräuchte es noch weitere Übungen – und dafür wäre der Mond das optimale Übungsgelände. Außerdem könnte das Wassereisvorkommen auf dem Mond den Erdtrabanten zu einer Art Tankstelle für Atemluft und Treibstoff machen: „Wenn man schafft, das abzubauen, dann könnte man das Wasser benutzen, um solche Marsmissionen zu unterstützen“, so Oberst. „Dann müsste man die ganzen Ressourcen nicht von der Erde bringen.“

    Das Interview mit Prof. Jürgen Oberst in voller Länge:

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    Tags:
    Neil Armstrong, Mondlandung, Weltraum, USA, Mond