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05:54 22 September 2019
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    Ein Kleinkind beim Unterricht in der Grundschule (Symbolbild)

    Wer kaum Deutsch spricht, hat auf Grundschule nichts zu suchen? - Empörung über CDU

    CC0 / NeiFo / Pixabay
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    Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag hat für eine massive Protestwelle gesorgt. Laut dem CDU-Politiker sollten Kinder, die kaum die deutsche Sprache sprechen, keine Grundschule hierzulande besuchen dürfen. Diese Aussage ist vor allem in sozialen Medien auf Empörung und massive Kritik gestoßen. Doch es gibt auch Lob ...

    Ginge es nach Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann, sollten Kinder, die kein Deutsch sprechen, nicht zur Grundschule zugelassen werden. Der CDU-Politiker und Bundestagsabgeordnete hatte in der „Rheinischen Post“ in einem Gespräch über so genannte „neue Parallelgesellschaften“ gesagt:

    „Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen.“

    Weiter erklärte Linnemann, dass stattdessen eine Vorschulpflicht greifen müsse und notfalls die Einschulung zurückgestellt würde. Das koste zwar Geld, aber fehlende Integration und unzureichende Bildung seien laut dem Wirtschaftsfachmann am Ende deutlich teurer.

    ​Als Konsequenz gerät Linnemann nun in den Fokus massiver Kritik. So warf Linkenchefin Katja Kipping dem CDU-ler „Stimmenfang im rechten Sumpf“ vor. Doch auch aus den eigenen Reihen gerät Linnemann unter Beschuss. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und CDU-Politikerin, Annette Widmann-Mauz, sagte der „Rheinischen Post“:

    „An der Schulpflicht gibt es nichts zu rütteln. Nötig ist eine gezielte Sprachförderung von Anfang an. Dazu gehören verpflichtende Sprachtests und Förderprogramme, die möglichst früh ansetzen.“

    Auch die Eltern müssten stärker in die Pflicht genommen werden. Denn Bildung sei laut Widmann-Mauz entscheidend für die Integration und Zukunftschancen aller Kinder.

    ​Ähnlich äußert sich der Koalitionspartner: Die SPD-Bildungspolitikerin Marja-Liisa Völlers erklärte, die Aussagen Linnemanns seien  „wirklich zum Fremdschämen und populistisches Getöse wie in Wahlkampfzeiten“. Man könne Kinder nicht von der Grundschule ausschließen, nur weil sie schlecht Deutsch sprächen:

    „Die Kinder sind genau richtig da, wo sie sind. Ein besseres Lernumfeld für alle Kinder als Schulunterricht mit Gleichaltrigen gibt es doch gar nicht.“

    Ein Ausschluss von Kindern mit einem schlechten deutschen Wortschatz schaffe laut Völlers stattdessen Parallelgesellschaften und langfristige Integrationsprobleme, anstatt sie zu lösen.

    ​Besonders emotional äußerte sich zu dem Thema die Präsidentin des baden-württembergischen Landtags, Muhterem Aras. Die Grünen-Politikerin kommentierte die Aussagen Linnemanns auf Twitter:

    „Ich sprach kein Deutsch, als ich als 12-Jährige in die Hauptschule kam. Als meine Nebensitzerin in der 1. Stunde sah, dass ich die Matheaufgabe gelöst hatte, durfte ich sie an der Tafel vorrechnen.“

    Später dann habe sie ein Steuerbüro aufgebaut und sei schließlich Präsidentin des Landtages in Baden-Württemberg geworden.

    ​Doch ganz vereinzelt gibt es auch Lob für Linnemann: Einige Twitter-Nutzer finden es gut, dass der CDU-Politiker eine wichtige Debatte über die Schulpflicht eröffnet habe. Eine reflexartige Abwehrhaltung sei dagegen falsch. So kommentierte der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Hauer online:

    „Carsten Linnemann hat eine wichtige Debatte angestoßen. Dieses Thema muss einfach stärker fokussiert werden. Was ihm hier auf Twitter teilweise in den Mund gelegt wird, hat er weder gesagt noch gemeint!“

    Hauer erklärt weiter, dass wenn ein Kind – mit oder ohne Migrationshintergrund – zur Einschulung die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrsche, die Politik alles dafür tun sollte, damit sich dies schleunigst ändere.

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    Tags:
    Skandal, Deutschland, Bundestag, Sprachkenntnisse, Deutsch, Grundschule, CDU