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    1000 Plakate für Frieden mit Russland – Aktion zum 9. Mai 2020 sucht Spender

    1000 Plakate für Frieden mit Russland – Aktion zum 9. Mai 2020 sucht Spender

    © Sputnik / Tilo Gräser
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    Ein toter deutscher Soldat im Mai 1945 vor dem Brandenburger Tor – dieses Motiv zeigt seit Jahren ein Plakat, das nicht nur in der deutschen Hauptstadt zu sehen ist. Es fordert „Nie wieder Krieg“ und „Frieden mit Russland“. Das Plakat stammt von Heinrich Bücker, der es im nächsten Jahr wieder verbreiten will.

    Heinrich Bücker ist Friedensaktivist, lebt in Berlin und betreibt das Coop Antikriegs-Café in der deutschen Hauptstadt. Er plant eine Plakataktion aus Anlass des 75. Jahrestages des Sieges über Faschismus am 9. Mai 2020. Sputnik hat bei ihm nachgefragt.

    Sie planen im nächsten Jahr eine Plakataktion „Frieden mit Russland“. Warum?

    Weil ich mich seit 2014, seit der Ukraine-Krise mit dem Thema ganz intensiv beschäftigt habe. Ich habe damals angefangen, mit demselben Plakat zu arbeiten und habe das sehr viel in Berlin plakatiert. Erst in einer kleineren Version, A2. Ich bin jetzt auf die Idee gekommen, zum Jahrestag am 9. Mai 2020, das wieder aufzunehmen und zu versuchen, Leute einzubinden, Spenden zu gewinnen, um das breiter aufzustellen.

    Können Sie für jene, die das Plakat noch nicht kennen bzw. gesehen haben, das Motiv beschreiben?

    Das Motiv ist ein deutscher Soldat, der tot vor dem Brandenburger Tor liegt. Die Aufnahme ist im Internet zu finden. Es ist nicht ganz klar, ob es eine Aufnahme aus einem Film oder tatsächlich ein Originalbild ist. Es ist aber seine sehr hochauflösende Aufnahme. Oben auf dem Plakat ist zu lesen: „Nieder Krieg! Frieden mit Russland“. Darunter, unter dem Foto steht „Antikriegsnachrichten.de“. Das ist eine Webseite, die ich 2014 aufgestellt habe, zusammen mit ein paar Freunden. Dazu die Hinweise auf verschiedene deutschsprachige und internationale Webseiten und Nachrichtenportale.
    Es geht darum zu sagen, sich über den Horizont der Leit-Medien hinaus weiter und breiter zu informieren. Es geht nicht darum, die bürgerlichen Medien zu dämonisieren, sondern einfach zu sagen, dass in diesen Konfliktsituationen die Wahrheit das erste Opfer ist und dass man sich freier, breiter und unabhängiger informieren sollte.

    Wo sind die Plakate überall zu sehen, nur in Berlin?

    Ich habe ungefähr 10.000 von diesen Plakaten geklebt. Ich habe sehr viele verteilt und kostenlos abgegeben, teilweise nach Westdeutschland und in andere Städte. Es gibt mehrere Größenvarianten, die auch bei Demonstrationen eingesetzt werden können. Es gibt einige Leute, die das dupliziert haben und selbst einsetzen. Im Augenblick wird es in Berlin nicht plakatiert.

    Das soll aber nächstes Jahr zum 75. Jahrestag des Sieges über den Faschismus wieder passieren. Wie viele Plakate? Wie wird das finanziert?

    Das ist ein neues Projekt, was ich jetzt angestoßen habe. Ich hatte 2015 eine Schwarm-Finanzierung laufen lassen. Das ist leider nicht so ganz gelungen. Da sind nicht so viele Spenden zusammengekommen. Das will ich jetzt wiederholen für etwa 1.000 Plakate in Berlin für zwei Wochen. Das wird auf sogenannten Kultur-Werbeflächen von einer Agentur professionell geklebt. Die Plakate bleiben dort auch hängen. Das kostet ungefähr 5.000 Euro. Davon habe ich einen kleinen Teil gespendet. Online und hier im Café sind bisher Spenden in Höhe von 2.700 Euro zusammengekommen. Das heißt: Die Hälfte ist finanziert, das Projekt läuft auf jeden Fall.

    Heinrich Bücker
    © Sputnik / Tilo Gräser
    Heinrich Bücker

    Über die zwei Wochen hinaus würde das Projekt nach vorn und hinten zeitlich ergänzt werden oder auf andere Formate ausgedehnt. Das wird auf jeden Fall ein bisschen größer dieses Mal, weil es eben der 75. Jahrestag ist. Der Sinn ist es, dass sich Leute in dieser Werbung wiedersehen, dass man aktiv auf der Straße sein kann, auch über Leserbriefe oder Blogeinträge, und auf alternative Medien-Plattformen hinzuweisen.

    Wie ist es für Interessierte möglich, die Plakataktion im nächsten Jahr zu unterstützen?

    Die Spenden werden jetzt noch nicht eingesammelt, sondern ich bitte darum, eine E-Mail zu schicken oder hier anzurufen und das verbindlich zuzusagen. Ich trete erstmal gegenüber der Firma für die Rechnung ein. Die Beträge werden alle Eins zu Eins für dieses Projekt eingesetzt. Es geht nicht darum, jetzt vorab Spenden einzutreiben, sondern einfach darum, sie zuzusagen. Die Leute, die das machen, werden sicher einhundertprozentig daran teilnehmen. Wenn die Rechnung gestellt wird, melde ich mich dann.

    Wie kommt ein Mensch wie Sie, der aus den westdeutschen Bundesländern stammt, dazu, sich für Frieden mit Russland einzusetzen? Das ist ja nicht so gängig und wird eher den Ostdeutschen nachgesagt.

    Das hat zum Teil mit meiner Biographie, mit der Geschichte meiner Eltern zu tun. Meine Mutter war zum Beispiel in Thüringen, wo zuerst die US-Amerikaner waren, und ist dann geblieben, als die Russen kamen. Sie hat darüber eigentlich eher negativ berichtet. Mein Vater war immer sehr angstvoll vor Russland. Mein Onkel ist aus dem sogenannten Gulag zurückgekommen, mit einem Attest einer russischen Ärztin. Er wurde ganz früh zurückgeschickt, weil sie ihm bescheinigt hat, er würde sonst sterben.

    Es ist dann so entstanden, dass ich mich gefragt habe: Was ist hier wirklich los? Ich habe recherchiert und dann die für mich fundamentale Erfahrung gemacht, dass plötzlich 2013 die Proteste auf dem Maidan in Kiew anfingen und in diesem Rechtsputsch endeten. Plötzlich waren alle Medien Feuer und Flamme für diese Leute dort. Da bin ich dann zu dem Thema aktiv geworden und habe gesagt: Wir müssen hier was machen, jeder so viel wie er kann. Seitdem bin ich auch immer beim Gedenkfest am 9. Mai gewesen. Dort haben wir 2015 auch einen großen Stand mit den Plakaten gehabt und haben ein großes Feedback bekommen. Viele Leute fanden das gut. Und daraus ist dann die Idee entstanden, das jetzt nochmal zu wiederholen. Weil gegenwärtig die Geschichtsschreibung umgeschrieben wird, wonach die USA der wesentliche Teil der Alliierten war, der zum Sieg über den Faschismus beigetragen hat. Die Russen werden inzwischen in der offiziellen Geschichtsschreibung fast als Täter-Volk dargestellt.

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, Berlin, Brandenburger Tor, Deutschland, Russland, Friedensbewegung