14:15 14 Dezember 2019
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    verhüllte Frauen in Deutschland (Archiv)

    Hamburg: Falscher Scheich mit Kopftuch-Frauen – Luxus-Shopping-Tour als Satire?

    © AFP 2019 / ULI DECK / DPA
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    Der Modeblog „Dandy Diary“ hat einen als Scheich verkleideten Schauspieler samt dreiköpfigem devotem Harem in ein Hamburger Luxuskaufhaus geschickt: Angestellte des Hauses wurden mit extrem frauenfeindlichem Verhalten des vermeintlichen Scheichs konfrontiert. Ist die „Satire“ mit dem Titel „Fata Morgana“ Systemkritik?

    Hidschab, Tschador, Niqab, Burka – für viele Symbole der Unterdrückung, für andere Ausdruck religiöser Freiheit. In jedem Fall sind „Kopftuch & Co“ ein Riesengeschäft. Die sogenannte „Modest Fashion“ (Zurückhaltende Mode) für die Musliminnen haben Sportartikelhersteller wie große Modemarken längst für sich entdeckt: Ein Milliarden-Dollar-Markt, wie schon die Modebibel „Vogue“ feststellte. Muslimische Konsumenten gaben im Jahr 2015 umgerechnet 192 Milliarden Euro für Kleidung aus, 2021 werden Muslime über 288 Milliarden Euro jährlich für Kleidung aufwenden, heißt es im „Bericht zur Globalen Islamischen Wirtschaft" von der Nachrichtenagentur Reuters und der Beraterfirma „Dinar Standard“. Für das Jahr 2022 werden rund 373 Milliarden Dollar Jahresumsatz weltweit vorausgesagt.

    Der Modeblog „Dandy Diary“ hat vor dem Hintergrund einen Test mit dem Titel „Fata Morgana“ veranstaltet und gefilmt: Ein Schauspieler - einer der Autoren, verkleidet als Scheich, geht mit seinen drei vermeintlichen Frauen  - und vier sehr realen versteckten Kameras -  in eines der größten deutschen Luxuskaufhäuser.

    Der „Scheich“ wurde vorab in Hamburg per E-Mail und Telefon angekündigt und dementsprechend gebührend fällt sein Empfang aus: Ein sehr bemühtes vierköpfiges Begrüßungskomittee aus Betreuern steht ob des hanseatischen Wetters mit Regenschirmen bewaffnet zur Ankunft des illustren Gastes bereit.

    Und der benimmt sich auch. Nur eben nicht sehr illuster: Zwar stellt er seine weibliche Entourage zunächst noch namentlich vor, aber nur, um sogleich und im Folgenden die in schwarze Niqabs gewandeten weiblichen Wesen vor den Angestellten des Kaufhauses mit frauenfeindlichen Bemerkungen zu malträtieren. Misogyn. Zumindest nach westlichem Verständnis. Und vielleicht auch dem der Angestellten des Luxuskaufhauses. Doch die reagieren hanseatisch zurückhaltend – nämlich gar nicht auf das miese Verhalten des „Scheichs“.

    Auch, als es den Seitenhieb auf die Deutschen selbst gibt: Bei Aussuchen von Lingerie für seine 14-jährige Ehefrau würde am Stand einer französischen Unterwäschemarke, die Assoziationen zu Hurenhäusern weckt, die rote Linie der Immoralität überschritten: „Ich weiß, ich bin informiert, ihr hier in Deutschland habt Sex – jeder mit jedem, und das ist Normalität für euch, aber in meinem Land ist das ein Vergehen, es ist strafbar“, fabuliert der „Scheich“ in extenso.

    Doch der Scheich wird dienstbeflissen von den deutschen Verkäufern hofiert: Ihm wird der Rücken gekratzt, das Söckchen am Fuß gerichtet, er wird gar auf Händen getragen – buchstäblich.

    „Fata Morgana ist eine Satire“, schreiben die Autoren von „Dandy Diary“ auf ihrer Internetseite. „Aber auf was denn schlussendlich eigentlich? Auf die Kultur der Scheichs? Oder aber auf eine Industrie, die – sobald das Bakschisch stimmt – offensichtlich keine Grenzen mehr kennt? Darf der weiße Mann 2019 die arabische Kultur parodieren, um das weiß-kapitalistische System zu entlarven?“

    Ist dies entlarvend? Für wen? Lassen sich Angestellte generell nicht Einiges gefallen, um dem Kunden zu gefallen – auch aus Sorge um ihren Arbeitsplatz? Die „Satire“ wirkt deplatziert, setzt sie doch am falschen Ende des kapitalistischen Systems an. Hätte nicht vielmehr auf höherer Ebene „recherchiert“ und der „Finger in die Wunde gelegt“ werden sollen? Etwa bei einer entsprechenden „Reise in den Bundestag“  - jedenfalls auf dem Niveau von Entscheidern in machtvolleren Positionen.

    Die „Satire“ von „Dandy Diary“ wirkt wie ein Abklatsch von „Versteckte Kamera“ -  ist ein böser Streich auf Kosten des „Kleinen Angestellten“. Und: er feiert jedes nur erdenkliche Vorurteil im Zusammenhang mit der muslimischen Welt.

    ba

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    Tags:
    Feindlichkeit, Frauen, Satire, Islam, Deutschland