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03:20 13 November 2019
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    Beleidigendes Graffiti an der Eingangstür in die Niederlassung der Hilfsorganisation Essener Tafel (Archivbild)

    Chef der berühmt-berüchtigten Essener Tafel veröffentlicht Buch

    © AFP 2019 / DPA / ROLAND WEIHRAUCH
    Gesellschaft
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    Mit ihrem Aufnahmestopp für Flüchtlinge hatte die Essener Tafel 2018 für Schlagzeilen gesorgt und eine Debatte über Armut in Deutschland angestoßen. Nun hat der Tafel-Vorsitzende Jörg Sartor ein Buch verfasst, in dem er schildert, was im Ruhrgebiet aus seiner Sicht alles schiefläuft.

    „Schicht im Schacht“ lautet der Titel des Buchs. Co-Autor ist der Journalist Axel Spilcker. Der langjährige SPD-Wähler Sartor wirft darin der Politik vor, in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig gegen Integrationsprobleme und Verarmung im Ruhrgebiet getan zu haben.

    Das Buch beschreibe „mit normaler Sprache die Dinge, die nicht ganz so in Ordnung“ seien, sagte Sartor am Dienstag bei einer Buchpräsentation in Essen.

    „Vieles, was gerade in Deutschlands größtem Ballungsraum mit zwölf großen Städten geschieht, birgt enormen sozialen Sprengstoff“, warnt der Tafel-Vorsitzende in seinem Buch. Besonders im Essener Norden, seiner Heimat, fühlten sich viele Alteingesessene „abgehängt, schlichtweg vergessen“.

    Und weiter: „Wenn wir nicht noch mehr Wähler an die AfD verlieren wollen, müssen wir alle ganz genau hinschauen, benennen, was falsch läuft, und anders handeln.“

    In dem Buch legt Sartor auch seine Lösungsvorschläge dar. Unter anderem schlägt er einen „gesamtdeutschen Soli“ vor, der je nach Bedürftigkeit „den Kommunen unter die Arme greift“ und „nicht nur Geld von West nach Ost transferiert“.

    Zudem fordert er einen „Masterplan fürs Revier“, einen „Aufbau West“. So könne etwa eine „Bad Bank fürs Revier“ die hohen Altschulden der Kommunen übernehmen und abwickeln.

    Skandal um die Essener Tafel

    Die Essener Tafel hatte 2018 mit ihrem Aufnahmestopp für Ausländer  landesweit für hitzige Debatten gesorgt. Wegen des hohen Andrangs von Migranten hatte sich der gemeinnützige Verein zu einer drastischen Maßnahme entschieden: Die Bedürftigen mussten eine Zeit lang einen deutschen Pass vorweisen, um aufgenommen zu werden.

    Nichtdeutsche hatten damals laut Sartor einen Anteil von 75 Prozent an den Tafel-Kunden ausgemacht. „Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt“, so der Vereinsvorsitzende gegenüber der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). Denn gerade ältere Nutzerinnen hätten sich von den vielen fremdsprachigen Männern abgeschreckt gefühlt.

    ta/gs/dpa

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