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20:20 18 Oktober 2019
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    Pressefest in der deutschen Botschaft Moskau: Mauerfall als Erlösung

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    DDR 1989 – Erst Feier zum 40. Jahrestag, dann "Mauerfall" und Untergang (71)
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    © Sputnik / Jurij Somow

    Mit Bier, Würstchen und anderen deutschen Spezialitäten verlief das traditionelle Pressefest in der deutschen Botschaft in Moskau, das in diesem Jahr dem 30. Jahrestag des Mauerfalls gewidmet wurde. Der bekannte russische Graffiti-Künstler Mednoj reproduzierte eines der aussagenkräftigsten Bilder der East Side Gallery „Test the Best“.

    Jens Beiküfner, Leiter des Presse-Referats, erläuterte: „Das Bild zeigt einen Trabant, wie man so schön sagt im DDR-Jargon, in Papyrusweiß oder Champagnerbeige, ein Symbol des Ostens: eckig, kantig, eng, stinkend und laut, aber immerhin eine gewisse Geborgenheit bietend. Obwohl er aus Plastik bestand und technisch zurückgeblieben war, mit wenig Fahrkomfort und Sicherheit, durchbrach er die Mauer in die Freiheit, und dabei wurde er wundersamerweise nicht beschädigt. Eine Metapher natürlich für den politischen Umbruch in der DDR ohne Gewalt.“

    Für Gregor Gysi, Präsident der Europäischen Linken, – im Sputnik-Gespräch sagte er, er sei im Herbst 1989 ein kleiner Berliner Advokat gewesen – „war der entscheidende Faktor die Sowjetunion. Nach dem Gespräch mit Michail Gorbatschow am 1. Februar 1990 merkte ich, dass er das aufgab. Dann war auch mir klar, es kommt zur Einheit, und dann ging es um die Frage, wie wir zur Einheit kommen.“

    Wie schätzt Gregor Gysi das Ergebnis heute ein? „Unterschiedlich“, antwortete er. „Natürlich haben die Bürgerinnen und Bürger der DDR an Freiheit, an Demokratie gewonnen. Sie haben eine frei konvertierbare Währung, mit der sie weltweit bezahlen können. Das ging ja mit der DDR-Mark nie. Sie haben ein viel besseres Waren- und Dienstleistungsangebot. Auf der einen Seite. Auf der anderen Seite gab es in der DDR mehr Solidarität und mehr soziale Sicherheit. Und das ist abgebaut worden. Und insofern gibt es eben teils Zufriedenheit, teils Unzufriedenheit.“

    Martina Wiedemann, Unternehmerin und Journalistin, erinnert sich, wie die Mauer gebaut wurde. Sie war damals als kleines Kind im Erzgebirgsvorland zu Hause. „Meine Eltern hatten einen Ferienplatz bei Berlin, und wir haben in Westberlin die Menschen besucht, die mit meiner Mutter zusammen aus Schlesien geflüchtet waren. Da habe ich den ganzen Kühlschrank Coca-Colaleergetrunken.“

    In der S-Bahn wurde ihr gesagt: Mund halten, nicht Sächsisch reden, hier sind strenge Kontrollen. „Das warder 13. August. Wir sind nach Hause gefahren in der Tagesmitte, und dann war Schluss.“ Auch später, als sie erwachsen war, durfte sie nicht nach Westberlin. „Mein damaliger Mann hatte auch Verwandte in Westberlin, und weil er Offizier war, durften wir keinerlei Kontakt haben. Deshalb war der Mauerfall für mich eine große Erlösung.“

    Er hat ihr Leben aber durcheinandergewürfelt. „Zuerst war Vieles vorausgeplant. Ich sollte habilitieren, an der Filmhochschule lehren. Die wurde dann von den anderen Filmhochschulen aus Westdeutschland abgewickelt. Ich musste völlig von vorne anfangen, ganz neu denken.“

    Tina Reichel, Künstlerin aus Erfurt: „Berlin macht für mich wirklich einen großen Teil meiner Malerei aus, weil ich diese Motive einfach sehr mag. Sie sind für mich immer positiv. Das heutige Leben in Berlin bringt auch die Geschichte wieder. Von daher ist das doch sehr spannend, was man dort alles sieht, was wir auch wieder neu restaurieren, was wieder neue Perspektive für meine Malerei ist.“

    Kamera: Nikita Gogolev

    Themen:
    DDR 1989 – Erst Feier zum 40. Jahrestag, dann "Mauerfall" und Untergang (71)
    Tags:
    30 Jahre Mauerfall, Mauerfall-Jahrestag, Erinnerungen, Einheit, Mauerfall, BRD, DDR
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