10:11 07 Dezember 2019
SNA Radio
    Integrationskurs für Flüchtlinge in Berlin (Archiv)

    Studie offenbart: Flüchtlinge sehen „mehrheitlich keine kulturellen Unterschiede“

    © AFP 2019 / TOBIAS SCHWARZ
    Gesellschaft
    Zum Kurzlink
    Von
    21872
    Abonnieren

    Gibt es kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Geflüchteten? Und wie sehen diese aus? Forscher des Sachverständigenrats haben nun Ergebnisse einer Umfrage zu dem Thema unter den Flüchtlingen vorgestellt.

    Der Forschungsbereich des „Sachverständigenrats deutscher Stiftungen“ (SVR) hat in Kooperation mit der „Robert Bosch Stiftung“ Flüchtlinge befragt, ob sie kulturelle Unterschiede zwischen den Menschen in Deutschland und denen in ihren Herkunftsländern wahrnehmen und wie sie damit umgehen. Dabei ging es unter anderem um Rechtsstaatlichkeit, die Gleichberechtigung von Männern und Frauen, die Bedeutung der Familie, den Umgang mit älteren Menschen und das Thema Homosexualität. Die Befragung wurde im Rahmen des SVR-Integrationsbarometers 2018 durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in dem Policy Brief „Andere Länder, andere Sitten? Welche kulturellen Unterschiede Flüchtlinge wahrnehmen – und wie sie damit umgehen“ zusammengefasst.

    Zwischen Juli 2017 und Januar 2018 wurden in einer nicht repräsentativen Umfrage 369 Flüchtlinge befragt. Die Ergebnisse dürften für manche überraschend sein: Bei den meisten Aspekten haben die Befragten mehrheitlich keine Unterschiede wahrgenommen, berichten die Autoren der Studie. So seien rund 80 Prozent der Befragten der Auffassung, dass es den Menschen in Deutschland sehr wichtig sei, dass alle die gleichen Rechte haben und vor dem Gesetz gleich sind – bezogen auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen seien das sogar 85 Prozent, erklärte einer der Autoren der Studie, Dr. Timo Tonassi, am Donnerstag in Berlin.

    Dagegen meinten nur rund 57 Prozent, dass den Menschen in ihrer Heimat die Gleichheit vor dem Gesetz sehr wichtig sei – bezogen auf die Gleichberechtigung der Geschlechter meinten dies fast nur 49 Prozent. Eine deutlichere Mehrheit komme nach eigener Einschätzung mit diesen Unterschieden sehr leicht klar: fast 80 Prozent bei der gesetzlichen und über 70 Prozent bei der geschlechtlichen Gleichbehandlung. 

    Beim Stellenwert der Familie, den weniger respektvollen Umgang mit älteren Menschen oder beim Thema Homosexualität falle es den befragten Flüchtlingen dagegen deutlich schwerer, sich auf die wahrgenommenen Unterschiede einzustellen, berichten die Autoren. „Rund 40 Prozent der Befragten, die hier Unterschiede wahrnehmen, antworten, dass es ihnen schwer oder sehr schwer fällt, sich auf diese einzustellen“, erläuterte Dr. Tonassi mit Blick auf das Thema Homosexualität.  Das sei „potenziell“ eine Herausforderung für die Aufnahmegesellschaft und für die Geflüchteten. Dass damit eine skeptische Haltung mit einem abwertenden Verhalten einhergehe, könne man aus den Ergebnissen der Umfrage nicht schließen.

    Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass zwar durch staatliche Integrationsmaßnahmen eine „Wissensbasis zu den hierzulande geltenden Wertvorstellungen“ gelegt werden könne, ihre Wirkung solle man jedoch nicht überschätzen, weil gelebte Alltagserfahrungen für die Integration zentral seien. Es gelte daher, die Begegnungen und den direkten Austausch zwischen Aufnahmegesellschaft und Neuankömmlingen zu fördern. Die Forscher raten weiterhin, die Potentiale aus den „kulturellen Unterschieden“ zu nutzen.

    Das komplette Interview mit Dr. Cornelia Schu (SVR) zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Merkel verliert bei Besuch in Auschwitz Gleichgewicht – Video
    Verkauft Amazon in Deutschland Fälschungen? – US-Behörde bereitet Schwarzliste vor
    „Was ist los?“: Putin spricht in Sotschi plötzlich Deutsch – Video
    Tags:
    Studie, Unterschiede, Migranten, Deutschland