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23:37 19 September 2019
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    Soldatenfriedhof in Rossoschka

    Sterbliche Überreste deutscher Soldaten dürfen nicht irgendwo rumliegen - VDK-Präsident

    © Foto : Hermann Krause
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    Am 12. September 2019 sind Gebeine von 1837 Wehrmachtsoldaten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Rossoschka (40 km vor Wolgograd, dem früheren Stalingrad) in der Anwesenheit von zahlreich aus Deutschland angereisten Verwandten feierlich beigesetzt worden.

    Im Oktober 2018 fanden Bauarbeiter beim Verlegen einer Abwasserleitung Knochen. Zuerst Pferdeknochen, aber nach nur kurzer Zeit wurden sterbliche Überreste von deutschen Soldaten entdeckt, die in den Kämpfen um Stalingrad starben. Bei einigen fanden die Sucher Erkennungsmarken, insgesamt 158, so dass 75 Jahre nach Kriegsende ihre Angehörigen  informiert werden konnten. Sie erhielten endlich Gewissheit über den Verbleib ihrer Väter, Brüder und Großväter.

    „Es ist schon unsere Pflicht als Mitmenschen dafür zu sorgen“, sagte im Sputnik-Gespräch Wolfgang Schneiderhan, Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge (VDK), „dass sie nicht irgendwo nach Bauarbeiten rumliegen, sondern dass sie ordentlich auf dem Friedhof eingebettet werden können, so wie andere 65.000 deutsche Soldaten, die hier begraben liegen. Und dafür sind wir den Rossoschka-Einwohnern sehr dankbar.“

    Unter einigen von ihnen gibt es aber auch solche, die den Krieg immer noch nicht vergessen können und mit einer Versöhnung nichts zu tun haben wollen. Der VDK-Präsident empfahl zu trennen. „Den Krieg vergessen, wollen wir alle nicht, weil wir sonst die Lehren aus dem Krieg vergessen. Aber die Lehren aus dem Krieg führen kluge Menschen zur Versöhnung, weil ohne Versöhnung dauerhaft der Frieden nicht herzustellen ist. Und das ist unser Versuch, immer wieder klarzumachen, ,nie wieder Krieg‘, ist schon richtig, aber dafür muss man mehr tun, als einfach diese Parole ständig zu wiederholen.“

    Was kann man tun?

    Schneiderhan antwortet: „Den Anderen verstehen, dem Anderen zuhören, Respekt vor dem Leid des Anderen haben und die eigene Verantwortung als Deutscher für das zeigen, was Deutsche im Zweiten Weltkrieg zum Beispiel in Russland angerichtet haben, sich dieser Verantwortung auch stellen. Das ist unsere Aufgabe. Und das ist unsere Antwort an all diejenigen, die etwas anderes meinen. Am schwierigsten sind die, die die Unwahrheit über unser Tun erzählen.“

    Soldatenfriedhof in Rossoschka
    © Foto : Hermann Krause
    Soldatenfriedhof in Rossoschka

    Mit einem Punkt setzt sich der Bundeswehr-General a. D. politisch auseinander: „Wir arbeiten nicht an einem Umschreiben der Geschichte. Der Volksbund ist nun seit 26 Jahren nach dem deutsch-russischen Kriegsgräberabkommen in Russland tätig. Da soll mir einer einen Satz sagen und zeigen, mit dem der Volksbund versucht hat, die Geschichte umzuschreiben! Wer das sagt, lügt ganz einfach. Gegen den muss man sich wehren.“

    © Foto : Hermann Krause

    Schneiderhan weiter: „Wir haben in Russland sehr viele Friedhöfe, die wir weiter pflegen werden. Und wir finden hier immer noch viele gefallene Soldaten und andere Kriegstote, denen wir ein menschenwürdiges Grab geben wollen und für deren Angehörige wir einen Ort der Trauer, des Gedenkens, aber vor allem auch des Nachdenkens geben wollen. Auch in Russland wollen wir in der Zusammenarbeit mit deutschen und russischen Jugendlichen die Botschaft übermitteln, schafft, dass aus der Nie-Wieder-Krieg-Parole Nie-Wieder-Krieg wird.“

    „Was lernen wir aus den Kriegen und was lehren uns die Friedhöfe, das wollen wir mit deutschen und russischen Jugendlichen und auch zwischen deutschen und russischen Soldaten weiterhin betreiben“, sagte der Volksbund-Präsident abschließend. „Das ist auch eine Volksgeschichte, die wir aufzuweisen haben. Und sie werden wir weiterschreiben.“

    Das komplette Interview mit Wolfgang Schneiderhan zum Nachhören:

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, Soldaten, Überreste, Russland, Deutschland