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    Regenbogenflagge vor dem US-Botschaftsgebäude in Berlin

    Grenell widersetzt sich Trump: Regenbogenfahne hängt an der US-Botschaft

    © REUTERS / FABRIZIO BENSCH
    Gesellschaft
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    Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, hängt aus Anlass des Christopher-Street-Day die Regenbogenflagge neben die „Stars and Stripes“ vor sein Botschaftsgebäude neben dem Brandenburger Tor. Laut US-Außenminister Pompeo ist das verboten, berichtet das Magazin „Advocate“.

    Diese Woche hängt vor der US-Botschaft in Berlin eine Regenbogenflagge am gleichen Mast wie die US-amerikanische Flagge. Anlässlich der so genannten Pride-Woche und des Christopher-Street-Day (CSD) dekoriert sich die US-amerikanische Botschaft in bunt.

    Zusätzlich zur Staatsflagge hängt am gleichen Fahnenmast die Regenbogenfahne sowie ein Banner auf dem zu lesen ist: „Unsere Botschaft heißt Liebe“. Laut der US-amerikanischen Zeitschrift „Advocate“ gilt das als verboten. Den Weisungen von US-Außenminister Mike Pompeo zufolge soll jeweils nur eine einzige Flagge an Botschaften hängen, und das sei die der Vereinigten Staaten.

    Kritik an Trumps Regierung?

    Trotz des offiziellen Verbots, äußert sich Grenell stolz zum Hissen der Flagge. Aus einem Tweet von ihm ist zu entnehmen: „Wir sind stolz darauf, dass wir zwei Flaggen haben.“ Der Botschafter lebt offen schwul und scheint zum ranghöchsten homosexuellen Beamten in Trumps Administration zu gehören, so die Schweizer Nachrichtenagentur „nau“.

     

    Eine direkte Antwort auf diese eigenmächtige Vorgehensweise des Botschafters seitens der US-Regierung gab es noch nicht. So queer-positiv, wie Grenell die US-Botschaft zeigt, sind es die USA selbst aber nicht. Unter Trumps Regierung verlieren trans-Menschen immer mehr Rechte. Sie dürfen beispielsweise nicht im US-Militär dienen oder erhalten weniger Zugang zur gesundheitlichen Vorsorge. Die Agentur „nau“ interpretiert diese Geste Grenells somit als Kritik an Trumps LGBTI-Politik. Das Kürzel steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender und Intersexual (Deutsch: lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell/Transgender und intersexuell)

    Riesige Demonstration auf den Straßen Berlins

    Der CSD findet diesen Samstag in Berlin statt. Es werden zwischen 600.000 und einer Million Menschen erwartet, berichtet der öffentlich-rechtliche Sender RBB, der die Parade auch überträgt. Eine solche Besucherzahl würde dieses Ereignis zur wohl größten Demonstration Berlins in diesem Jahr machen. Vom Kurfürstendamm werden sich 98 Fahrzeuge und 41 Fußgruppen hin zum Brandenburger Tor bewegen. Auch dieses Jahr findet eine Bühnenshow mit internationalen Künstlern statt, bei der auch die ehemalige „Spice-Girls“ Sängerin Melanie C. dabei ist.

    Das diesjährige Motto lautet „50 Jahre Stonewall - Jeder Aufstand beginnt mit deiner Stimme“. Damit will die Organisation des CSD auf die ersten Aufstände von Schwulen, Drags und schwarzen Strichern aufmerksam machen. Diese fanden erstmals 1969 in der „Stonewall Inn“-Bar an der Christopher Street in New York statt. Auch die Besitzer dieser Bar sollen am Samstag eine Ansprache in Berlin halten.

    Der Kultursenator von Berlin Klaus Lederer (Linke) hat in einem Interview mit dem Inforadio des RBB die Forderungen des CSD wie folgt formuliert: das Transsexuellen-Gesetz, das Verbot der Konversionstherapie, Elternschaft gleichgeschlechtlicher Paare und das Gleichbehandlungsgesetz. Er sieht Bedarf zur Unruhe, wie er sagt, denn: “Es gibt einen Trend in der Gesellschaft zu Illiberalitäten, zu Gleichförmigkeiten. Völkisches Denken nimmt zu und das Bestreben, Menschen in Schubladen zu stecken und ihnen Normen zuzuteilen, an die sie sich zu halten haben." Dies sei für ihn Grund zur Angst, nicht nur auf die LGBTI-Szene, sondern im Allgemeinen auch auf Minderheiten bezogen.

    lm

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    Tags:
    Flagge, Parade, LGBT, Deutschland, USA