16:34 17 Februar 2020
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    Der seit 2015 im Berliner Exil lebende chinesische Künstler Ai Weiwei hat am Freitag scharfe Kritik an der Bundesrepublik geübt, meldet das Portal des Nachrichtensenders ntv.

    In einem Zeitungsinterview mit der Tageszeitung „Die Welt“ hat Ai Weiwei seinem Exilland unter anderem mangelnden Respekt vor abweichenden Stimmen vorgeworfen.

    2015 war Ai in seinem Heimatland China mehrfach inhaftiert und wegen angeblicher Steuervergehen juristisch verfolgt worden; er fand im gleichen Jahr Zuflucht in Berlin. Doch auch dort fühlt sich der Künstler unfrei und plant nun, die Bundeshauptstadt zu verlassen.

    Ais Kritik richtet sich gegen die deutsche Politik, Kultur und die Gesellschaft, die seiner Ansicht nach viel zu verschlossen ist:

    „Es ist eine Gesellschaft, die offen sein möchte, aber vor allem sich selbst beschützt. Die deutsche Kultur ist so stark, sodass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert. Es gibt kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen.“

    Als Beispiel für seine Behauptung führte Ai an, wiederholt aus einem Taxis verwiesen worden zu sein: „Dreimal ist es mir passiert, dass ich in ein Taxi stieg und der Fahrer, als er mich sah, einfach nur gesagt hat: ‚Raus'.“

    Ein anderes Mal, weil er wegen starken Parfümgeruchs das Fenster geöffnet habe. Die Antidiskriminierungsstelle, der Ai den Fall gemeldet hätte, habe keine Diskriminierung feststellen können. Den Vorgang soll sie mit „kulturellen Unterschieden“ begründet haben.

    Zudem kritisierte Ai die deutsche Politik und Kulturinstitutionen wie die Berlinale, die aufgrund wirtschaftlicher Interessen Menschenrechtsverletzungen in China nicht anprangern würden.

    Mit der Familie habe er in Berlin sehr gern gelebt. Dort trat der chinesische Konzeptkünstler und Bildhauer auch eine Gastprofessur an der Universität der Künste an. Trotzdem kehrt er Deutschland den Rücken: „Dieses Land braucht mich nicht, weil es so selbstzentriert ist.“

    Wann er Berlin verlassen und wohin er gehen wird, hat Ai nicht gesagt: „Ich weiß nicht, wo ich leben werde. Ich besitze keine Heimat, weil China mich zurückgewiesen hat, seit ich geboren wurde. Wer sein Ziel kennt, ist kein Flüchtling mehr. Ich bin ein Flüchtling.“

    awm/sb

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    Tags:
    Künstler, China, Deutschland