04:55 22 Februar 2020
SNA Radio
    Gesellschaft

    Pressefest in der deutschen Botschaft Moskau: Mauerfall als Erlösung

    Zum Kurzlink
    Von
    DDR 1989 – Erst Feier zum 40. Jahrestag, dann "Mauerfall" und Untergang (100)
    251591
    Abonnieren
    © Sputnik / Jurij Somow

    Mit Bier, Würstchen und anderen deutschen Spezialitäten verlief das traditionelle Pressefest in der deutschen Botschaft in Moskau, das in diesem Jahr dem 30. Jahrestag des Mauerfalls gewidmet wurde. Der bekannte russische Graffiti-Künstler Mednoj reproduzierte eines der aussagenkräftigsten Bilder der East Side Gallery „Test the Best“.

    Jens Beiküfner, Leiter des Presse-Referats, erläuterte: „Das Bild zeigt einen Trabant, wie man so schön sagt im DDR-Jargon, in Papyrusweiß oder Champagnerbeige, ein Symbol des Ostens: eckig, kantig, eng, stinkend und laut, aber immerhin eine gewisse Geborgenheit bietend. Obwohl er aus Plastik bestand und technisch zurückgeblieben war, mit wenig Fahrkomfort und Sicherheit, durchbrach er die Mauer in die Freiheit, und dabei wurde er wundersamerweise nicht beschädigt. Eine Metapher natürlich für den politischen Umbruch in der DDR ohne Gewalt.“

    Für Gregor Gysi, Präsident der Europäischen Linken, – im Sputnik-Gespräch sagte er, er sei im Herbst 1989 ein kleiner Berliner Advokat gewesen – „war der entscheidende Faktor die Sowjetunion. Nach dem Gespräch mit Michail Gorbatschow am 1. Februar 1990 merkte ich, dass er das aufgab. Dann war auch mir klar, es kommt zur Einheit, und dann ging es um die Frage, wie wir zur Einheit kommen.“

    Wie schätzt Gregor Gysi das Ergebnis heute ein? „Unterschiedlich“, antwortete er. „Natürlich haben die Bürgerinnen und Bürger der DDR an Freiheit, an Demokratie gewonnen. Sie haben eine frei konvertierbare Währung, mit der sie weltweit bezahlen können. Das ging ja mit der DDR-Mark nie. Sie haben ein viel besseres Waren- und Dienstleistungsangebot. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite gab es in der DDR mehr Solidarität und mehr soziale Sicherheit. Und das ist abgebaut worden. Und insofern gibt es eben teils Zufriedenheit, teils Unzufriedenheit.“

    Martina Wiedemann, Unternehmerin und Journalistin, erinnert sich, wie die Mauer gebaut wurde. Sie war damals als kleines Kind im Erzgebirgsvorland zu Hause. „Meine Eltern hatten einen Ferienplatz bei Berlin, und wir haben in Westberlin die Menschen besucht, die mit meiner Mutter zusammen aus Schlesien geflüchtet waren. Da habe ich den ganzen Kühlschrank Coca-Colaleergetrunken.“

    In der S-Bahn wurde ihr gesagt: Mund halten, nicht Sächsisch reden, hier sind strenge Kontrollen. „Das warder 13. August. Wir sind nach Hause gefahren in der Tagesmitte, und dann war Schluss.“ Auch später, als sie erwachsen war, durfte sie nicht nach Westberlin. „Mein damaliger Mann hatte auch Verwandte in Westberlin, und weil er Offizier war, durften wir keinerlei Kontakt haben. Deshalb war der Mauerfall für mich eine große Erlösung.“

    Er hat ihr Leben aber durcheinandergewürfelt. „Zuerst war Vieles vorausgeplant. Ich sollte habilitieren, an der Filmhochschule lehren. Die wurde dann von den anderen Filmhochschulen aus Westdeutschland abgewickelt. Ich musste völlig von vorne anfangen, ganz neu denken.“

    Tina Reichel, Künstlerin aus Erfurt: „Berlin macht für mich wirklich einen großen Teil meiner Malerei aus, weil ich diese Motive einfach sehr mag. Sie sind für mich immer positiv. Das heutige Leben in Berlin bringt auch die Geschichte wieder. Von daher ist das doch sehr spannend, was man dort alles sieht, was wir auch wieder neu restaurieren, was wieder neue Perspektive für meine Malerei ist.“

    Kamera: Nikita Gogolev

    Themen:
    DDR 1989 – Erst Feier zum 40. Jahrestag, dann "Mauerfall" und Untergang (100)

    Zum Thema:

    „Armselige Kreatur“ – Entrüstung über Hans-Georg Maaßens Äußerungen zu Hanau
    „Merkel muss sich an Gesetze halten“: AfD geht mit Strafanzeige gegen Kanzlerin vor
    47 Jahre R-36M: Warum diese sowjetische Rakete „Satan“ genannt wurde
    Russische Su-24 fliegen Luftangriff gegen Terroristen in Idlib
    Tags:
    30 Jahre Mauerfall, Mauerfall-Jahrestag, Erinnerungen, Einheit, Mauerfall, BRD, DDR
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Mehr Videos

    • Demo in Frankreich gegen antimuslimische Stimmungen (Archiv)
      Letztes Update: 16:16 21.02.2020
      16:16 21.02.2020

      Kampf gegen Islamismus: „Bürgermeister kann ohne Staat wenig“ – französischer Politiker

      Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat vor kurzem Maßnahmen zur Bekämpfung des islamischen Separatismus im Land angekündigt. Sputnik France sprach darüber mit François Pupponi, einem Abgeordneten verschiedener linker Parteien und dem ehemaligen Bürgermeister von Sarcelles.

    • Sturm (Symbolbild)
      Letztes Update: 15:59 21.02.2020
      15:59 21.02.2020

      Britin fotografiert unfassbares „Auge des Sturms“

      Die 48-jährige Sarah Hodges aus Bolton, Großbritannien, hat ein atemberaubendes Bild veröffentlicht, das ein eigenartiges Naturphänomen zeigt. Die Mehrheit der Internetnutzer hat dies als „Auge des Sturms“ bezeichnet. Die Frau selbst hat anfangs „nichts Besonderes“ bemerkt.

    • Fahndungsbilder vom Kriegsverbrecher Josef Mengele werden von einem Polizisten in die Kamera gezeigt (Archivbild)
      Letztes Update: 15:54 21.02.2020
      15:54 21.02.2020

      Das Verschwinden des Josef Mengele: Neuer Film über „Todesengel von Auschwitz“

      Der Russe Kirill Serebrennikow übernimmt die Regie bei einem Film über Josef Mengele. Als Vorlage dient der Roman „Das Verschwinden des Josef Mengele" des französischen Schriftstellers Olivier Guez. Das Besondere: Die Geschichte wird aus der Sicht Mengeles erzählt.

    • Hai (Symbolbild)
      Letztes Update: 15:07 21.02.2020
      15:07 21.02.2020

      „Welthauptstadt der Hai-Angriffe“: Surfer zeigt atemberaubendes Drohnen-Video

      Ein Surfer aus den USA hat ein spektakuläres Video mit einer Drohne gemacht: Darauf sind mehrere Haie zu sehen, die ganz nah am Strand von New Smyrna Beach im US-Bundesstaat Florida schwimmen. Wenige Minuten zuvor hat der Mann aber selbst Wellen geritten.