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01:04 21 August 2019
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    Roboter Pepper (Archiv)

    Nieder mit dem Roboter-Rassismus! Schockierende Studie öffnet Menschheit die Augen

    © AFP 2019 / DAMIEN MEYER
    Gesellschaft
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    Wladimir W. Wahnowitz
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    Nicht alles ist nur harmloser Helfer, was vollautomatisch im Alltag Befehle entgegennimmt oder auch mal ein maschinelles Gespräch mit dem menschlichen Herrchen führt. Die meisten Roboter sind in Wirklichkeit nämlich übelste Rassisten. Also, die, die sie bauen. Also, die, die sie kaufen. Also, die ganze Menschheit. Und ich erkläre, warum.

    Sehen Sie diesen Roboter? Schauen Sie ihn genau an. Blicken Sie ihm tief in seine LED-Augen. Prägen Sie sich diese glatten Metallkonturen gut ein.

    Roboter Pepper
    © AFP 2019 / GABRIEL BOUYS
    Roboter Pepper

    Haben Sie es getan? Was haben Sie gefühlt? Fanden Sie ihn süß?

    Dann sind Sie ein sch*** Rassist!

    Denn dieser Roboter ist die Verkörperung des Bösen. Und das sage nicht ich als miesepetriges A****loch, sondern das sagt die Wissenschaft höchstpersönlich. Dieser Roboter ist nämlich die Ursache für alle Kriege da draußen, für gesellschaftliche Spannungen und Spaltungen, für Diskriminierung und auch für ein bisschen CO2. Dieser Roboter ist, verzeihen Sie mir das Wort: unverschämt weiß.

    Das hat der Roboter-Experte Christoph Bartneck in einer Studie herausgefunden, die ein Jahr unbeachtet blieb und schließlich verdientermaßen mitten in die CNN-Sommer-Berichterstattung einschlug.

    Sie kennen den Roboter-Rassismus-Experten Bartneck vielleicht schon von seinen früheren sensationellen wissenschaftlichen Arbeiten über Lego: Er hat etliche hochwissenschaftliche Kataloge zu verschiedenen Lego-Kollektionen herausgegeben (darunter auch die Star-Wars-Edition!), aber wollte immer wissen, was das Spielzeug „im Innersten zusammenhält“. 2013 wurde seine Fragestellung darum ausgebaut und es ging um die Frage, was wir von Lego lernen können. 2015 stand schon die Frage im Raum, welche psychologischen Regungen Lego beim Menschen auslöst und 2016 kam die schockierende Frage in Form eines weiteren Aufsatzes auf: „Ist Lego aggressiver geworden?“

    Man sieht eine konsequente Entfaltung des wissenschaftlichen Denkens. Und dann 2018 der Durchbruch in der verspielten Wissenschaftlerkarriere: Bartneck scheint sich plötzlich nicht mehr mit den kleinen Plastikfiguren begnügen zu wollen und geht in einer neuen Studie kurzerhand die Robotik an – mit einem schwerwiegenden Urteil: Roboter sind Rassisten. Also nicht die Roboter natürlich, sondern die Menschen, die die Roboter bauen und kaufen. Denn die Mehrzahl der Roboter ist weiß.

    Nun könnte man ja denken: Die Roboter erledigen Dinge, auf die der immer fauler werdende Mensch keine Lust hat. Zum Glück sind deshalb nicht überdurchschnittlich viele Roboter schwarz, sonst gäbe es ja einen Aufschrei. Aber wer diese Denke an den Tag legt, der hat die wissenschaftliche Methodik wahrer Forschung noch nicht verstanden.

    Denn Menschen neigen dazu, weiße Roboter seltener als schwarze zu erschießen. Jawohl, das wurde getestet und ist bewiesen. Es gibt nämlich einen Test, der unbewusste Vorurteile gegenüber verschiedenfarbigen Personen testen soll. Für Sekundenbruchteile werden Bilder schwarzer und weißer Personen – mal bewaffnet, mal unbewaffnet – präsentiert. Die Testpersonen sollen nur auf die Bewaffneten schießen, treffen dabei aber öfters unbewaffnete Schwarze als unbewaffnete Weiße.

    Ob solche Blitzreaktionen mit statistischem Streufeuer auch gleichzusetzen sind mit wirklichem Rassismus, der für gewöhnlich bewusst mit menschenverachtenden Überzeugungen zu glänzen sucht, ist bislang in der Forschungsdebatte zwar umstritten – selbst die Autoren des Tests haben da nach einer Phase der Euphorie den Geltungsbereich ihres Instruments eingeschränkt. Aber Schwamm drüber – das ist nicht mehr Gegenstand wahrer Wissenschaft – zumindest für das CNN und auch nicht für Bartneck, der über die Anerkennung seiner Arbeit hocherfreut ist. So erfreut, dass er große Pläne für die Roboterwelt entwirft: Schließlich sind Roboter Repräsentationen der Menschen und im Sinne der Demokratie sollten sie die Diversität der Gesellschaft abbilden, findet er.

    Bedenken Sie das also alles bitte vorher, bevor Sie sich eine widerliche Roboterfratze von obiger Machart süß zu finden erdreisten. Und sorgen bitte auch Sie in Ihrem Umfeld für mehr Robotergerechtigkeit: Bauen Sie Regenbogenroboter, Transgenderroboter mit männlichem Metallbau und Frauenstimme und umgekehrt, Rollstuhl-Roboter mit Mobilitätseinschränkungen und Roboter mit Fehlfunktionen in der Software zum Zwecke der Inklusion.

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    Tags:
    Satire, Lego, Rassismus, Roboter