02:36 21 November 2019
SNA Radio
    Museum Karlshorst - die heutige Zeit

    „Geheimes Karlshorst”: Spaziergang durch ehemals sowjetisches Sperrgebiet in Berlin

    © Sputnik / Lisa Meyer
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    2802
    Abonnieren

    Sowjetische Kasernen wurden zu Wohnhäusern und ein Offizierskasino zu einem Museum. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil Karlshorsts sowjetisches Sperrgebiet. Viele Einflüsse aus jener Zeit sind heute noch zu sehen. Sputnik durfte beim Kiezspaziergang „Geheimes Karlshorst“ dabei sein und dem Deutsch-Russischen Museum zuhören.

    Jeden letzten Sonntag des Monats findet im Berliner Stadtteil Karlshorst ein sogenannter „Kiezspaziergang“ statt. Das Deutsch-Russische Museum Karlshorst organisiert die Tour „Geheimes Karlshorst“, in der es sowjetische Einflüsse im Kiez in verschiedenen Stationen erklärt. Die Führung fängt beim Museum selbst an und dauert etwa zwei Stunden. Sputnik war bei der Führung Ende Juli hautnah mit dabei.

    Museum Karlshorst von 1945
    © Sputnik / Sergej Schimanskij
    Museum Karlshorst von 1945

    Die meisten Informationen kommen von mündlichen Quellen, Zeitzeugen oder aus Akten der deutschen Staatssicherheit. Auf sowjetische Akten habe das Museum keinen Zugriff, erklärte die Tourleiterin.

    Sowjetisches Sperrgebiet

    1945 wurde Karlshorst zum sowjetischen Sperrgebiet. Kampflos wurde das Gebiet an die Sowjets übergeben, weshalb viele Gebäude immer noch stehen. Eines davon ist das Museum Karlshorst selbst, welches als Offizierskasino genutzt wurde. Nach Einzug der sowjetischen Truppen galt es als Sitz der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland). Doch das Gebäude wurde schon 1967 als Museum eingesetzt, in dem Uniformen, Waffen und weitere Kriegsgegenstände ausgestellt wurden.

    Es wurde „von Soldaten für Soldaten“  gemacht, wie auf dem Kiezspaziergang gesagt wurde. Bis 1994 war es noch unter dem Namen „Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg“ bekannt. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Karlshorst besteht es bis heute als Deutsch-Russisches Museum.

    Die Grundstücksmauer des heutigen Museums markierte früher den Beginn des Sperrgebiets, sie wurde in den 50er Jahren erbaut. Einer von drei Zugängen befand sich unmittelbar beim Museum. Die SMAD hatte die Gebäude darin anschließend als Kasernen genutzt. Ab den 60er Jahren zogen auch die russischen Geheimdienste der zivilen (KGB) und militärischen Überwachung (GRU) ein. Als Maßnahme der Abschirmung von Informationen voneinander wurde eine hohe Mauer zwischen den Gebäuden der jeweiligen Geheimdienste gebaut. Heute steht diese Mauer nicht mehr.

    Abgesehen von zusätzlichen Balkons und einer Änderung der Fassade – die farblich von grau zu grün wechselte – befinden sich die Gebäude bis heute im originalen Zustand. Einzig ihre Funktion variiert: Wo früher Kasernen standen, befinden sich jetzt Mietwohnungen.

    Die Pionierschule

    Eine weitere interessante Station auf der Führung war die ehemalige Pionierschule, die in den 1930er Jahren erbaut wurde. Auf dem Areal befanden sich der Tourleiterin zufolge ein Sportplatz, eine Schwimmhalle und sogar ein Kino. Erste Schulungen fanden von 1937 bis 1945 statt. Im März 1945 wurde die Schule nach Bayern verlegt, weshalb es beim Einzug der Sowjets zu einer kampflosen Kapitulation kam. Auch hier nutzten die SMAD und anschließend die Geheimdienste das Areal. Genau wie die einzelnen Kasernen, entstand aus dem Gebäude ein Wohnhaus mit grüner Fassade.

    Der Bunker

    Als nächstes kommen die Besucherinnen und Besucher beim Kiezspaziergang einem Bunker entgegen. „Ein M500 ist ein Hochbunker, der Schutz für 500 Personen, etwa ältere Menschen, Frauen und Kinder bietet“, so die Leiterin des Kiezspaziergangs. Dieser sei nicht der einzige seiner Art: Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurden mehrere Hochbunker gebaut, denn diese seien günstiger und ähnlich sicher wie ihr Äquivalent – der Tiefbunker – gewesen. Da der Bunker ebenfalls zum Sperrgebiert gehöre, nutzten die sowjetischen Truppen diesen als Lagerraum für Waffen, Uniformen etc. Heutzutage ist er denkmalgeschützt und gelegentlich finden auch Führungen statt, bei denen die Zuschauer den Bunker von innen betrachten können.

    Das St. Antonius-Krankenhaus

    Das ehemalige St. Antonius-Krankenhaus galt bei seiner Eröffnung 1930 als eines der modernsten medizinischen Einrichtungen, die es zur damaligen Zeit gab. „Dieses wurde bei der Einnahme der Russen komplett geräumt“, sagte die Tourleiterin. Es gebe zwar keine konkreten Belege oder historischen Quellen dafür, doch es wurde mutmaßlich als Gefängnis genutzt. Jetzt gehört das Gebiet des ehemaligen Krankenhauses der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin.

    „Geheimes Karlshorst“

    Über einige weitere Stationen gelangt der Teilnehmer des Spaziergangs schließlich wieder vor den Eingang des Museums. Eine gewisse Empörung in der Gruppe herrschte über einige Gebäude, die momentan leer stehen und zerfallen, da kein Besitzer zuzuordnen ist. Da könne man nichts tun, solange sie nicht völlig zerfallen sind, meinte einer der Zuhörer der Tour. Die Führung selbst wurde gut aufgenommen und trotz der Hitze fanden sich viele Leute in Karlshorst zusammen, um mehr über die Vergangenheit des Berliner Kiezes zu erfahren.

    Informationen dazu gibt es auch auf der offiziellen Website des Museums Karlshorst.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Geschichte, Berlin-Karlshorst, Deutschland