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11:16 19 Oktober 2019
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    Menschen bringen Blumen und Puppen zum Ort in Saratow, wo ein 9-jähriges Mädchen getötet wurde

    Menge will Täter lynchen: Todesstrafe nach Mord an 9-Jähriger in Russland wieder ein Thema

    © Sputnik / Alexey Koschelew
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    In der russischen Stadt Saratow versuchten Hunderte von empörten Bürgern Selbstjustiz an dem wegen Mordes an einer 9-jährigen Verdächtigen zu vollziehen. Wie der Täter gestand, hat er das Mädchen erwürgt, als es ihn vor der Garage, in der er illegal wohnte, ansprach. Der Fall hat eine Debatte über die Wiedereinführung der Todesstrafe ausgelöst.

    Laut einer Vertreterin des russischen Ermittlungsausschusses hat der bereits festgenommene Verdächtige, ein Mann Mitte 30, seine Schuld sowie die Motive für die Tat zugegeben. Den Angaben zufolge hatte der Mann sich vor einigen Monaten eine alte verwahrloste Garage ausgesucht, das Türschloss ausgetauscht und die Garage darauf bewohnt. Das getötete Mädchen soll am Mittwoch an der Garage vorbeigekommen sein und den Mann gefragt haben, ob die Garage ihm gehöre. Der Täter habe vermutet, dass die Garage den Eltern des Mädchens gehöre, und habe sie aus Angst vor der Enthüllung erwürgt. Die Ermittlung soll diese Version erst überprüfen.  Aufnahmen von Überwachungskameras sollen seine Angaben vorläufig bestätigt haben.

    Als der Verdächtige von Polizisten in der Garage festgenommen wurde, mussten sie ihn an der Menge vorbei führen, die Selbstjustiz forderte. Dies berichteten mehrere lokale Medien. Der Berichterstattung zufolge versammelten sich Hunderte von empörten Bürgern zu einer spontanen Kundgebung und forderten die Übergabe des Mörders. Die Leute ließen das Polizeiauto nicht vom Territorium, weil sie vermuteten, dass der Verdächtige sich darin befand, und versuchten, in die Garagen einzudringen. Auch sollen Anwohner sich in der Nähe des Polizeireviers versammelt haben. Sie forderten dazu auf, den Verdächtigen zur Lynchjustiz an sie zu übergeben. Ein Strafverfahren wegen des Mordes ist bereits eröffnet worden.

    Das am Mittwochmorgen auf dem Weg zur Schule verschwundene Kind war Freitagnacht in einer Garage tot aufgefunden worden, die offizielle Todesursache wurde nicht genannt. Gleichzeitig haben einige Nutzer von sozialen Netzwerken einen unbekannten Mann Mitte 30 als möglichen Täter verdächtigt. Eine Quelle aus den Sicherheitskräften teilte der Nachrichtenagentur RIA Novosti mit, dass der Verdächtige bereits wegen Vergewaltigung, Diebstahls und Sexualverbrechen verurteilt worden sei.

    Seit 1997 keine Todesstrafen in Russland

    Mehrere Menschen  nahmen den Vorfall zum Anlass, die Wiedereinführung der Todesstrafe in Russland zu fordern. Der Duma-Abgeordnete von der Region Swerdlowsk, Jewgeni Primakow (Einiges Russland), argumentierte in sozialen Netzwerken, die Todesstrafe müsste bei Gewalttaten gegen Kinder und Hilflose sowie bei Terrorismus und Korruption in großem Ausmaß eingeführt werden. Die Duma-Abgeordnete von der Region Saratow, Olga Alimowa, regte eine Diskussion über die Wiedereinführung der Todesstrafe gegen Pädophile, Mörder, Vergewaltiger und Terroristen an. Der in Russland bekannte Politologe und Journalist Witali Tretjakow bekräftigte, dass mit der Wiedereinführung der Todesstrafe keine Selbstjustiz gefragt wäre. Im Internet werden bereits Unterschriften zu einer entsprechenden Initiative gesammelt. Doch zugleich rufen viele Politiker dazu auf, solche Fragen „nicht mit glühend heißen Nerven“ zu lösen, und verweisen auf die Ineffektivität der Todesstrafe in den Ländern mit niedrigem Kriminalitätsniveau.

    Das Moratorium für die Todesstrafe gilt in Russland seit 1997, als das Land dem Europarat beigetreten war. Das letzte Todesurteil wurde in Russland 1996 vollstreckt. Die Frage nach einer möglichen Aufhebung des Moratoriums wurde wiederholt gestellt, jedoch ohne Konsequenzen. Im Mai 2015 weigerte sich die Staatsduma, die Todesstrafe für Terroristen wieder einzuführe.

    lk/gsch

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    Tags:
    Russland, Gebiet Saratow, Saratow, Selbstjustiz, Todesstrafe, Mord