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18:48 15 Oktober 2019
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    Der Ex-Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann (Archivbild)

    „Es gibt eine mediale Arroganz“: Ex-Bild-Chef Kai Diekmann beklagt „Meinungs-Einheitsbrei“

    © AP Photo / Michael Sohn
    Gesellschaft
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    Der Ex-Chefredakteur der Bild-Zeitung Kai Diekmann hat in einem Interview für die „Märkische Allgemeine“ Kritik am heutigen Journalismus in Deutschland geübt. Diekmann beklagte einen „Meinungs-Einheitsbrei“ und die Tatsache, dass viele Reporter die Geschichten, an denen sie arbeiten, an ihre eigenen Meinungen anzupassen versuchen.

    „Es gibt manchmal einen Meinungs-Einheitsbrei in den deutschen Medien, der ist nur schwer zu ertragen. Und immer, wenn wir uns dessen überführt fühlen, geißeln wir uns – um danach genauso weiterzumachen“, so Diekmann bei dem Gespräch in Potsdam.

    Als Beispiel nannte der 55-Jährige den Umgang der deutschen Journalisten mit dem US-Präsidenten Donald Trump: „Ich bin kein Trump-Fan, aber dass es den deutschen Medien so schwer fällt, ihn einfach nüchtern zu betrachten, verstehe ich nicht.“

    „Erst haben wir nicht geglaubt, dass er Kandidat wird. Dann nicht, dass er Präsident wird. Und dann dachten wir, dass er ganz schnell scheitert“, so Diekmann weiter.

    Weil sich die meisten Journalisten von Anfang an ihre „ganz klare Meinung zu Trump gebildet“ hätten und da „Trump-Bashing“ so gut ankomme und einfach sei, kämen die Reporter gar nicht mehr dazu, den Grund seines Wahlerfolges zu verstehen.

    „Und das ist gefährlich“, warnt der Ex-Bild-Chef. Das Schlimme an den Populisten sei, dass sie die richtigen Fragen stellten, mit denen „wir uns nicht mehr beschäftigen, weil sie in unserem Alltag nicht vorkommen“. Und da hätten sich die Journalisten von ihren Lesern zu weit entfernt.

    „Es gibt einfach eine mediale Arroganz. Nehmen Sie den Fall Relotius.“ Er sei fassungslos gewesen, als er den Abschlussbericht über die Affäre gelesen habe.

    „Bevor ein Reporter beim „Spiegel“ zu einer Geschichte losgeschickt wird, gibt es ein richtiges Drehbuch, wie die Geschichte auszusehen hat. Übrigens etwas, was uns immer bei Bild unterstellt wurde. Gemacht hat es aber der ,Spiegel‘ – systematisch und mit Ansage.“

    Diekmann zeigte sich in dem Interview auch selbstkritisch über die Entscheidungen während seiner Zeit als „Bild“-Chefredakteur (2001-2015). „Unsere Beurteilung beispielsweise der Agenda 2010 damals war falsch“, sagte Diekmann.

    „Wir haben nicht gesehen, welchen Wert diese Reform für Deutschland hat. Da haben wir draufgehauen.“ Die Agenda 2010 habe Deutschland am Ende durch die Wirtschaftskrise geführt und trage bis heute zum wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes bei. „Mit Sicherheit gibt es auch Schlagzeilen, die ich heute anders einschätze.“

    ta/ae

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