07:25 18 November 2019
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    Wörterbuch Duden (Archiv)

    Fußgängerzone und Waldsterben – welche Wörter in den 70ern und 80ern Eingang in den Duden fanden

    © AP Photo / Martin Gnedt
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    Jahrzehnte in Wörtern – damit befasst sich Autor Hans Hütt. In seinen beiden neuen Büchern widmet er sich den 70er und 80er Jahren. Von Plattenbau und RAF über Bürgerinitiative bis hin zu Schulterpolster und Mauerfall – Hütt nimmt den Leser mit auf eine wortreiche Reise in die Vergangenheit.

    Die 80er Jahre sind das Lieblingsjahrzehnt der deutschen Erwachsenen, gefolgt von den 70ern. Das ergab eine YouGov-Umfrage vor knapp vier Jahren. Wie die beiden neuen Bücher von Hans Hütt zeigen, verdanken wir diesen Jahrzehnten nicht nur Schlaghosen und Fönfrisuren, sondern auch eine ganze Reihe von neuen Wörtern, die damals Eingang in den Sprachgebrauch und in den Duden fanden.

    Für die 70er Jahre stehen beispielsweise  Begriffe wie „Plattenbau“, „Ölkrise“, „Ostpolitik“, „RAF“, „Schlaghose“, „Disco“ und „Bürgerinitiative“. Auch die „Fußgängerzone“ nahm ihren Anfang in diesem Jahrzehnt. Mit spitzer Feder erklärt Hütt in seinem Buch den heute so selbstverständlich scheinenden Retro-Begriff:

    „Ihre Geburtsstunde schlägt, als die automobilisierte Stadt sich als Ideal durchgesetzt hat. Nun wird dem Fußgänger (...) eine eigene Zone eingerichtet, während die andere Zone, die sogenannte DDR, weiter auf winddurchwehte breite Straßen setzt, in denen die Partei- und Staatsführung das Volk paradieren lässt.“

    Auch neu im Duden der 70er ist „Umdenken“. Hütt definiert es so: „Es bezeugt Zweifel am bisherigen Denken und verspricht einen Richtungswechsel (...) Kein Wunder, dass das Wort bei Vordenkern der Ökologie, der Ökonomie und der Pädagogik beliebt ist.“

    Die 80er brannten sich sprachlich mit unheilvollen Begriffen wie „Waldsterben“, „Neonazi“, „Aids“ und „Langzeitarbeitslose“ ins Kollektivgedächtnis und ins Duden-Wörterbuch ein. Außerdem dabei: „Grüne“ („Als sie die politische Bühne betreten, wirken sie wie ein bunter Haufen schräger Vögel“), „Yuppies“ („Der adrette Auftritt des ‚young urban professionals‘ drängt den Schlendrian der Hippies, Punks und anderer Gegenkulturen an den Rand.“) und „Computerfreaks“ („Sie Freaks zu nennen, bezeugt das für manche Befremdliche ihres Tuns, das sie an die Bildschirme fesselt“).

    Interessante Einblicke in das, was die Menschen im jeweiligen Jahrzehnt bewegte, gibt auch die Duden-Rubrik „Wort des Jahres“ beziehungsweise „Unwort des Jahres“. Ersteres wurde in Deutschland 1977 eingeführt. In den Jahren 1977 bis 1979 hießen die Gewinnerwörter „Szene“, „konspirative Wohnung“ und „Holocaust“. Die 80er begannen mit „Rasterfahndung“, „Nulllösung“, „Ellenbogengesellschaft“, „heißer Herbst“, „Umweltauto“ und „Glykol“. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts folgten „Tschernobyl“, „Aids/Kondom“, „Gesundheitsreform“, „Reisefreiheit“ und „die neuen Bundesländer“. Das Unwort des Jahres wurde hingegen erst nach der Wiedervereinigung eingeführt: 1991 wurde das erste Unwort des Jahres „ausländerfrei“. 

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    Tags:
    Geschichte, Sprache, Deutschland