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05:13 22 Oktober 2019
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    Attentäter während der tödlichen Schießerei in Halle (Saale) am 9. Oktober 2019

    Mutmaßliches Manifest des Halle-Angreifers: Waffen, Ziele, Pläne

    © AFP 2019 / ATV-Studio Halle / ANDREAS SPLETT
    Gesellschaft
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    Synagogenanschlag in Halle (29)
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    In der Nacht zum Donnerstag sind Medienberichte erschienen, denen zufolge der offenbar rechtsextreme Angreifer einer Synagoge in Halle ein Manifest im Netz veröffentlichte. Der englischsprachige Text, der nach allen derzeit ermittelbaren Hinweisen vom Täter verfasst sein könnte, lag Sputnik am Donnerstag vor.

    Das ganze Dokument, das elf Seiten umfasst, ist voll von antisemitischen Hetzwörtern und Erwähnungen von neonazistischen Verschwörungstheorien.

    Das Manifest mit dem Titel „pre-action report“ (in etwa: Absichtserklärung), beginnt mit Fotos und detaillierten Beschreibungen der Waffen, mit denen sich der Angreifer vorbereitet hatte. Aufgelistet sind insgesamt sechs Schusswaffen, ein Glock Feldmesser, 26 Handgranaten und ein gotisches Schwert („als letzter Ausweg oder um den Feind zu demütigen“). Seine Kevlar-Helm und Kevlar-Weste stammten angeblich von der Bundeswehr und der Polizei.

    „Nicht krepieren”: Ziele und Pläne

    Daraufhin stellt der Täter seine Ziele dar: die Fähigkeiten improvisierter Waffen zu beweisen, die Stimmung „anderer unterdrückten Weißen“ durch den Live-Stream zu erhöhen, und „so viele Anti-Weiße wie möglich, Juden bevorzugt“ zu töten.

    Das Haupt-Ziel lautet: „nicht krepieren“.

    Dann folgt sein eigentlicher Plan. Darin beschreibt der Autor ausführlich die topografische Lage der Synagoge und wie er ins Gebäude eindringen will. Als er seine Absichten fortführt, versteht er aber immer mehr mit jedem Absatz, dass der Plan schlecht ausgedacht ist. Er beklagt die seiner Meinung nach hohen Sicherheitsmaßnahmen rund um die Synagoge, erklärt allerdings, er habe sie als Ziel gewählt, weil sie der ihm am nächsten gelegene Ort mit einer hohen Anzahl von Juden sei.

    In Anlehnung an sogenannte Achievements („Erfolge“), die man in Computerspielen für die Erfüllung verschiedener Angaben erhält, kreierte der Autor eine Liste von möglichen Taten – jede hat dabei einen eigenen Namen. Die Liste startet mit dem Punkt „Kein Weg zurück“ – damit ist das Hochladen des Manifests ins Internet gemeint. Weitere Punkte verraten, dass der Täter neben Juden auch Kommunisten, Schwarze, Muslimen, Polizisten und Christen töten wollte. Auch den Mord an jüdischen Kindern hielt er demnach für möglich.

    Am Ende der Liste wird als „Achievement“ auch die Möglichkeit angeführt, dass er sich selbst mit den selbstgebastelten Sprengsätzen tötet.

    Das Fazit

    Am 9. Oktober versuchte ein schwerbewaffneter Mann, in eine Synagoge in Halle (Saale) einzudringen. Dieser Versuch scheiterte allerdings, woraufhin der Täter das Feuer auf eine Passantin öffnete. Er begab sich dann zu einem Döner-Imbiss, in dessen Nähe er eine weitere Person erschoss und mindestens zwei weitere Menschen verletzte. Er flüchtete mit einem Taxi und wurde anschließend von der Polizei festgenommen.

    Politiker aus der ganzen Welt verurteilten die Tat aufs Schärfste. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Innenminister Horst Seehofer und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchten die betroffene Synagoge, um der Opfer zu gedenken. Mehrere Politiker Deutschlands aller politischen Richtungen riefen dazu auf, Gewalt gegen Juden nicht zu dulden und gegen den Antisemitismus im Land vorzugehen.

    msch/ap

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    Themen:
    Synagogenanschlag in Halle (29)
    Tags:
    Rechtsextremismus, Verschwörungstheorie, Manifest, Antisemitismus, Halle