00:30 18 November 2019
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    Die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete am 18. Juli 2019

    Aus Solidarität für Carola Rackete: Italienerinnen wollen keinen BH tragen

    © REUTERS / GUGLIELMO MANGIAPANE
    Gesellschaft
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    Free the Nipple: Unter diesem Motto wollen junge Studentinnen aus Italien am heutigen Samstag gemeinsam mit mehreren anderen Frauen auf ihre BHs verzichten und damit dem Beispiel von Carola Rackete folgen, die ohne Büstenhalter vor Journalisten und vor Gericht erschien. Die Reaktionen fallen zwiespältig aus.

    Wie die italienische Zeitung Lettera Donna berichtet, wollen die Demonstrantinnen aus Turin, Giulia Trivero und Nicoletta Nobile, damit das Recht des einzelnen verteidigen, sich nach eigenen Vorstellungen zu kleiden. Der „Kampf gegen die Verunglimpfung des weiblichen Körpers“ sei aber nicht als pur feministisch zu betrachten. In der Tatsache, dass eine Frau ohne BH heute immer noch für einen Skandal sorgen kann, sehen die Studentinnen „eine Form von Gewalt“.

    Rettung der Migranten
    © REUTERS / Courtesy of Sea-eye/Social Media
    Der Zeitung „La Repubblica“ sagten die beiden Veranstalterinnen, ihr Protest sei aus ironischer und provokanter Absicht geboren worden, habe aber ein sehr ernstes Ziel – nämlich,  die politischen Debatten in der heutigen Zeit von „belanglosen Details“ zu befreien. „Diese lenken von den wichtigen Inhalten ab. Außerdem werden sie dazu genutzt, um Frauen zu demütigen und den weiblichen Körper zu dämonisieren.“ Die ehemalige SeaWatch-Kapitänin Carola Rackete war deswegen schon einmal in der Kritik gestanden. Als sie vor Gericht ohne BH erschienen war, schrieb beispielsweise die Zeitung „Libero“ von einer „Dreistigkeit ohne Grenzen“. 

    Matteo Salvini hat sich bereits belustigt über die Aktion geäußert. „Diese linken Genies haben gesagt, als Solidarität für Kapitänin Carola gehen wir am 27. Juli gemeinsam ohne BH“, meinte er in einem Video ironisch. „Für eine deutsche Kommunistin, deren Aktion einigen italienischen Finanzpolizisten (Die Guardia di Finanza – eine spezialisierte italienische Polizeitruppe, die vor allem für die Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität zuständig ist – Anm. d. Red.) das Leben hätte kosten können, soll man am Samstag gemeinsam ohne BH gehen (…) Ich verstehe einfach nicht, wie die Leute auf die Idee kommen sind...“ Einige Internetnutzer wollten das nicht so stehen lassen und taten ihren Unmut über die Botschaft des italienischen Innenministers kund. 

    Nachdem die SeaWatch-Kapitänin vom italienischen Gericht freigesprochen worden war, hatte Rackete ihre Besatzung verlassen und war nach Deutschland zurückgekehrt. Seitdem sprach sie sich in mehreren Interviews für die Aufnahme aller libyschen Flüchtlinge aus. Am 3. Oktober soll sie laut einer Mitteilung der Linksfraktion vom Mittwoch vor dem Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres im EU-Parlament über die Seenotrettung im Mittelmeer berichten.

    lk/ae

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    Tags:
    Flüchtlinge, Matteo Salvini, Sea Watch, Carola Rackete