14:45 24 September 2020
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    Nachdem bekannt wird, dass mutmaßliche Islamisten als Sicherheits-Ordner bei Fußballspielen arbeiten sollten, mahnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine bessere Zusammenarbeit von Clubs, Verbänden und privaten Security-Firmen an. „Vereine müssen prüfen, wen sie als Sicherheitskräfte einstellen“, so GdP-Chef Michael Mertens gegenüber Sputnik.

    In letzter Zeit sorgten mutmaßliche Islamisten und Rechtsextreme als Personal privater Sicherheitsfrimen für Aufsehen. Darunter auch Ordner bei Fußballspielen großer Bundesliga-Vereine. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) benannte „gravierende Sicherheits-Probleme“, als herauskam, dass zwei mutmaßlich islamistisch radikalisierte Brüder unter anderem bei Spielen des Bundesliga-Aufsteigers SC Paderborn „für die Sicherheit“ sorgen sollten. Sputnik berichtete.

    Vor allem die Polizei in Nordrhein-Westfalen (NRW) steht in der kommenden Fußball-Saison vor großen Herausforderungen. Denn gleich sieben Bundesliga-Clubs werden dann in dem Bundesland spielen, dabei müssen auch lokale und regionale Derbys gesichert werden.

    „Ordnungskräfte vernünftig auswählen“

    „Kurz vor dem Start der zweiten und bald auch der ersten Bundesliga haben wir von der Gewerkschaft der Polizei ein großes Interesse daran, die Fußballspiele möglichst gesichert stattfinden zu lassen“, sagte Michael Mertens, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW und stellvertretender Bundesvorsitzender der GdP, im Sputnik-Interview.

    „Für den sicheren Ablauf eines Fußballspiels sind die Vereine selber im Stadion verantwortlich, gemeinsam mit der Deutschen Fußball-Liga DFL und dem Deutschen Fußball-Bund DFB. Sie haben sich durch Satzungen dazu verpflichtet, für die Qualität ihrer Sicherheitskräfte in den Stadien zu sorgen.“

    Die Rolle privater Sicherheits-Dienste

    Dabei gehe es darum, eine für alle gleich geltende Qualität der Sicherheitskräfte auch zu gewährleisten. Die Polizei spiele dabei allerdings nur eine begleitende und informierende Rolle. Die Hauptverantwortung liege bei den Fußball-Vereinen, den zuständigen Ordnungsbehörden und den privat geführten Sicherheits-Firmen selbst.

    Deshalb sei es „jetzt umso wichtiger, dass die Fußballvereine ihre Ordnungskräfte vernünftig auswählen und aufstellen“, so seine Forderung. Teilweise würden Vereine wie Schalke 04 in Gelsenkirchen und Borussia Dortmund „in Eigenregie für die Sicherheit sorgen, andere Vereine wiederum verpflichten Sicherheits- und Security-Unternehmen, die dann anhand der Gewerbeordnung ihre Kräfte qualifizieren (ausbilden und einarbeiten, Anm. d. Red.) müssen.“

    GdP-Chef Mertens fordere in dieser Gemengelage „einen einheitlichen Standard. Dass jeder weiß – im und am Stadion – wer für die Einlasskontrollen und Sicherheit zuständig ist. Da muss eine klare Qualität an den Tag gelegt werden. Mit einer Sicherheitsüberprüfung, damit die Menschen, die Familien, die ins Stadion gehen, davon ausgehen können, dass sie in Sicherheit zum Fußball gehen.“

    Viele Erkenntnisse sind vertraulich

    Fragen, ob ein System oder gar vernetzte Moscheen mit Nähe zu radikal-islamistischen Strukturen dabei im Hintergrund wirken und ihre Vertreter in Sicherheits-Unternehmen sozusagen „einschleusen“, konnte der GdP-Sprecher aus datenschutzrechtlichen und ermittlungstaktischen Gründen nicht beantworten. Er verriet jedoch folgendes:

    „In erster Linie werden wir Ordnungsbehörden, die dafür zuständig sind, zu einzelnen Abfragen die rechtlich vorgeschriebenen Auskünfte zu Personen geben. Gibt es staatsschutzrelevante Hintergründe, dann wird man das über den Staatsschutz regulieren. Dann ist die Polizei mit im Boot, aber nicht federführend. Staatsschutz-Sachen werden selten in der Öffentlichkeit diskutiert. Sondern sie werden vertraulich behandelt.“

    Laut Medien ist aktuell auch der Staatsschutz Bielefeld über Ordner als Sicherheitsrisiko bei Fußball-Vereinen in NRW informiert. Der Staatsschutz „gibt aus Datenschutzgründen aber keine Auskünfte“, so der „WDR“ vor wenigen Tagen.

    Problem gewaltbereiter „Fans“

    „Wenn man die Zahlen über Gewalt im Fußball-Stadion bewertet, dann müssen wir konstant von hohen Fallzahlen sprechen“, sprach Mertens über ein weiteres Problem im deutschen Profi-Fußball.

    „Das macht uns Sorgen. Auch im Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen, die jedes Wochenende im Einsatz sind. Es darf auch keine Solidarisierung der Ordnungskräfte mit den eigenen Fans stattfinden. Die müssen genauso kontrolliert werden wie alle anderen auch, bevor sie ins Stadion kommen.“ Dabei gehe es neben versteckt mitgebrachter Pyrotechnik auch um „beleidigende Banner und Plakate. Das darf nicht passieren. Da haben wir aber auch die Erwartung an die DFL, dass man auch über klare Konsequenzen nachdenken muss, wenn so etwas passiert. Im schlimmsten Fall durch Punktabzug, damit die Vereine in die Verantwortung genommen werden.“

    Rechtlich und politisch sei das Ganze bei weitem noch nicht klar geregelt. „Wir erwarten, dass sich die Vereine, die Deutsche Fußball-Liga und die Ordnungsbehörden sich an einen Tisch setzen und von den gleichen Begrifflichkeiten, von den gleichen Qualitäten der Ordnungskräfte ausgehen.“ Im Fachjargon laute der Begriff „Bewacher“. Damit die Menschen und Fußballzuschauer wissen, dass „Qualität bei den Sicherheitskräften“ vorhanden und die Sicherheit auch so tatsächlich gewährleistet sei.

    Bei vielen Fußball-Clubs gehe es nicht immer primär um Fragen der Sicherheit, bemängelte der GdP-Chef abschließend. „Der richtige Nachdruck fehlt mir manchmal. Das macht uns als Polizei Sorge. Da steht nicht immer das Thema Sicherheit im Vordergrund, für die wir als Polizei stehen. Da geht es auch um vereinseigene Interessen. Damit das Fußball-Spiel ein Familienereignis bleiben kann, müsste die richtige Synthese zwischen beiden Themen gefunden werden.“

    Das Radio-Interview mit Michael Mertens (GdP) zum Nachhören:

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    Tags:
    Sicherheitskräfte, Islamisten, Deutschland