17:21 10 Dezember 2019
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    Kuh in Tirol (Symbolbild)

    Tödliche Kuh-Attacke auf eine Deutsche in Tirol kommt vor Obersten Gerichtshof

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    Der Fall der tödlichen Attacke einer Kuh auf eine Deutsche im Juli 2014 hat zunächst österreichische Gerichte sowohl der ersten als auch der zweiten Instanz beschäftigt. Weder der Kläger noch der Beklagte sind mit dem Urteil offenbar zufrieden, berichten österreichische Medien am Dienstag.

    Zu dem tragischen Vorfall kam es am 28. Juli 2014 im Pinnistal, einem Seitental des Stubaitals im westlichen Teil Österreichs. Eine 45-jährige deutsche Urlauberin war mit ihren Hund unterwegs, als sie von Kühen angegriffen und zu Tode getrampelt wurde.

    Urteil erster Instanz

    Das Zivilverfahren zwischen den Hinterbliebenen und dem Landwirt dauert bereits seit Jahren. In erster Instanz hatte das Landesgericht Innsbruck entschieden, dass der Bauer den von vielen Wanderern genutzten Bereich hätte einzäunen müssen, um derart schwerwiegende Folgen zu verhindern.

    Das Gericht Innsbruck verurteilte den Bauer dazu, dem Ehemann und dem Sohn des Opfers Einmalzahlungen sowie eine monatliche Rente zu zahlen. Der gesamte Streitwert des Prozesses lag bei rund 490.000 Euro, so Medien.

    Oberlandesgericht: Landwirt und Urlauberin treffen zu gleichen Teilen Verschulden

    Das Oberlandesgericht (OLG) bestätigte in zweiter Instanz, dass die Errichtung eines Zaunes für den Bauern zumutbar gewesen wäre. Es sah allerdings nicht die volle Schuld bei dem Bauern, sondern ging von einer Mitschuld des Opfers aus, erklärte OLG-Vizepräsident Wigbert Zimmermann am Dienstag laut der „Kronen Zeitung“. Die Zahlungen an die Familie des Opfers sollen halbiert werden.

    Die Urlauberin hätte wissen müssen, dass Mutterkühe eine Gefahr für Hunde und deren Halter darstellen, berichten Medien unter Berufung auf das Gericht. Sie habe zudem die vom Bauern angebrachten Warnschilder nicht beachtet.

    Beide Parteien wollen Revision vor Oberstem Gerichtshof

    Sowohl der Landwirt als auch der Witwer ziehen nun vor den Obersten Gerichtshof (OGH). Aus der Sicht des Anwalts des Landwirts, Ewald Jenewein, bleibt mit dem jetzigen Urteil zweiter Instanz die Unsicherheit für die Bauern. Es gehe nun um die grundsätzliche Klärung, ob eine Einzäunung von Wegen im Weidegebiet notwendig sei. Darüber hinaus handle es sich bei den Zahlungen an die Familie des Opfers weiterhin um große Summen.

    Der Witwer der getöteten Frau aus Deutschland will das Urteil zweiter Instanz ebenfalls nicht akzeptieren. Über seinen Anwalt Michael Hirm kündigte er ebenfalls Revision beim OGH an. Der Witwer will laut Medienberichten erreichen, dass wieder das Urteil der ersten Instanz hergestellt wird.

    Weitreichende Folgen des Falls um Kuh-Attacke

    Die gesamte Causa soll weitreichende Folgen in Österreich gehabt haben. Ein Runder Tisch in Tirol war die Folge, Politik und Landwirtschaft versprachen, den Bauern schadlos zu halten. Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erklärte laut Medien, dass es eine Versicherung für alle Almbauern geben werde. Zudem wolle man weiterhin mit Info-Kampagnen auf Prävention und Aufklärung setzen.

    Außerdem wurde eine Gesetzesänderung beschlossen. Nun werden auch Almbesucher und Wanderer in die Pflicht genommen, Verhaltensregeln auf Almen und Weiden einzuhalten. Die Besucher werden angewiesen, den Kontakt mit Weidevieh zu vermeiden. Vor allem eine Begegnung von Mutterkühen und Hunden sollte vermieden werden.

    mo/gs

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