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04:37 23 Oktober 2019
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    Plakate gegen die weibliche Genitalverstümmelung in Nairobi (Archivbild)

    „Terre des Femmes“ warnt vor weiblicher Genitalverstümmelung - 15.000 Mädchen in Deutschland bedroht

    © AFP 2019 / SIMON MAINA
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    Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ warnt in der Urlaubssaison vor „Ferienbeschneidungen“. Die Sommerferien seien eine Hochrisikozeit für in Deutschland lebende, von weiblicher Genitalverstümmelung bedrohte Mädchen. Viele würden mit der Familie in ihr Herkunftsland fahren, wo die in Deutschland illegale Praxis durchgeführt werde.

    Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation – FGM) stelle eine schwere Menschenrechtsverletzung dar, bei der Teile des weiblichen Genitals abgeschnitten und verletzt werden, ist auf der Internetseite der Organisation nachzulesen. FGM stelle einen Verstoß gegen das Recht auf körperliche und psychische Unversehrtheit dar und bedeute für die Betroffenen oft lebenslange Schmerzen. Weil die Beschneidungen meistens an Mädchen zwischen vier und zwölf Jahren vorgenommen werden, verstießen sie zudem gegen die Kinderrechte gemäß der Kinderrechtskonvention und würden somit als Kindesmisshandlung gelten.

    Aktuellen Angaben von Unicef zufolge seien weltweit mehr als 200 Millionen Frauen von FGM betroffen, es sei bei der hohen Dunkelziffer jedoch davon auszugehen, dass es vermutlich doppelt so viele seien. Trotz der internationalen Bemühungen gegen die Praxis würden noch immer jedes Jahr etwa 3 Millionen Mädchen an ihren Genitalien verstümmelt werden.  Am weitesten verbreitet ist die weibliche Genitalverstümmelung im Subsahara-Raum, wo sie in 28 Ländern praktiziert wird. Im Nahen Osten und in Südostasien findet die grausame Beschneidungspraxis ebenfalls Anwendung.

    Eine EU-Studie von 2018 verdeutlicht, wie gefährlich eine solche „Operation“ für die Mädchen ist:

    „Als Werkzeuge für FGM fungieren (Spezial)messer, Rasierklingen, Scheren, Glasscherben oder auch Fingernägel. Diese verursachen über das beabsichtigte Entfernen von Teilen der äußeren Genitalien weitere Verletzungen, z.B. der Harnröhre oder der Beine der betroffenen Mädchen. Oft werden mehrere Mädchen mit demselben Instrument verstümmelt. Um die Wunde zu schließen, werden Akaziendornen, Bindfaden, Schafdarm, Pferdehaar oder Eisenringe verwendet.“

    Ausgeführt würden die Eingriffe meist von älteren Frauen, die in der Regel über keine anatomischen Kenntnisse verfügen und oft wegen nachlassender Sehkraft und schwindenden motorischen Fähigkeiten den Eingriff nicht in der beabsichtigten Weise durchführen würden.  Die Genitalverstümmelungen würden meist unter unhygienischen Bedingungen im Freien, im Haus der Familie des Mädchens oder im Haus der Beschneiderin stattfinden, der enorm schmerzhafte Eingriff geschehe in der Regel ohne Betäubung.

    „Auch in Deutschland sind Mädchen dem Risiko ausgesetzt, heimlich hierzulande oder im Ausland an ihren Genitalien verstümmelt zu werden“, heißt es auf der Internetseite von „Terre des Femmes“. Schätzungen zufolge sind 15.000 Mädchen davon bedroht.

    Infolge von Zuwanderung aus Gebieten, wo FGM praktiziert werde, trete die Praxis auch vermehrt in europäischen Ländern auf, heißt es in der EU-Studie.

    „Auch wenn nur in wenigen Staaten Spezialgesetze bestehen, die FGM explizit unter Strafe stellen (Belgien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden und Spanien), fällt FGM in allen übrigen EU-Staaten unter den Tatbestand der Körperverletzung und ist strafrechtlich zu ahnden. Bei einer Verurteilung drohen Geldstrafen und zum Teil langjähriger Freiheitsentzug. Es ist daher davon auszugehen, dass Familien ihre Töchter in den Ferien zur FGM in ihre Heimatländer bringen und die Genitalverstümmelung dort durchführen lassen.“

    Manche Familien lassen Beschneidungen auch in Europa vornehmen, da dies jedoch im Geheimen passiere und es bisher Strafprozesse im Zusammenhang mit FGM nur in Frankreich, Italien und Spanien gegeben habe, gebe es kaum zuverlässige Informationen über die Täter. 1999 habe es in Berlin Ermittlungen gegen einen ägyptischen Gynäkologen gegeben, erinnern die Autorinnen der Studie. Dieser habe FGM für umgerechnet 610 Euro angeboten, wie „Report Mainz“ mit einem als interessierter Vater getarnten Lockvogel und versteckter Kamera damals herausgefunden habe. Nach Ausstrahlung der Sendung sei ein Ermittlungsverfahren gegen den Arzt eingeleitet, aber mangels Beweisen wieder eingestellt worden.

    2005 führten Unicef, Terre des Femmes und der Berufsverband der Frauenärzte eine Umfrage unter Gynäkologen in Deutschland durch. Diese ergab, dass von den 493 Frauenärzten und Frauenärztinnen 43 Prozent bereits eine von Genitalverstümmelung betroffene Frau in Behandlung hatten.

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    Tags:
    Beschneidung, Gefahr, Deutschland, Islam, Tradition, Kinder, Frauen