17:33 10 Dezember 2019
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    Richerin Tammy Kemp und Ex-Polizistin Amber Guyger umarmen sich in Dallas (Texas) am 2. Oktober 2019

    USA: Richterin und Verurteilte umarmen sich – Geste sorgt für heftige Debatte

    © REUTERS / Tom Fox/Pool
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    Im US-Bundesstaat Texas hat eine Richterin mit ihrem Benehmen gegenüber einer wegen Mordes verurteilten Ex-Polizistin nach dem Schuldspruch laut Medienberichten heftige Diskussionen ausgelöst.

    Der Fall sorgte in den USA für großes Aufsehen: Eine weiße Polizistin drang 2018 in die Wohnung eines schwarzen Nachbarn ein und erschoss den unbewaffneten 26-Jährigen. Vor Gericht in Dallas gab die 31-jährige Amber Guyger an, sie habe die Wohnung beim Heimkommen nach einer langen Schicht irrtümlicherweise für ihre eigene und den Nachbarn für einen Eindringling gehalten.

    Zehn Jahre Haft für die ehemalige Ordnungshüterin

    Am Mittwoch (Ortszeit) verurteilten Geschworene die frühere Polizistin zu zehn Jahren Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Portal „The Dallas Morning News“ zufolge 28 Jahre Haft gefordert.

    Nach der Verkündung des Urteils kam es im Gerichtssaal zu mehreren ungewöhnlichen Versöhnungsszenen. Der jüngere Bruder des Opfers Botham Jean, Brandt Jean, umarmte die Angeklagte und sagte, er könne ihr vergeben.

    Die schwarze Richterin Tammy Kemp sprach zunächst mit den Eltern des Opfers und umarmte sie. Danach ging Kemp zu Guyger und schenkte ihr ihre persönliche Bibel, schreibt die Online-Ausgabe der Zeitung „The New York Times“.

    Die Richterin soll demzufolge die Verurteilte auf eine Stelle aus dem Johannes-Evangelium hingewiesen haben, in der es um Erlösung geht. Guyger streckte die Arme aus und die Richterin umarmte sie. Aufnahmen von der Szene tauchten im Internet auf.

    Lob für Kemp wegen ihres Benehmens

    Die Umarmung der schwarzen Richterin und der weißen Verurteilten wurde von einigen als eine außergewöhnliche Geste von Menschlichkeit gesehen.

    „Was Brandt Jean und Richterin Kemp für die Gemeinde getan haben, als sie Vergebung, Mitleid und Gnade demonstrierten, hat mehr für die Wiedergabe von Hoffnung, für Genesung und Menschlichkeit von Dallas geleistet – sowie, seien wir ehrlich, für die Zivilisation der ganzen Nation – als jegliche lebenslange Freiheitsstrafe je könnte“, schrieb der Journalist Jeremy Dys für das Portal „Daily Wire“.

    „Wir bekommen keine Umarmungen“

    Viele zweifelten allerdings, ob die Richterin mit einem schwarzen Verurteilten so mitgefühlt hätte. Unter den Kritikern war Christopher Scott, ein schwarzer Amerikaner, der fast 13 Jahre im Gefängnis für einen Mord gesessen hatte, den er nicht begangen hatte.

    Scott sagte gegenüber „The New York Times“, er sei nie umarmt geworden, selbst bei seinem Rehabilitierungsverfahren in Dallas nicht. Er habe alle Rehabilitierungsverfahren in Dallas County verfolgt und ein solches Verhalten nie gesehen.

    „Wir bekommen keinen Handschlag, wir bekommen keine Umarmungen, wir bekommen keine Bibeln“, sagte der Mann laut dem Blatt.

    Einige Twitter-Benutzer fanden das Urteil gegen Guyger zu milde und die Umarmung, die sie von der Richterin bekam, eine verfehlte Geste.

    „Ich würde gern sehen, wie sie reagiert hat, als sie farbigen Menschen strengere Strafen für kleinere Verbrechen verkündete. Und ja, das ist über die Rasse“, schrieb der User unter dem Namen Jay Dav-O‏.

    Geschenkte Bibel: Verstoß gegen Verfassung?

    Für Kritik sorgte auch die Entscheidung der Richterin Kemp, der Verurteilten eine Bibel zu schenken. Die nationale Gruppe „The Freedom From Religion Foundation”, die für die Verteidigung der Trennung von Kirche und Staat kämpft, reichte eine Klage bei Texas‘ Kommission für das Verhalten der Richter ein.

    In einem im Internet veröffentlichen Schreiben bezeichnete die Gruppe Kemps Benehmen als „Missionieren“. Das sei ein Verstoß gegen die Moral.

    „Das Mitgefühl hat die Grenze zur Nötigung überschritten“, hieß es.

    Das Benehmen der Richterin sei „unangemessen und verfassungswidrig“ gewesen.

    mo/gs

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