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03:26 13 November 2019
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    Die Kommission um Matthias Platzeck (2. v. l.) präsentiert erste Eckepunkte zum Festjahr

    Festjahr der Bundesregierung zu 30 Jahren Mauerfall und Deutsche Einheit eröffnet

    © Sputnik / A. Siebert
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    Eine Kommission unter Leitung von Ministerpräsident a.D. Matthias Platzeck hat erste Meilensteine des Jubiläumsjahrs „30 Jahre Mauerfall und Deutsche Einheit“ vorgestellt. Gefeiert werden soll nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland. Und es gehe nicht nur ums Feiern, sondern um den Austausch zwischen Ost und West.

    In der Bundespressekonferenz in Berlin hat Ministerpräsident a.D. Matthias Platzeck als Vorsitzender der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ am Montag erste Pläne zum geplanten Festjahr der Bundesregierung vorgestellt. Während am 9. November, dem Jahrestag des Mauerfalls, vor allem Berlin im Fokus stehen wird, sollen über das gesamte Festjahr Veranstaltungen in ganz Deutschland stattfinden. So finden allein am 9. November 26 Veranstaltungen entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze statt. Hierbei geht es auch darum, dass sich Bürger aus Ost- und Westdeutschland begegnen und austauschen. Hierfür sollen Ost-West-Städtepartnerschaften für gegenseitige Besuche genutzt werden. Auch Gesprächsveranstaltungen mit Zeitzeugen von damals, etwa aus der Bürgerbewegung der DDR, sind geplant.

    Nicht nur „die Veranstaltungskeule“ rausholen

    Matthias Platzeck sagte auf der Pressekonferenz:

    „Wir mussten feststellen, dass das Jubiläumsjahr in einem schwierigen Klima im Land stattfindet. Darum muss man das Thema sensibel angehen, um nicht Gräben zwischen West und Ost wieder aufzureißen. Unser Motto ist: Soviel Staatsakt wie nötig, aber so viel Austausch und Debatte wie möglich. Es geht darum, einander zuzuhören. Es geht nicht nur darum, die Veranstaltungskeule herauszuholen und zu sagen: Nun freut euch, alles ist in Butter. Es geht auch um eine kritische Analyse von 30 Jahren Wiedervereinigung und vor allem um Dialog zwischen Ost und West.“

    Die Kommission will die Veranstaltungen des Festjahres wissenschaftlich begleiten und analysieren lassen, um daraus auch Empfehlungen an die Bundesregierung abzuleiten.

    Auf den letzten Pfiff

    Die Kommission aus 22 Persönlichkeiten, vor allem aus Ostdeutschland, nahm erst im Mai diesen Jahres ihre Arbeit auf. Dies führte zu dem Vorwurf, dass die Arbeit viel zu spät beginne, da bereits im Laufe des Jahres 1989 wichtige Ereignisse auf dem Weg hin zum Mauerfall stattfanden. Dem hat die Kommission nun quasi „auf den letzten Pfiff“ Rechnung getragen, indem das Festjahr jetzt nicht erst am 9. November beginnt, sondern bereits am 9. September, dem Gründungstag des „Neuen Forums“ mit einer Veranstaltung im Schloss Schönhausen in Berlin-Pankow.

    Erste Highlights

    Rund 60 Millionen Euro sollen in das Feierjahr zwischen Mauerfall und Deutscher Einheit fließen. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte von der CDU, stellte erste Highlights des Festjahres vor. So soll am 28. September ein Sonderzug von Dresden nach Prag und zurück fahren, um an die Ausreise der DDR-Flüchtlinge aus der Prager Botschaft vor 30 Jahren zu erinnern. Am 9. Oktober wird es zu Ehren der  großen Montagsdemonstration 1989 in Leipzig einen Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und ein Volksfest geben. Der 9. November wird der Höhepunkt der Feierlichkeiten in diesem Jahr sein. Zentral ist hier die Veranstaltung am Brandenburger Tor in Berlin, aber auch viele Feste in ganz Deutschland sollen an den historischen Tag vor dreißig Jahren erinnern.

    Für 2020 lässt die Kommission bewusst noch Termine offen, um erst Reaktionen und Stimmungen während der Feierlichkeiten in diesem Jahr abzuwarten und gegebenenfalls in die Planung für 2020 einfließen zu lassen. Geplant sind die Veranstaltungen um zentrale historische Meilensteine auf dem Weg zur Deutschen Einheit zu gruppieren. Zu nennen wären hier beispielsweise die ersten freien Wahlen zur Volkskammer in der DDR am 18. März, die Wirtschafts- und Währungsunion am 1. Juli und die Unterzeichnung des Zwei-Plus-Vier-Vertrages am 12. September 1990.

    Ohne die Opfer der SED

    Die Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ hat sich bisher mehrfach zu „intensiven Gesprächen“ getroffen und Arbeitsgruppen eingerichtet. Neben Platzeck und Hirte sind weitere SPD- und CDU-Politiker sowie Wissenschaftler und Kulturschaffende dabei.

    Dieter Dombrowski, Vorsitzender der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft kritisierte im Deutschlandfunk, dass unter den 22 Mitgliedern der für die Feierlichkeiten zuständigen Kommission niemand ist, der in der DDR unterdrückt wurde: „Die Feierlichkeiten zu 30 Jahren Mauerfall und 30 Jahren Deutsche Einheit finden ohne die Opfer der SED statt.“, sagte Dombrowski.

    Weitere Einzelheiten und Termine des Festjahres der Bundesregierung  werden demnächst auf einer Website veröffentlicht.

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    Tags:
    Mauerfall, Flüchtlinge, Unterdrückung, SED, DDR, Deutschland, CDU, SPD, Matthias Platzeck