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06:25 22 Oktober 2019
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    Bericht zum Absturz der malaysischen Boeing 777 mit der Flugnummer MH17 (Archiv)

    MH17: Warum wird Angebot von Privatermittler Resch weiter abgelehnt und ignoriert?

    © Sputnik / Maxim Blinow
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    Die internationalen MH17-Ermittler und die internationalen Medien gehen weiterhin nicht auf das Angebot des Privatermittlers Josef Resch ein, bisher unbeachtete Informationen offen zu legen. Nun hat er sich erneut an Ermittler und Medien gewandt, da ihm die Aufklärung der Katastrophe vom 17. Juli 2014 über der Ostukraine wichtig ist.

    Das Angebot des deutschen Privatermittlers Josef Resch an das offizielle internationale Ermittlerteam JIT (Joint Investigation Team) in Sachen MH17, neue Dokumente zu dem Fall offenzulegen, bleibt weiter unbeantwortet. Selbst auf ein erneutes Schreiben von Reschs Anwalt Christian Schlichting an das JIT vom 19. September gab es bisher keine Antwort.

    Dafür kam am Mittwoch eine kurze Nachricht von der bei den MH17-Ermittlungen federführenden niederländischen Staatsanwaltschaft. Die bezog sich aber nur auf eine Nachricht von Reschs Anwalt vom 16. August dieses Jahres. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft zwar Interesse an Reschs Angebot bekundet. Sie lehnte es aber ab, die Dokumente des Privatermittlers öffentlich im Beisein internationaler Medien und von Vertretern der betroffenen Staaten zu übernehmen und zu prüfen.

    Öffentlichkeit als Schutz

    Das wurde nun wiederholt: Wenn Resch bereit sei, „die Dokumente auf andere Weise zu übergeben“, seien die Ermittler weiter daran interessiert. Doch genau das lehnt der Privatermittler von Beginn an ab, wie er auch bereits gegenüber Sputnik erklärte. „Aus Gründen unserer eigenen Sicherheit halten wir es dabei für erforderlich, dass bei unserer Aussage und Offenlegung der Beweismittel auch internationale Medien sowie Vertreter der betroffenen Staaten mit anwesend sind“, hatte Resch bereits am 5. Juli im ersten Schreiben an das JIT mitgeteilt.

    Den Schriftverkehr und die beigefügten Dokumente hat der Privatermittler auf seiner Webseite öffentlich gemacht. Er ist nicht nur verwundert über die ablehnende Haltung des JIT. Das bittet auf seiner Webseite sogar um weitere Hinweise zum Absturz der malaysischen Boeing 777 mit der Flugnummer MH17 am 17. Juli 2014 über der Ostukraine mit 298 Toten. Resch kann nach seinen Worten genauso wenig verstehen, warum die von ihm ebenfalls angeschriebenen großen deutschsprachigen Medien zu seinem Angebot schweigen.

    Er hatte am 5. Juli dieses Jahres dem JIT erklärt, er sei bereit, neue, bisher unbeachtete Fakten zur Katastrophe des Malaysian Airlines-Fluges MH17 zu übergeben. Der Privatermittler hat 2014 für einen anonymen Auftraggeber mit Hilfe einer Millionen-Prämie nach Informationen gesucht, die den Absturz aufklären helfen. Im Juni 2015 informierte der Privatermittler, dass der Auftrag erfüllt sei. Resch hat dem JIT sowie dessen Leiter, Staatsanwalt Westerbeke, seine Hilfe angeboten, die Katastrophe endgültig aufzuklären – durch die Fakten, die ihm 2014 ein Informant übergeben hat. Die ihm vorliegenden Beweismittel will er im Rahmen einer öffentlichen Aussage an das JIT komplett übergeben.

    Frist bis zum 18. Oktober

    Doch das JIT will das Angebot unter den von Resch vorgegebenen Bedingungen bis heute so nicht annehmen. Daraufhin hat der Anwalt des Privatermittlers sich erneut an die offiziellen Ermittler sowie eine ganze Reihe internationaler Medien gewandt. In dem Schreiben vom 19. September wird nicht nur an das erste Angebot vom 5. Juli erinnert. Dort heißt es auch ganz klar: Resch will das Angebot, die Informationen zu MH17 offen zu legen, zurückziehen, wenn bis zum 18. Oktober dieses Jahres keine Antwort kommt.

    Er erwarte „bis spätestens 18. 10. 2019 eine schriftliche Erklärung seitens des JIT, der niederländischen Staatsanwaltschaft sowie ggf. eines bis dahin eingerichteten malaysischen Untersuchungsauschusses (…), dass eine Offenlegung unter Beisein dieser aller sowie zusätzlich von internationalen Medien sowie hieran interessierten betroffenen Staaten erfolgt“.

    Geschehe das nicht, so habe sich für den Privatermittler „die Angelegenheit dann generell erledigt“, so dessen Anwalt. Und weiter heißt es: „Bei ungenutztem Fristablauf geht Herr Resch vielmehr davon aus, dass eine Einbeziehung der ihm vorliegenden Informationen in die Ermittlungen tatsächlich nie gewollt war und die internationale Staatengemeinschaft nicht an der Aufklärung dieses Verbrechens interessiert ist.“ Danach würden die Beweise und Fakten nicht mehr zur Verfügung gestellt. „Sollte es nicht zu der Offenlegung kommen, so geht Herr Resch zudem davon aus, dass der Grund für ein solches Desinteresse an diesen Informationen und Beweismitteln für jeden klar erkennbar sein dürfte.

