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    Blick auf den zerstörten Palast der Republik (Archiv)

    70 Jahre DDR – Was ist geblieben?

    © AP Photo / Markus Schreiber
    Gesellschaft
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    Am 7. Oktober hätte sich der Geburtstag der DDR zum 70. Mal gejährt - wenn sie nicht vor 30 Jahren untergegangen wäre. Franziska Kleiner hat für das Buch „Was von der DDR blieb“ Fakten zusammengetragen, die die DDR ausmachten - erfolgreiche Ostprodukte, berühmte Künstler oder originelle Architektur. In einem Kapitel geht es um Straßennamen.

    Im Februar 2008 meldete „Spiegel-Online“: „Im Osten Deutschlands haben Tausende kommunistische Straßennamen die Wiedervereinigung überdauert.“ Als Skandal empfand das der damalige Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der vehement die Umbenennung forderte. Im August 2016 titelte „Die Welt“: „Sollten Karl-Marx-Straßen abgeschafft werden?“ Zu Wort meldete sich der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, Wolfgang Steiger: „Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem politischen und wirtschaftlichen Bankrott der DDR wird es Zeit, sich von den Ersatzheiligen des Kommunismus im Straßenbild in den neuen Ländern zu trennen.“

    Karl-Marx-Straße und Ernst-Thälmann-Platz

    Verschwinden sollen Straßennamen wie zum Beispiel: 550 Straßen und Plätze heißen nach dem Philosophen Karl Marx, 234 nach seinem Mitstreiter Friedrich Engels, 596 nach der Antimilitaristin Rosa Luxemburg und dem Reichstagsabgeordneten Karl Liebknecht, beide 1919 ermordet, 613 nach dem von den Nazis ermordeten Arbeiterführer Ernst Thälmann, 90 nach dem ersten DDR-Staatspräsidenten Wilhelm Pieck, 17 nach dem ersten DDR-Ministerpräsidenten Otto Grotewohl, 20 nach an der Grenze erschossenen Soldaten. 

    Auch dem einstigen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht soll seine letzte Straße genommen werden, die er noch in Chemnitz hat.

    Des Weiteren stören 337 Straßen der Jugend, 285 Straßen der Einheit (nicht der deutschen, sondern der Einheit von KPD und SPD), 220 Straßen der Freundschaft (mit den Völkern der Welt im Allgemeinen und dem sowjetischen im Besonderen), 90 Straßen der Pioniere. Und auch „Kürzel der kommunistischen Ära“ stoßen ihn ab wie 48 Straßen der DSF, 44 LPG-Straßen und 36 Straßen der MTS.

    Sowjetische Spione und Bergbau-Aktivisten 

    Und was ist mit den folgenden Straßen, die ebenfalls ihre Namen in der DDR erhielten?

    Es gibt – benannt nach der sozialistischen Politikerin, Frauenrechtlerin und Kampfgefährtin Lenins – Clara-Zetkin-Straßen in Cottbus, Daberstedt, Beelitz, Ludwigslust, Zehdenick, Demmin, Birkenwerder, Gera, Bautzen, Wermsdorf, Falkensee, Schulzendorf, Potsdam und anderswo.

    Es gibt – benannt nach dem Antifaschisten und kommunistischen Dichter – Erich-Weinert-Straßen in Magdeburg, Hohenmölsen, in Oschatz, Lunzenau, Fürstenwalde und Pretzschendorf, in Hoyerswerda, in Berlin, in Hermsdorf, Dessau, Hohenleuben und anderswo.

    Es gibt – benannt nach dem Dichter und Kulturminister der DDR – Johannes-R.-Becher-Straßen in Leipzig, Magdeburg, Potsdam, Jena, Gera, Görlitz, Barth und anderswo.

    Es gibt – benannt nach dem kommunistischen Schriftsteller – Friedrich-Wolf-Straßen in Lehnitz, Stralsund,

    Grünau bei Berlin, in Wismar, Chemnitz, Bautzen, in Hennigsdorf, Potsdam, Jena, Arnsdorf und anderswo.

    Es gibt – benannt nach dem von den Nazis hingerichteten Arbeitersportler – Werner-Seelenbinder-Straßen in Schwedt, in Sömmerda, Erfurt, Rhinow, Hermsdorf, Chemnitz, Brandenburg, Riesa, Altenkirchen, Weißwasser und anderswo.

    Es gibt – benannt nach dem Kommunisten und sowjetischen Spion – Richard-Sorge-Straßen in Wildau, Berlin, Jena und anderswo.

    Es gibt – benannt nach dem Schriftsteller und Kommandeur des Thälmann-Bataillons in Spanien – eine Ludwig-Renn-Straße in Berlin-Marzahn, in Zwickau, Golßen und anderswo.

    Es gibt – benannt nach dem Bergmann und Aktivisten aus Oelsnitz – eine Adolf-Hennecke-Straße in Senftenberg.

    Oberschule Juri Gagarin und Grundschule Sigmund Jähn

    Und was ist mit Hanns Eisler, der immerhin die DDR-Nationalhymne komponierte? Mit Bertolt Brecht, der schließlich das »Lob des Kommunismus« schrieb? Mit Franz Mehring, der die erste Marx-Biografie verfasste? Und was mit August Bebel, der meinte: „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“?

    Und was ist mit diesen Schulen? 

    Erich-Weinert-Grundschule, 07491 Greifswald

    Ernst-Thälmann-Schule, 17398 Ducherow

    Oberschule „Johannes R. Becher“, 15537 Erkner

    Salvador-Allende-Schule, 06269 Wriezen

    Oberschule „Juri Gagarin“, 15517 Fürstenwalde/Spree

    Grundschule „Sigmund Jähn“, 15517 Fürstenwalde/Spree

    Regelschule „Werner Seelenbinder“, 99510 Apolda

    Clara-Zetkin-Schule, 09599 Freiberg

    Otto-Buchwitz-Schule, 15890 Eisenhüttenstadt

    Friedrich-Wolf-Grundschule, 16515 Oranienburg

    Karl-Liebknecht-Gymnasium, 15230 Frankfurt (Oder)

    Maxim-Gorki-Gesamtschule, 14532 Kleinmachnow

    Artur-Becker-Grundschule, 17291 Prenzlau

    A.-S.-Makarenko-Grundschule, 09130 Chemnitz

    Und dürfen heute Schulen nach Nationalpreisträgern der DDR heißen? Was ist mit der Reinhard-Lakomy-Schule in Halberstadt? Dem Manfred-von-Ardenne-Gymnasium in Berlin? Der Kurt-Masur-Schule in Leipzig?

    © Foto : Eulenspiegel Verlag

    Der Abdruck aus dem Buch „Was von der DDR blieb“ von Franziska Kleiner erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Eulenspiegel Verlages. Das Buch ist hier erhältlich.

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    Tags:
    Helden, Schule, Künstler, Geschichte, DDR