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    Polizeieinsatz nach der tödlichen Schießerei in Halle am 9. Oktober 2019

    „Globale europäische Bedrohung“ – Jüdischer Experte nach Synagoge-Angriff in Halle alarmiert

    © AFP 2019 / DPA / SEBASTIAN WILLNOW
    Gesellschaft
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    Synagogenanschlag in Halle (29)
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    Mindestens zwei Menschen sind am höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, bei der Schießerei vor einer Synagoge in Halle ums Leben gekommen. Der Experte für Terrorismus und Jüdische Netzwerke von der Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv, Dr. Edy Cohen, zeigt sich vom Vorfall schockiert und wirft deutschen Sicherheitsbehörden mangelnden Einsatz vor.

    „Wir wissen, dass die Juden in Europa in Gefahr sind“, sagt Cohen gegenüber Sputnik, „Aber es ist trotzdem schockierend, besonders an diesem Tag, der für Juden so besonders ist.“ Sollte sich noch herausstellen, dass die Opfer Juden sind, dann wäre das für die ganze jüdische Gemeinschaft eine Tragödie. 

    Der Angriff in Halle richtete sich nach Angaben des Vorsitzenden der dortigen Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, direkt gegen die Synagoge. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, sagte Privorozki am Mittwoch gegenüber Stuttgarter Medien. Dass der Angriff genau am wichtigsten Feiertag passiert ist, an dem viele Juden sich in Synagogen versammeln, deutet laut Cohen verstärkt auf die böse Absicht der Täter hin. Cohen wünscht sich in dieser Hinsicht einen strengeren Schutz von Synagogen in Deutschland - so wie es in Frankreich ist. „Ich weiß, dass Juden in französischen Synagogen sehr gut geschützt sind. Französische Synagogen sind immer von der Polizei draußen umgeben. Bisher wissen wir nicht, ob die Deutschen die Synagogen auf die gleiche Weise sichern können.“

    „Deutsche müssen den Juden auf jeden Fall die volle Sicherheit bieten“

    Cohen weist weiter darauf hin, dass im letzten Jahr ungefähr 600 Kirchen in Europa von Fanatikern bedroht worden wären. Europa sei daher auch für Christen zu einem sehr gefährlichen Ort geworden, nicht nur für Juden. „Es gibt ein großes Problem mit vielen Fanatikern, vielen Extremisten, viele von denen auch in Deutschland leben“, sagt Cohen weiter gegenüber Sputnik.

    „Das ist eine globale europäische Bedrohung. Und bis jetzt weiß die Europäische Union leider nicht genau, wie sie damit umgehen soll.“

    Im Großen und Ganzen findet der Gesprächspartner Sputniks die Sicherheitsgarantien für die Juden in Deutschland sehr schlecht. Die Deutschen, deren Vorfahren etwa sechs Millionen Juden ermordeten, müssen „den Juden auf jeden Fall die volle Sicherheit bieten“.

    Im Blick auf die zugenommene Einwanderung aus Syrien und dem Irak verweist der Experte weiter auf einige Fanatiker unter den Migranten, die die Juden bedrohen könnten. „Die Deutschen müssen also die Mentalität dieser fanatischen Menschen berücksichtigen“, so Cohen. Allerdings ist es noch unklar, wer hinter der Attacke steht. Laut dem Mann im Video sahen die Angreifer „fast wie Polizisten“ aus. Sie hätten Kampf- und Schutzausrüstung bei sich gehabt und seien tatsächlich schwer bewaffnet gewesen.

    Laut Außenminister Heiko Maas hat der tödliche Angriff auf die Synagoge in Halle während des jüdischen Festes Jom Kippur die Deutschen ins Herz getroffen. In seiner Reaktion auf den Vorfall forderte er am Mittwoch einen verschärften Kampf gegen den Antisemitismus.

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