    Schreiben an UN-Sicherheitsrat

    Resch hat sich inzwischen mit dem Schreiben an den UN-Sicherheitsrat gewandt, der bereits 2014 alle betroffenen Staaten dazu aufgefordert hatte, die MH17-Katastrophe gemeinsam aufzuklären. Ebenso wurden weitere internationale Medien angeschrieben, nachdem bereits russische Sender und Zeitungen auf die Vorgänge aufmerksam wurden.

    Auch an die Regierung von Malaysia hat sich der Privatermittler vor kurzem gewandt. Zwar sei er davon ausgegangen, dass die Regierung in Kuala Lumpur von seinen Informationen an den Bundesgerichtshof (BGH) vom Dezember 2016 wisse, so sein Anwalt. Resch hatte damals darum gebeten, dass die Informationen, die er dem BGH gab, an das JIT weitergeleitet werden, an dem Malaysia beteiligt ist. Doch inzwischen habe er erfahren, dass die malaysische Regierung daran interessiert sei, dass er die angebotenen Informationen offenlegt. Dabei würden aber dieselben Bedingungen wie gegenüber dem JIt gelten, betont sein Anwalt.

    In dem neuen Schreiben wird noch einmal betont, Resch vertrete „überhaupt keine Version von Abläufen“ der MH17-Katatstrophe, „vielmehr bietet er lediglich die Offenlegung von objektiv prüfbaren Beweismitteln an. Eine Bewertung dieser Dokumente und Informationen muss durch die hierfür vorgesehenen Stellen erfolgen.“ Er wolle sich „von keiner Seite in dieser Sache irgendwie instrumentalisieren“ lassen. Der Privatermittler stehe „für niemanden außer für eine objektive Aufklärung unter Einbeziehung aller vorliegender Beweismittel“.

    Widersprüchliche offizielle Aussagen

    Während sein Angebot unbeantwortet bleibt, erklärte der König der Niederlande, Willem-Alexander, am Mittwoch vor der UN-Vollversammlung in New York: „Ich wiederhole hier, dass alle Länder – einschließlich Russland – auf der Grundlage der Resolution 2166 des Sicherheitsrates zusammenarbeiten sollten, um die Wahrheit über den Abschuss von MH17 am 17. Juli 2014 zu finden.“ Nicht nur für Resch sind solche Aussagen unverständlich angesichts der fehlenden Bereitschaft, die ihm vorliegenden Informationen zu prüfen.

    „Nach Einschätzung meines Mandanten werden die von ihm gesichteten Unterlagen und Informationen einen maßgeblichen Beitrag zur endgültigen Aufklärung in der Sache leisten“, schreibt sein Anwalt an das JIT und die Medien. Zugleich heißt es, der Privatermittler werde nicht zulassen, „dass die von ihm angestrebte Offenlegung Verhandlungsmasse für interne politische Entscheidungen werden wird. Es ist naheliegend, dass das Verbrechen des Abschusses verschiedene politische Interessenlagen nach sich gezogen hat.“

    Es werde sichergestellt, „dass niemand die Offenlegung nur für sich vereinnahmen könnte. Stattdessen kann nur die gemeinsame und öffentliche Kenntnisnahme die von allen Seiten ja für sich in Anspruch genommene Objektivität der Ermittlungsarbeit wirklich gewährleisten.“

    Klarer Blick von außen

    Resch stößt scheinbar weiter auf Desinteresse bei den Ermittlern sowie großen Medien ebenso wie bei der Politik, nicht nur in der Bundesrepublik. Er zeigt sich ebenso verwundert über den Umgang mit den Unterlagen, die bei der Öffnung seines Züricher Schließfaches 2016 beschlagnahmt wurden. Das geschah durch die Schweizer Justiz auf Bitten der niederländischen Ermittler. Den Inhalt des Faches hat Resch bis heute nicht zurückbekommen. Nun behauptet die verantwortliche Staatsanwaltschaft in den Niederlanden sogar, sie habe die Unterlagen nicht, die könnten sich in der Schweiz befinden.

    Leser-Kommentare auf der Webseite seiner Detektei und beim Online-Magazin „Telepolis“ zeigen, was normale Menschen von den Vorgängen halten. „Telepolis“ gehört zu den wenigen deutschsprachigen Medien, die über Reschs Angebot berichtet haben.

    Ein Leser schreibt unter dem jüngsten Beitrag des Online-Magazins: „Es ist richtig zu fordern, dass auch bei Übergabe an interessierte Staaten wie Malaysia oder Russland, Medien und JIT anwesend sein müssen: Damit nichts unter den Tisch fällt und damit das JIT nicht Unwissen vortäuschen kann.“ Die Befürchtung, dass die offiziellen Ermittler versuchen könnten, etwas zu vertuschen, sei begründet. Der Leser meint, das JIT „sei keine unabhängige Untersuchungskommission, sondern unter vollständiger Kontrolle westlicher Sicherheitsdienste“.

    Bernhard Henke, ehemaliger Kriminalbeamter aus der DDR, heute im sächsischen Freital als Privatdetektiv tätig, schrieb in einem Kommentar auf der Webseite von Reschs Detektei: „Ich habe als nunmehr pensionierter Kriminalhauptkommissar die DDR erlebt und die BRD ebenfalls als Polizist. In gewisser Weise sind die Mechanismen der Macht immer gleich. Da ich russisch und englisch sprechen und lesen/schreiben kann, kann ich mehr als unsere ‚Leitmedien‘ zur Kenntnis nehmen. Auch in dieser Hinsicht bin ich an die DDR erinnert.“

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    Tags:
    Informationen, Beweise, Verantwortung, Ermittlung, MH17-Absturz